Finanzielle Hilfe

Heimkinder: Ansturm auf neue Beratungsstelle

Bei der neu eröffneten Berliner Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder haben sich in den ersten sechs Wochen rund 200 Betroffene gemeldet. "Wir platzen mit den Anfragen aus allen Nähten", sagte die Leiterin der Einrichtung, Daniela Gerstner.

Die drei Mitarbeiter sollen frühere Heimkinder bei ihren Anträgen auf Leistungen aus einem bundesweit eingerichteten Fonds unterstützen. Häufig würden ehemalige Heimkinder spezielle finanzielle Hilfe benötigen. Vielfach müssten die Mitarbeiter der Einrichtung aber auch psychologische Hilfe leisten, so die Sozialarbeiterin und Traumafachberaterin.

Die Einrichtung war am 19. Januar von der Berliner Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) eröffnet worden. Die sozialpädagogischen Fachkräfte arbeiten für die gemeinnützige Gesellschaft für sozial-kulturelle Arbeit. Diese hat ihre Räume im Nachbarschaftsheim Schöneberg an der Holsteinischen Straße 30. Ehemalige Heimkinder können seit Jahresanfang Anträge auf finanzielle Hilfen stellen. Dafür wurde in jedem Bundesland mindestens eine Beratungsstelle eingerichtet.

Bis zu 16.000 Euro Entschädigung

Für die Entschädigung muss der Hilfesuchende belegen, dass er unter den Folgeschäden durch die Heimerziehung leidet. Bis zu 16.000 Euro an finanzieller Hilfe könnte pro Betroffenem berechnet werden. In dem für Hilfsleistungen vorgesehenen Fonds stehen 120 Millionen Euro zur Verfügung. Das Geld stammt vom Bund, den elf westdeutschen Bundesländern, der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), den katholischen Bistümern, Caritas und Diakonie sowie der Deutschen Ordensobernkonferenz (DOK). Der Anteil Berlins am Fonds beträgt insgesamt 1,1 Millionen Euro, für den Betrieb der Beratungsstelle zahlt das Land in diesem Jahr und 2013 jeweils rund 100.000 Euro an einen freien Träger.

Mit dem Geld sollen ehemalige Heimkinder unterstützt werden, die spezielle Hilfen benötigen, weil sie bis heute unter den Folgen der Heimerziehung leiden. Mehr als die Hälfte der Heime befand sich in kirchlicher Trägerschaft. Die Einrichtung des Fonds war vom Runden Tisch Heimerziehung empfohlen worden. Bundestag und die Länderparlamente hatten die Empfehlung beschlossen.

Das Recht auf Entschädigungen geht auf eine Initiative ehemaliger Heimkinder zurück. Sie hatte sich 2006 an den Petitionsausschuss des Bundestages gewandt. Die Entschädigungslösung wurde im Sommer 2011 vom Bundestag auf den Weg gebracht. Die Berliner Beratungsstelle soll auch Heimkindern aus der DDR offenstehen. Während der Verhandlungen hatten sich die Opfer der DDR-Heimerziehung beklagt, dass ihr Schicksal vergessen werde. Über ihre Entschädigung soll bis zum Sommer eine Regelung gefunden werden. Gerstner betonte, dass aus ihrer Sicht die von beiden Betroffenengruppen erlittene Gewalt vergleichbar sei.