Überfälle

Berliner Taxifahrer in Angst

Berlins Taxifahrer sind alarmiert, und die Polizei sucht den großen Unbekannten. Der Grund für die Unruhe ist eine Serie von Überfällen, die es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Fünf Fälle mussten die Ermittler der Kriminalpolizei innerhalb weniger Tage registrieren. Und jedes Mal begnügte sich der Täter nicht mit dem Raub von Bargeld, sondern nahm stattdessen auch gleich das Taxi mit.

Pankow, Lichtenberg, Friedrichshain und Steglitz waren bislang die Schauplätze der ungewöhnlichen Raubüberfälle. In der Nacht zu Mittwoch traf es einen weiteren Taxifahrer, diesmal in Prenzlauer Berg.

Wie die Polizei mitteilte, stieg der Täter am frühen Mittwochmorgen gegen 2.50 Uhr am Alexanderplatz in den Wagen seines Opfers. Als Fahrtziel gab er die Fröbelstraße in Prenzlauer Berg an. Dort angekommen, dachte der Fahrgast nicht im Geringsten daran, zu zahlen und das Taxi zu verlassen. Stattdessen bedrohte er den Taxifahrer mit einem Messer und forderte ihn zur Herausgabe von Bargeld auf. Nachdem der 44-Jährige mehrfach beteuerte, er habe nur wenig Bargeld dabei, drängte ihn der Unbekannte aus dem Fahrzeug, setzte sich selbst hinter das Steuer und fuhr davon.

Der unverletzt gebliebene Fahrer alarmierte umgehend die Polizei. Doch deren Suche nach dem Fahrzeug in der unmittelbaren Umgebung des Tatortes blieb erfolglos. Erst zwei Stunden später wurde das Taxi an der Otto-Braun-Straße in Mitte entdeckt und sichergestellt. Der Täter war zu dem Zeitpunkt längst entkommen Wie schon die geraubten Fahrzeuge in den vorangegangenen Fällen wird derzeit auch dieses Taxi von Experten der Kriminaltechnik untersucht - in der Hoffnung, verwertbare Spuren zu finden, die bei der Suche nach dem Täter hilfreich sein könnten.

Alle bisherigen Taten verliefen nach einem fast identischen Muster. Und als Täter wurde in allen Fällen ein dunkelhäutiger Mann genannt, der mit einem Messer bewaffnet war. Der Mann stieg stets an größeren S-Bahnhöfen oder Stationen wie Ostkreuz, Ostbahnhof oder Alexanderplatz ein, einmal auch am Bahnhof Potsdam, von wo er sich nach Steglitz fahren ließ. Angesichts dieser deutlichen Übereinstimmungen hieß es bei der Polizei am Mittwoch erstmals auch offiziell, man gehe von einer Serie aus, bei der immer der gleiche Täter in Erscheinung tritt. Die Ermittlungen in allen bisherigen Fällen hat inzwischen die Kriminalpolizei der Direktion 5 (Friedrichshain-Kreuzberg, Neukölln) übernommen.

Hoffnung auf erste Spur

Dort kam am Mittwochvormittag plötzlich Hoffnung auf eine schnelle Aufklärung der Serie auf. An der Torstraße in Mitte war kurz zuvor ein Farbiger festgenommen worden, der mit einem Messer auf drei italienische Touristen losgegangen war. Man prüfe jetzt routinemäßig, ob der Messerstecher auch für die Raubserie in Frage komme. Noch seien das aber zwei verschiedene Vorgänge, sagte ein Polizeisprecher. "Wir können jetzt schlecht jeden Farbigen mit einem Messer automatisch zum Verdächtigen machen", betonte ein Ermittler am Mittwoch.

Die Berliner Taxifahrer sind angesichts der unheimlichen Serie nicht nur in Furcht; die Opfer der Überfälle müssen auch weitere Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Solange die betroffenen Fahrzeuge zwecks Spurensicherung bei der Polizei stehen, können sie nicht eingesetzt werden. Das ist besonders für die vielen Kleinunternehmer mit zwei, drei oder manchmal auch nur einem Taxi ein Problem. Ein beschlagnahmtes Taxi bringt den Fahrern kein Geld, die Kosten, insbesondere Leasing- und Kreditraten für die Anschaffung des Fahrzeugs, laufen dennoch weiter.

Ungeachtet solcher zusätzlicher Probleme ist dennoch die Sicherheit der Fahrer von größter Bedeutung. Optimalen Schutz bietet eine Videoüberwachung der Fahrzeuge, davon ist zumindest Detlef Freutel, Vorsitzender des Berliner Taxiverbandes, überzeugt. Anschaffung und Installation der Technik seien inzwischen relativ preiswert, wirbt der Verbandschef für dieses Mittel. Und Hinweise auf die Überwachung, mittels Aufkleber im und am Fahrzeug gut sichtbar für jeden Fahrgast angebracht, hätten zweifelsohne eine große abschreckende Wirkung auf potenzielle Täter, so Detlef Freutel. Einziges Problem: Die Nutzung der Videotechnik ist für Taxibetreiber freiwillig und allzu viele von ihnen haben sich dazu noch nicht entschlossen. Schätzungen der Branche zufolge sind momentan lediglich 700 von 7000 Taxis - also gerade mal zehn Prozent der in Berlin zugelassenen Taxi-Fahrzeugen - mit Videoüberwachungsanlagen ausgestattet.