Finanzierungsprogramm

Mehr Geld für Kita-Gründer

Die Elterninitiativen für neue Kitas warten ungeduldig auf die Entscheidung der Bildungsverwaltung, wie das Geld für den Ausbau der Betreuungsplätze verteilt werden soll. Insgesamt 20 Millionen Euro hat Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) für die Schaffung neuer Betreuungsplätze in den Haushaltsverhandlungen erkämpft.

Am heutigen Montag will sie bekannt geben, welche Maßnahmen damit noch in diesem Jahr geplant sind.

Die Zeit drängt, denn schon jetzt befürchten Experten, dass es gar nicht mehr möglich sein wird, in diesem und im nächsten Jahr die gesamte Summe auszugeben. Bis 2015 sollen insgesamt 19.000 neue Kitaplätze entstehen. Davon sollen 11.000 Plätze aus dem Berliner Haushalt finanziert werden. Weitere 8000 sollen aus der besseren Auslastung bestehender Kitas entstehen. Wenn dieses Ziel erreicht werden soll, müssten in diesem und im nächsten Jahr 6000 Plätze geschaffen werden. Rein rechnerisch stünden 4000 Euro pro neuen Platz bereit. Klar ist, dass damit der Neubau von Kitas kaum zu finanzieren ist. Die Priorität soll auf dem Ausbau vorhandener Kitas liegen und auf der Unterstützung von kleinen Initiativen, die sich in Wohnungen oder Gewerberäumen einmieten können.

Nach Informationen des Dachverbandes für Kinder- und Schülerläden soll es für neue Elterninitiativkitas ein Startgeld von 1000 Euro für jeden neu geschaffenen Platz geben. Die Vergabe soll relativ unbürokratisch erfolgen. Unklar ist allerdings, ab wann die Gründungsinitiativen mit dem Geld rechnen können. Eine zweite Säule des Finanzierungsprogramms sollen die Mittel für den Aus- und Umbau sein. Hier können die Träger mit 5000 bis 6000 Euro pro Platz rechnen. Allerdings kann das Geld nur beantragt werden, wenn alle Gutachten und Planungen von Architekten vorliegen.

Hohe Mieten sind ein Problem

Eine dritte Säule sollen Mietzuschüsse sein, wenn Eigentümer der Immobilie beim Ausbau der Räume in Vorleistung treten und die Investitionen auf die Miete umlegen. Wie genau diese Zuschüsse geregelt werden können, war bisher noch umstritten. Schließlich soll vermieden werden, dass Gewerbemieten steigen oder sich Immobilieneigentümer an den staatlichen Hilfen gesundstoßen. Das Problem: Gerade in den Innenstadtbezirken reicht das für Mietkosten vorgesehene Geld nicht mehr aus. Laut Kostenblatt stehen den Trägern aus den Landeszuschüssen vier Euro pro Quadratmeter zu. "Bei Neuvermietungen ist ein solcher Preis kaum noch möglich", sagt Roland Kern vom Dachverband der Kinder- und Schülerläden. Eine generelle Anhebung der Mietkostenzuschüsse ist allerdings bei dem vorgesehenen Budget im Landeshaushalt nicht machbar.

Die "Herzberger Wurzelzwerge" hoffen sehr auf die geplante Förderung vom Senat. Schon im Mai oder Juni soll der ökologische Kinderladen in Lichtenberg eröffnen. Geeignete Räume haben sie schon in einem schönen Altbau unweit des Landschaftsparks Herzberge gefunden. Auf einem extra für die Kita vorgesehenen Stück Land in dem Park soll ein Biogarten entstehen. Die Warteliste für den Kinderladen in Gründung ist bereits lang. Lichtenberg gehört zu den sogenannten Boom-Bezirken. Dort ist der Kita-Notstand besonders groß. Nach Angaben des Bezirks werden hier etwa 1000 zusätzliche Plätze gebraucht.

Eltern nehmen selbst Kredite auf

Doch den Eltern der "Wurzelzwerge", die hier Plätze für 30 Kinder schaffen wollen, fehlt dringend Geld für den Ausbau und die Einrichtung. "Gerade erst wurde unser Antrag auf Förderung aus dem Investitionsprogramm für den Ausbau von Krippenplätzen abgelehnt", sagt Christian Steinfurth. Derzeit seien die Eltern gezwungen, für den nötigen Umbau selbst Kredite aufzunehmen. "Wir schaffen Plätze, die von der Stadt dringend gebraucht werden, und sollen auch noch selbst dafür zahlen", sagt Christian Steinfurth. Dabei investierten die Eltern ohnehin schon Arbeit unentgeltlich in das Projekt.

Auch die Elterninitiative für die Kita "Märchenland" in Kaulsdorf braucht noch Unterstützung für den Ausbau des bereits gemieteten Hauses mit Garten. Förderung vom Land gibt es bisher nicht, obwohl die Eltern 30 Betreuungsplätze mit dem Schwerpunkt Sprachförderung schaffen wollen. "Wir sind auf Spenden angewiesen, um die Sanitäranlagen, Fußbodenbeläge und Möbel zu finanzieren", sagt Svetlana Schwemler. Gemeinsam mit anderen Eltern hatte sie den Verein gegründet, weil sie für ihren Nachwuchs keinen Kitaplatz gefunden hatte. Inzwischen ist ihr Sohn schon in der Schule. Trotzdem kämpft sie in der Elterninitiative weiter für die neue Kita.