Countdown Flughafen: Noch 93 Tage

Botschaftsangehörige staunen über Nachtflugverbot

"Ab 24 Uhr ist die Hauptstadt der viertgrößten Wirtschaftsmacht der Welt nicht mehr erreichbar." Die zahlreichen Botschaftsvertreter, die sich am Donnerstag im "Berlin Capital Club" am Gendarmenmarkt auf Einladung des Verbandes Infraneu zum Frühstücksgespräch mit Flughafenchef Rainer Schwarz eingefunden hatten, staunten nicht schlecht, als dieser ihnen offenbarte, dass es ab dem 3. Juni keine Nachtflüge mehr nach Berlin geben werde.

Während es am alten Flughafen in Schönefeld kein Nachtflugverbot gab, gilt für den Großflughafen BER von Mitternacht bis fünf Uhr ein striktes Nachtflugverbot - zum Schutz der Anwohner vor nächtlicher Ruhestörung. "Das ist nicht verhandelbar, dazu gibt es höchstrichterlich festgelegte Regelungen", so Schwarz. Auch die Anzahl der Flüge in den Tagesrandzeiten von 22 bis 24 Uhr und von fünf bis sechs Uhr ist für Linienflüge genau geregelt. Für die Zeit zwischen 5 und 6 Uhr sowie zwischen 23 und 24 Uhr sind höchstens 31 Flugbewegungen erlaubt. Auf die bange Frage, was denn passiere, wenn das Flugzeug Verspätung habe, antwortete Schwarz unmissverständlich: "Dann müssen die Piloten nach Leipzig oder Poznan ausweichen, die einen 24-Stunden-Flugbetrieb haben."

Die Anwohner des Flughafens werden trotzdem in der geschützten Nachtzeit nicht völlig frei von Fluglärm sein. Denn es gibt Ausnahmegenehmigungen: In Tegel, wo es bisher auch schon ein Nachtflugverbot gab, wurden im vergangenen Jahr zwischen 23 Uhr und Mitternacht 812 Flüge genehmigt, zwischen 0 Uhr und 6 Uhr waren es immerhin 44. "Solche Genehmigungen sprechen wir nach Einzelfallprüfung etwa aus, wenn Wetterbedingungen oder Sicherheitsüberprüfungen dieses notwendig erscheinen lassen", so Daniela Augenstein von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, die für die Ausnahmegenehmigungen zuständig ist. Ausdrücklich kein Notfall liege vor, wenn die Airline logistische Probleme habe und ein Flug sich deshalb verspäte. "Die Airlines sind in der Pflicht, sich auf die geänderten Flugbestimmungen einzustellen", so Augenstein. Zu den Ausnahmeflügen kamen im vergangenen Jahr noch weitere rund 300 Regierungs-, Militär-, Ambulanz- oder Postflüge, die vom Nachtflugverbot ausgenommen sind.

In Deutschland sind Nachtflugverbote nichts Besonderes, entsprechende Regelungen gibt es auch für Frankfurt und München. Im europäischen Ausland oder gar in Asien und Amerika sieht das schon anders aus. Dort gibt es meist lediglich Beschränkungen. In Heathrow (London) etwa dürfen von 23 bis 7 Uhr keine besonders lauten Flugzeuge fliegen, in Schiphol (Amsterdam) gilt Ähnliches von 23 bis 6 Uhr sowie die Beschränkung auf eine bestimmte Anzahl von Flügen. In Paris werden knapp 60 Nachtflüge am Flughafen Charles de Gaulle abgefertigt, es gibt zudem Lärmbeschränkungen. In Asien und den USA kann in der Regel nachts geflogen werden. Allerdings gibt es etwa in Chicago oder Los Angeles die Auflage, nur bestimmte Landebahnen oder Flugrouten zu nutzen, Gleiches gilt für Tokio und Peking.

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