Serie, Teil 5: Tatort Berlin

"Wie schütze ich mein Haus?"

Beim Leserforum der Berliner Morgenpost zum Abschluss der Serie "Tatort Berlin" hatten unsere Leser am Sonntag die Möglichkeit, per Telefon ihre Fragen rund um das Thema Einbrüche an Experten zu richten. Besonders viele Leser fragten nach Möglichkeiten, ihre Wohnung oder ihr Haus mit technischen Mitteln zu schützen.

Polizeirat Volker-Alexander Tönnies und Kriminalhauptkommissar Bernd Bories gaben den Anrufern wertvolle Antworten. Auch der Versicherungsexperte Stephan Gelhausen vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) war ein vielbeschäftigter Ansprechpartner. Vor allem erreichten ihn Fragen zu Hausratversicherungen. Der Diplompsychologe Norbert Kröger, der auch für den Weißen Ring arbeitet, sprach mit unseren Lesern über die seelischen Folgen, die ein Einbruch in den persönlichsten Rückzugsraum bedeuten kann. Eine Auswahl der wichtigsten Fragen und Antworten.

"Ich bin Reihenhausbesitzer aus Wittenau. Mir ist kürzlich aufgefallen, wie schwergängig unser Haustürschloss ist. Stammt der Schaden eventuell von einem versuchten Einbruch? Und wie sichere ich sinnvoll meine Terrassentür auf der schlecht einsehbaren Gartenseite? Ich habe keine Hausratversicherung."

Tönnies: Die Probleme mit dem Türschloss könnten in der Tat auf einen Einbruchsversuch hindeuten. Wenn Sie Ihre Gartenseite gefährdet sehen, empfehle ich, den Beratungsladen für Technische Prävention beim Landeskriminalamt in Tempelhof aufzusuchen. Fachbeamte bieten unabhängigen Rat, wie Sie Türen und Fenster schützen. Außerdem haben wir eine Auflistung zertifizierter Firmen für die Montage, denn nur der fachgerechte Einbau garantiert Funktionstüchtigkeit und Schutz. Und Sie sollten dringend die fehlende Hausratversicherung abschließen.

"Gibt es besondere Schlösser für Haus- oder Wohnungstüren, die auch nur zugezogen einen brauchbaren Schutz vor ungebetenen Besuchern bieten?"

Bories: Ein selbst verriegelndes Panikschloss, das begrenzten Schutz gegen Gewalteinwirkung bietet, kann Ihnen helfen. Von außen ist es bereits verschlossen, ohne dass man vorher einen Schlüssel umdrehen muss. Gleichzeitig kann die Tür dennoch von innen geöffnet werden.

"Die Außenfassade unseres Mietshauses in Spandau soll isoliert und gestrichen werden. Demnächst soll ein Baugerüst aufgebaut werden. Was muss ich als Mieter beachten?"

Gelhausen: Das Gerüst stellt eine sogenannte Gefahrerhöhung dar, die Sie Ihrer Versicherung melden müssen. Eine Beitragserhöhung brauchen Sie dadurch aber nicht zu erwarten. Sie sind auch nicht verpflichtet, besondere zusätzliche Einbruchschutzmaßnahmen an den Fenstern vorzunehmen. Als Gefahrerhöhung gilt zum Beispiel auch eine längere Abwesenheit aus Ihrer Wohnung. In der Regel müssen Sie prinzipiell Abwesenheiten von mehr als zwei Monaten Ihrer Versicherung melden.

"Wir haben in unserem Einfamilienhaus große Wohnzimmerfenster. Ist es aus fachlicher Sicht sinnvoll, auch tagsüber jedes Mal die Rollläden runterzulassen, wenn wir das Haus verlassen, oder kann das für Einbrecher ein Zeichen sein, dass sich niemand im Haus befindet?"

Tönnies: Das muss nicht sein. Die Einbrecher müssen auch davon ausgehen, dass Sie in der Nacht gearbeitet haben und jetzt schlafen möchten. Grundsätzlich macht es den Tätern die Arbeit schwerer. Nach unseren Erfahrungen geben Einbrecher nach ungefähr fünf Minuten auf. Sie wollen schließlich schnell und unauffällig einbrechen.

"Ich fürchte, dass meine Fenster mit einfachem Glas nicht genügend Schutz bieten. Muss ich nachrüsten?"

Bories: 70 Prozent aller Einbrecher hebeln Türen oder Fenster auf, das Einschlagen von Fensterglas ist erst der zweite, wegen des Lärms deutlich unbeliebtere Weg eines Einbrechers. Ein Schutzmittel für Fenster besteht in einer Durchwurfhemmung, die aus seiner Folie besteht und die Widerstandskraft der Verglasung stärkt. Wichtig ist jedoch, dass diese Folie im Rahmen integriert sein muss. Bei der Auswahl solcher Folien sind dringend DIN-Normen zu beachten.

Bei einer Leserin aus Hohenschönhausen wurde vor Kurzem eingebrochen und dabei die Wohnung stark verwüstet. "Ich fühle mich im Kiez nicht mehr sicher, auch eine Bekannte in der Nachbarschaft war schon betroffen. Macht es Sinn, in eine andere Gegend umzuziehen?"

Kröger: Es besteht die Gefahr, dass Sie bei einem Umzug ihre seelischen Probleme mitnehmen in die neue Umgebung. Versuchen Sie, das Erlebte mit Freunden und Bekannten zu besprechen. Häufig reicht es schon, sich ausführlich vertrauten Personen mitzuteilen. Wenn das nicht hilft, sollten Sie sich nicht scheuen, einen Psychologen aufzusuchen.

"Mein Freund hat in das Kellerfenster unseres Einfamilienhauses in Pankow eine Katzenklappe eingebaut. Muss das während längerer Abwesenheit besonders gesichert werden?"

Tönnies: Der Einbau einer Katzenklappe, auch wenn das professionell gemacht wurde, ist eine Schwächung des Fensters. Auch wenn es sehr unwahrscheinlich ist, dass durch so eine kleine Luke ein Mensch in das Haus gelangen kann, sollten Sie vor dem Urlaub ein Gitter davor befestigen.

"Ich stehe unmittelbar vor dem Umzug in eine Erdgeschosswohnung mit Kastenfenstern. Wie kann ich die Fensterfronten besser schützen?"

Bories: Ratsam ist der Einbau eines sogenannten Teleskopriegels in die Fenster. Das sind Querriegel mit Befestigung in der Wand, die nicht nur stabil sind, sondern sie bilden für potenzielle Einbrecher ein sichtbares Zeichen der Abschreckung. Alternativ können Fensterzusatzschlösser und Bandseitensicherungen installiert werden. Eine Kombination aus beidem stellt ein nahezu unüberwindbares Hindernis dar.

"Die Haustür unseres Mietshauses schließt nicht mehr richtig. Was kann ich tun, und wie reagiert die Versicherung, wenn etwas passiert?"

Gelhausen: Wenn Sie eine Hausratversicherung haben, sind Sie für die finanziellen Folgen eines Wohnungseinbruchs abgesichert. Je nach Sachlage kann der Versicherer den Hauseigentümer bzw. die Hausverwaltung für einen Teil des Schadens in Regress nehmen. Melden Sie dem Eigentümer oder der Verwaltung die defekte Tür, am besten schriftlich.

"Wie sichern wir unser Einfamilienhaus in Spandau, speziell die Terrassentür ab? Bei Abwesenheit haben wir dort ständig eine herabgelassene Jalousie."

Tönnies: Über eine Kombination von Maßnahmen können Sie sich absichern: Nachbarn, die für Bewegung und belebten Eindruck sorgen. Eine vorhandene Lichtschaltung ist sehr hilfreich, auch ein Bewegungsmelder stellt ein wirksames und günstiges Mittel zur Abschreckung von Einbrechern dar. Über weitere technische Sicherheitsmittel informiert Sie der Beratungsladen der Kriminalpolizei. Am wichtigsten sind aber richtig gesicherte Fenster und Türen.

"Das Schloss unserer Tür am Zaun kann nicht mehr abgeschlossen werden. Verliere ich dadurch den Versicherungsschutz?"

Gelhausen: Nein, das hat keine Auswirkungen auf Ihren Versicherungsschutz. Wer in das Haus einbrechen möchte, kann einfach über den Gartenzaun steigen. Da spielt das keine Rolle, ob die Zauntür abschließbar ist oder nicht. Versicherungsort und vom Versicherungsschutz erfasst sind in erster Linie die Räume im Haus.

"Muss ich mir Sorgen um meinen Balkon im zweiten Obergeschoss als Einfallstor für Einbrecher machen? Unser Balkon ist nämlich über ein tiefer gelegenes Dach des Nachbarhauses erreichbar."

Bories: Das ist abhängig von der Bausituation, beispielsweise kann das Vorhandensein von Aufstiegsmöglichkeiten wie in Ihrem Fall ein Grund zum Handeln sein. Ein sichtbarer Riegelschutz zeigt potenziellen Einbrechern, dass hier das Aufhebeln allein nicht zum Erfolg führt. Im Zweifel holen Sie sich Tipps im Beratungsladen der Polizei am Platz der Luftbrücke 5 in Tempelhof ein. Außerdem können Sie bei Bedarf auch einen kostenpflichtigen Vor-Ort-Service nutzen. Dann besuchen unsere Fachberater Sie zu Hause.

"Ich verspüre nach einem Einbruch in mein etwas abgelegenes Haus eine ständige innere Unruhe, habe zeitweise Schlafstörungen oder hin und wieder sogar Albträume. Wie soll ich mich verhalten?"

Kröger: Offenbar hat bei Ihnen eine Traumatisierung stattgefunden. Kurzfristig sind solche Symptome eine natürliche Reaktion und Zeichen der Verarbeitung. Immerhin ist ein Unbekannter in ihre "geschützte Burg" eingedrungen. Das wird von Betroffenen oft als "seelische Vergewaltigung" empfunden. Wenn diese Ängste länger anhalten, wäre es sinnvoll, sich mit einem Traumatherapeuten in Verbindung zu setzen.

"Mir wurden auf einem Friedhofsparkplatz die Haustürschlüssel aus dem Handschuhfach meines Autos gestohlen. Als ich nach Hause kam, fehlte Geld und Schmuck im Wert von 15.000 Euro. Der Täter wurde gefasst, doch die Versicherung zahlt nicht. Was kann ich tun?"

Gelhausen: In Streitfragen mit Versicherungen können Sie sich grundsätzlich an den Ombudsmann der Versicherungswirtschaft wenden, bevor Sie juristische Schritte unternehmen. In Ihrem Fall dürften die Chancen eher gering sein, denn Ihnen kann fahrlässiges Verhalten vorgeworfen werden, selbst wenn die Wohnungsschlüssel in einem verschlossenen Handschuhfach lagen.

"Ich wohne in einem Hochhaus in Marzahn-Hellersdorf in der zehnten Etage. Welche Sicherheitsklasse sollte die Wohnungstür haben?"

Tönnies: In so einer Lage in dem Haus müsste eine Wohnungstür der Widerstandsklasse 2 ausreichen. Sollte es sich um eine Tür handeln, die nur mit Pappe gefüllt ist, kann auch eine Holz- oder Metallplatte von innen an der Tür befestigt werden. Auf die Scharniere und Schlösser sollten Sie besonderes Augenmerk richten. Empfehlenswert sind Querriegel- oder auch Stangenschlösser. Ein Türspion sollte auch nicht vergessen werden.

"Warum werden Vermieter nicht dazu verpflichtet, die Wohnungen, die Sie vermieten, einbruchssicher zu machen?"

Bories: Eine gute Frage, doch da ist die Polizei der falsche Ansprechpartner. Das muss der Gesetzgeber beispielsweise über die Änderung des Mietrechts regeln. So eine gesetzliche Neuregelung muss auf Initiative der Politik ins Leben gerufen werden. In den Niederlanden gibt es so etwas bereits.

"Ich besitze eine hochwertige Sammlung von Puppen, die seit 25 Jahren über den Hausrat mit einer Versicherungssumme von 60.000 Euro insgesamt mitversichert sind. Besteht die Gefahr einer Unterversicherung?"

Gelhausen: Eine Unterversicherung ist in der Regel ausgeschlossen, wenn die Versicherungssumme pro Quadratmeter versicherten Wohnraums aktuell mindestens 650 Euro beträgt - also bei 70 Quadratmetern etwa 45.500 Euro. Wenn Ihre Puppensammlung alleine einen sehr hohen Wert darstellt, melden Sie das Ihrer Versicherung. Möglicherweise muss die Versicherungssumme angepasst werden. Grundsätzlich hilft es bei der Abwicklung im Schadensfall, Rechnungen und Fotos von wertvollen Hausratgegenständen vorweisen zu können.

"Sollte ich meine Velux-Dachfenster zusätzlich schützen, da sie von einem Nachbardach aus erreichbar sind?"

Bories: In diesem Fall lohnt sich eine Zusatzsicherung. Eine sogenannte Dachflächenfenstersicherung bietet in diesem Fall größtmöglichen Schutz vor Einbrechern. Wie für die Realisierung von Sicherungsmaßnahmen an Wohnungstüren gilt auch hier: Bauliche Veränderungen sind zuvor vom Vermieter schriftlich zu genehmigen. Bei Wohneigentum ist außerdem die Teilungserklärung zu beachten.