Countdown Flughafen: Noch 97 Tage

Weit gereiste Koffer für die Tests in Schönefeld

Sie rattern über Laufbänder, werden gescannt, sortiert, eingeordnet. Mehr als drei Monate vor dem Betriebsstart des neuen Hauptstadtflughafens BER in Schönefeld sind die Koffer längst da. Mehr als 15 000 Gepäckstücke stehen für die seit Wochen regelmäßig stattfindenden Probeläufe zur Verfügung.

Wo aber kommen all die herrenlosen Koffer, Taschen und Rucksäcke her? Die nächstliegende Antwort würde lauten: Es handelt sich um Gepäck, das in den Jahrzehnten an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld verloren gegangen ist und niemals abgeholt wurde. Doch diese Antwort ist falsch: Tatsächlich gibt es weltweit einen schwunghaften Handel mit gebrauchten Gepäckstücken, wie Flughafensprecher Ralf Kunkel zu berichten weiß. Wo auch immer auf der Welt ein Airport, ein neues Terminal oder eine Gepäckanlage in Betrieb gehen, werden sie benötigt. Sind alle Tests bestanden und die Anlage in Betrieb, reisen die Koffer weiter zur nächsten Baustelle. Gut möglich also, dass die Gepäckstücke, die jetzt in Schönefeld von den Check-in-Inseln in der Haupthalle auf verschlungenen Wegen zur Sortieranlage rattern, schon mehr von der Welt gesehen haben als die allermeisten Fluggäste, die ab dem 3. Juni am BER einchecken.

Entsprechend ramponiert sehen viele Koffer und Taschen auch aus: abgewetzte Ecken, geplatzte Nähte und gerissene Riemen. Und das ist durchaus so gewollt. Denn auch mit solchen Ruinen aus Stoff, Leder und Plastik muss die neue unterirdische Gepäcksortieranlage künftig fertigwerden, ohne dass es zu Ausfällen und größeren Verzögerungen kommt.

15 000 Koffer pro Stunde können ab Juni in Spitzenzeiten durch die Anlage geschleust werden. Und alle sollen auf dem insgesamt zehn Kilometer langen Transportbändernetz am richtigen Ort ankommen. Ein Desaster wie im März 2008 bei der Eröffnung des Terminals 5 in London Heathrow soll es nicht geben. Mangels ausgiebiger Testläufe kam es dort unter den Augen der Queen zu einem Chaos. Zigtausende Koffer stauten sich auf den Bändern einer ähnlichen Sortieranlage, noch Monate später warteten Fluggäste auf ihr Gepäck. British Airways verbuchte Millionen-Verluste.