Countdown Flughafen: Noch 89 Tage

In Tegel droht nach dem letzten Abflug jahrelanger Leerstand

Wenn am 3. Juni der neue Großflughafen in Schönefeld eröffnet, gehen zeitgleich am Flughafen Tegel die Lichter aus. Doch wie weit sind die Pläne des Senats gediehen, das 460 Hektar große Flughafenareal im Nordwesten Berlins in einen hochmodernen Technologiepark zu verwandeln?

Um Antwort auf diese Frage hatten am Montag die Abgeordneten im Ausschuss für Wirtschaft gebeten und dazu den Mann eingeladen, der die Antwort wohl am besten kennt: Hardy Schmitz, Geschäftsführer der vor fünf Monaten gegründeten "Tegel Projekt GmbH".

Schmitz und sein kleines Team haben in den vergangenen Monaten die verschiedenen Varianten durchgerechnet und kommen auf ernüchternde Zahlen. Denn egal, wie das Land die Pläne vorantreibt: Teuer wird es auf jeden Fall. "Allein der Unterhalt der leer stehenden Gebäude und die Sicherung des gesamten Areals durch einen Wachschutz wird jedes Jahr rund vier bis fünf Millionen Euro kosten", rechnet Schmitz. Diese Kosten fallen von dem Zeitpunkt an, wenn die Flughafengesellschaft das gesamte Areal "besenrein" übergeben wird: am 31. August. Am 2. September soll die Schlüsselübergabe mit einem großen Publikumsfest gefeiert werden. Bei einem Tag der offenen Tür bekommen Berliner Gelegenheit, Abschied von ihrem alten Flughafen zu nehmen. So klar die ersten Schritte in die neue Zukunft sind, so unklar ist, was darauf folgt. Denn der Senat hat für die kommenden zwei Jahre nur zwei Millionen Euro bewilligt. 80 Prozent der Entwicklungsgelder in Höhe von 53 Millionen Euro sollen erst von dem Jahr 2017 an bereit stehen.

Voraussetzung für die Nachnutzung sei aber, dass die Bestandsgebäude des Flughafens aus den 70er-Jahren wenigstens soweit "aufbereitet" wären, dass dort ein Einzug möglich ist. Dies ginge in drei unterschiedlichen Varianten. Abriss und Neubau käme nicht in Frage, weil die Kosten enorm hoch seien und der Wert für das Land Berlin praktisch gegen Null tendiere. Variante zwei wäre das Freihalten der Gebäude, bis ein solventes Unternehmen gefunden ist, das die Hauptinvestitionen tätigt. Nach Berechnungen der Experten müsste dieser rund 80 Millionen Euro allein in den Umbau und die Sanierung des Terminals investieren. Bis so ein Investor gefunden ist, können jedoch Jahre vergehen: "Damit fallen auf Jahre hinaus hohe Unterhaltskosten an", so Schmitz weiter. Aus Sicht des Planerbüros käme also nur eine dritte Variante in Frage. Und die sieht "Zwischennutzungsmodelle bei minimalen Anfangsinvestitionen" vor. Doch selbst bei dieser Variante kommen erhebliche Summen zustande: 25 bis 30 Millionen Euro würde es kosten, das Terminal so herzurichten, dass dort nach dem Auszug des Flugbetriebes junge innovative Firmen und Mietinteressenten wie etwa die Beuth-Hochschule einziehen könnten.

Die Industrieansiedlungen auf dem Rollfeld werden ebenfalls noch auf sich warten lassen. Vermutlich erst Anfang 2014 werde der dazu notwendige Bebauungsplan alle Genehmigungsstufen durchlaufen haben. Da die Kampfmittel- und Altlastensuche erst mit der Schließung des Flughafens erfolgen könne, sei dafür ein weiteres Jahr erforderlich, so Rainer Nagel von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Das ist zugleich einer der Gründe, weshalb die Zäune um das Flughafenareal noch einige Jahre stehen werden: "Anders lässt sich das riesige Areal nicht sichern", so Nagel.