Kontakte zu Eventmanager Manfred Schmidt

Wowereits späte Erinnerung an Urlaub in Spanien

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hat Kontakte zu dem umstrittenen Eventmanager Manfred Schmidt eingeräumt. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen schreibt Wowereit, er sei vor acht Jahren während eines privaten Spanienurlaubes für zwei bis drei Tage Gast in Schmidts Ferienhaus bei Barcelona gewesen.

Noch vor zwei Wochen allerdings hatte Wowereit auf eine mündliche Anfrage im Parlament ausweichend reagiert. Wiederholt zeigten sich Wowereit und Schmidt in der Vergangenheit gemeinsam auf Partys.

Manfred Schmidt ist ein Mann, zu dem Politiker derzeit lieber Abstand halten. Der Veranstalter spielte in der Affäre um den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff eine zentrale Rolle, weil die Staatskanzlei Hannover den von ihm organisierten "Nord-Süd-Dialog" unterstützte. Der langjährige Sprecher Wulffs, Olaf Glaeseker, hatte mehrere Urlaube bei Schmidt verbracht und sich um Sponsoren für das Netzwerk-Treffen in Hannover bemüht. Gegen Glaeseker ermittelt die Staatsanwaltschaft nun wegen Bestechlichkeit. Überrascht hatte Wowereit, als er vor einer Woche die umstrittene Zahlung des Ehrensoldes an Christan Wulff verteidigte.

Wahlkampf am Brandenburger Tor

Bekannt war, dass Schmidt im vergangenen Jahr eine Wahlkampfveranstaltung am Brandenburger Tor für den Regierenden Bürgermeister organisierte. Damals wurde Kritik laut, dass sich Unternehmer einen bevorzugten Draht zu Politikern beschaffen könnten. Auch Willy Weiland, Vorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbandes, war Mitorganisator.

Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat Wowereit kein Geld für seinen acht Jahre zurückliegenden Urlaub bezahlt. Der zwei- bis dreitägige Aufenthalt in Schmidts Finca war dem Vernehmen nach ein "Urlaub unter Freunden".

Die Grünen fordern weitere Aufklärung. "Ich weiß nicht, warum sich der Regierende Bürgermeister das aus der Nase ziehen lässt", sagte Dirk Behrendt, der erst die mündliche und nun die schriftliche Anfragen gestellt hatte, die der Morgenpost vorliegt. "Das macht mich misstrauisch." Jetzt müsse Wowereit erklären, wie es zu dem Besuch in Schmidts Finca kam und was besprochen wurde. Es sei bekannt, dass Schmidt die Nähe zu mehreren Ministerpräsidenten suchte - daher müsse geklärt werden, was daraus folgte. Behrendt: "Kein Huhn pickt umsonst."

Wowereits Sprecher sagte auf Anfrage der Morgenpost, an dem Urlaub sei "nichts Anstößiges oder Geheimnisvolles." Wowereit erklärt in der schriftlichen Antwort auf die Frage, ob er von Eventmanager Schmidt sonstige Vergünstigungen wie Gratisflüge oder Eintrittskarten erhalten habe: "Nein, der Regierende Bürgermeister hat keine solchen Vergünstigungen entgegengenommen. Er hat auch keine Erkenntnisse darüber, dass enge Mitarbeiter dies getan hätten." Zu der Wahlkampf-Party am Brandenburger Tor schreibt Wowereit, er habe "als Gast teilgenommen und dort gesprochen." Über Kosten und Finanzierung der Veranstaltung habe er keine Informationen.

Der Landesvorsitzende der Linken, Klaus Lederer, forderte Wowereit auf, seine Kontakte zu Unternehmern oder PR-Leuten darzustellen. "Dass es Verquickungen zwischen Politik und Wirtschaft gibt, ist nicht erst seit gestern bekannt", sagte Lederer, dessen Partei langjähriger Koalitionspartner Wowereits war. "Wir haben aber nichts von den Kontakten Wowereits zu Schmidt gewusst."

Die CDU verteidigte den Chef des rot-schwarzen Senats. "Wenn man keine inhaltlichen Ideen hat, schmeißt man mit Dreck", sagte der Generalsekretär der Berliner CDU, Kai Wegner.

Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh stellte sich demonstrativ vor Wowereit: "Dass sich die Opposition an der Kleiderordnung der Spitzenleute abarbeitet und mit Andeutungen rumschmutzt zeigt ihre Inhaltsleere."

Klaus Wowereit war auch mehrfach im Haus des Unternehmers Harald Christ in Südafrika zu Gast. Der Sozialdemokrat ist ein Freund des Regierenden Bürgermeisters, als Schatzmeister engagiert Christ sich im Berliner SPD-Landesverband. Für den Aufenthalt zahlte Wowereit nichts, den Flug finanzierte er selbst. Bei seinem Gastgeber revanchierte sich Wowereit mit Einladungen zum Essen, wobei er meist die Rechnungen übernahm.