Stadtentwicklung

Zentralbibliothek: Gegner kritisieren Kosten und Standort

Auf dem Podium sitzen ausschließlich Befürworter, im Publikum hingegen auch zahlreiche Kritiker. "Zur Sache: Tempelhofer Freiheit!" ist die bislang dritte Diskussionsrunde der Tempelhof Projekt GmbH überschrieben, zu der mehr als 250 Interessierte am Dienstagabend in das ehemalige Flughafenrestaurant gekommen sind.

Die Sache, um die es ging, war der geplante Neubau der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) auf dem Tempelhofer Feld, der von den Planern des Flughafenareals als wesentlicher Impuls für die weitere Entwicklung betrachtet wird. Um dies zu untermauern, hatte die landeseigene Entwicklungsgesellschaft neben ZLB-Generaldirektorin Claudia Lux und ZLB-Baureferent Jonas Fansa auch Michael Kühne von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Volker Heller von der Senatskanzlei und Knud Schulz von der Zentralbibliothek im dänischen Aarhus auf das Podium eingeladen. Sie alle betonten aus unterschiedlichen Sichtweisen die Bedeutung eines modernen Bibliotheksneubaus für eine Metropole.

Ein Ort der Begegnung

Claudia Lux wies darauf hin, dass moderne Bibliotheken Orte des kulturellen Austausches, der Aktivitäten und der Begegnung seien. Auch der Däne Knud Schulz betonte den Wandel der Bibliothek "zum öffentlichen Ort für Menschen". So sollen, wie Volker Heller ausführte, allein 40 000 Quadratmeter der geplanten 63 500 Quadratmeter Gesamtfläche des Neubaus als Publikumsfläche ausgewiesen werden. Zum Vergleich: Die bisherigen Standorte der ZLB verfügen insgesamt über 7000 Quadratmeter Publikumsfläche. Der für 2019 geplante Bibliotheksneubau soll statt bislang zehn Stunden täglich 16 Stunden geöffnet sein und über etwa 4000 Arbeitsplätze für Besucher verfügen (derzeit existieren 800 Plätze).

Doch dessen ungeachtet bleibt das Projekt, das sich Berlins Regierender Klaus Wowereit (SPD) auf seine Fahnen geschrieben und vergangenes Jahr gegen alle Widerstände auch im Koalitionsvertrag durchgeboxt hat, nach wie vor äußerst umstritten. Mehr noch: Die Pläne polarisieren. Den Kritikern des Mammutprojektes, von denen sich viele im ehemaligen Flughafenrestaurant eingefunden hatten, sind dabei nicht nur die bislang veranschlagten Kosten in Höhe von etwa 270 Millionen Euro ein Dorn im Auge. Einige teilen zwar die Einschätzung aller Podiumsteilnehmer, was die Notwendigkeit eines Neubaus betrifft, doch sie lehnen den vom Senat gewählten Standort am Rande des ehemaligen Tempelhofer Flugfeldes vehement ab. Den wollen sie stattdessen weiter unbebaut sehen. Andere befürchten wiederum als Folge des Baus der neuen ZLB die Schließung weiterer Bezirksbibliotheken, die schon seit Jahren zu kämpfen haben.

Die Frage der Finanzierung des ambitionierten Neubauprojekts konnte keiner der Diskussionsteilnehmer konkret beantworten. In Aarhus wurden für den Neubau einer Zentralbibliothek mit rund der Hälfte der in Berlin geplanten Fläche etwa 255 Millionen Euro veranschlagt. In Berlin ist von 270 Millionen Euro die Rede.