Kriminalität

Prozess gegen Polizisten wegen Geheimnisverrat

Weil er Einsätze im Rockermilieu verraten haben soll, muss sich ein 24-jähriger Bereitschaftspolizist seit Montag vor dem Landgericht Moabit verantworten. Dreimal soll der Beamte 2010 und 2011 ein Mitglied der Hells Angels per SMS vor einer tatsächlich oder vermeintlich bevorstehenden Razzia im Klubhaus der Rockergruppe in Reinickendorf gewarnt haben.

Verrat von Dienstgeheimnissen lautet die Anklage. Der 25-Jährige Empfänger der Nachrichten sitzt ebenfalls auf der Anklagebank, wegen Bestechung. Er soll seinem Informanten als Gegenleistung einen Motorradhelm zum Einkaufspreis überlassen haben. Beide Angeklagte schweigen zu den Vorwürfen.

Ein Verdacht gegen den türkischstämmigen Beamten der 13. Einsatzhundertschaft bestand schon länger, als dessen Kollegen im vergangenen Jahr das Handy des 24-Jährigen beschlagnahmten und untersuchten. Offenbar wurden sie fündig. "Vielleicht komme ich heute noch mit meinen Freunden vorbei", lautete eine der Nachrichten an den Mitangeklagten. Die Staatsanwaltschaft sieht darin, wie in anderen ähnlich lautenden Handy-Botschaften, eine Warnung vor einem Einsatz.

Wenn sich der Verdacht bestätigt, hat der Verrat dem Beamten einen finanziellen Vorteil von nur 140 Euro eingebracht. Aber um Geld ging es dem 24-Jährigen womöglich gar nicht. In einer weiteren Handy-Botschaft an den Mitangeklagten, zu dem er offenbar ein inniges Verhältnis pflegte, heißt es: "Wozu sind Brüder da?" Prozessfortsetzung am 8. März.