90. Geburtstag

Das hätte ihm gefallen - Oskar ist jetzt gut sortiert

Es gibt gleich drei gute Gründe, warum Annemarie Bierbrauer - die Witwe des 2006 verstorbenen Berliner Karikaturisten "Oskar" - am heutigen Freitag in die Waldstadt (bei Wünsdorf südlich von Berlin) einlädt.

Ihr 2006 gestorbener Mann wurde vor 90 Jahren geboren, es wäre zudem ihr 67. Hochzeitstag gewesen, denn am 24. Februar 1945 hatte Hans Bierbrauer seine Annemarie geheiratet. Außerdem feiert sie ihren Geburtstag vom 16. Februar, an dem sie 90 Jahre alt wurde, nach.

Die zierliche, aber auch mit 90 Jahren noch energische Frau freut sich jetzt, dass sie das Erbe ihres Mannes im Alten Pferdestall an der Gutenbergstraße 3 in der Waldstadt präsentieren kann. Dort ist mehr Platz als im "Haus Oskar" an der Zehrensdorfer Straße, wo Annemarie Bierbrauer Teile des vielfältigen Werks zunächst gezeigt hatte. "Jetzt habe ich 100 Quadratmeter Platz, und es gibt einfach auch mehr Wände, an denen ich etwas aufhängen kann", berichtet sie. Auch wenn sie inzwischen etliche Werke an Stiftungen und Museen abgegeben hat, gibt es immer noch Tausende von Karikaturen zu bestaunen. Mit Akribie hat die Berlinerin inzwischen alles nach Themen sortiert, was ihr Mann geschaffen hat. Selbst Kreuzschmerzen hielten sie nicht davon ab, sein künstlerisches Erbe zu ordnen.

"Oskar" hatte nicht nur großes Talent, er war auch ausgesprochen fleißig. An der Seite von Hans Rosenthal (Dalli Dalli) war er bundesweit bekannt geworden, ab 1951 arbeitete er als politischer Karikaturist mehr als 30 Jahre lang bei der Berliner Morgenpost. Er sei ja "frech wie Oskar" meinten die Leser - sein Künstlername war geboren. Große Beliebtheit verschafften dem Schnellzeichner auch seine Auftritte in der Berliner Abendschau, für die er live zeichnete.

Skizzen aus der ganzen Welt

Inzwischen hat Frau Bierbrauer den kompletten Nachlass aus Schleswig-Holstein, wo das Paar neben der Zehlendorfer Wohnung eine Dependance hatte, ins Atelier in die Waldstadt gebracht: Darunter befinden sich Skizzen aus der ganzen Welt, auch viele Öl- und Aquarellbilder mit Berlin-Motiven, Pastell-, Bleistift- und Kohlezeichnungen, Radierungen und von ihm illustrierte Bücher.

Erst vor einem Jahr entschied sich die Witwe, ganz in die Waldstadt zu ziehen, schon um das mühselige Pendeln zwischen Berlin und Lebatz zu beenden. Das Atelier und Wohnhaus in dem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein unweit von Lübeck verkaufte sie, sie konzentrierte sich ganz auf die kleine Wohnung in der Waldstadt, von wo aus sie bequem das Atelier im Alten Pferdestall erreichen kann.

"An manchen Tagen ist mir das Ordnen nicht leicht gefallen, auch meine Familie war anfangs ja gar nicht so begeistert von meinem Ansinnen, aber inzwischen fühle ich mich im Großen und Ganzen glücklich und auch ein wenig stolz, dass ich jetzt so weit bin", sagt Annemarie Bierbrauer, die den beruflichen Weg ihres Mannes von Anfang an engagiert begleitete. Sie hätten immer alles besprochen und beraten, erinnert sich ein Weggefährte Oskars. Seine Frau sei seine erste und beste Kritikerin gewesen, und er habe auch immer großen Wert auf ihre Meinung gelegt.

Ihren heutigen Wohnort, die Waldstadt, hatte Hans Bierbrauer, dessen Grab sich auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof befindet, noch kennengelernt. Etwa ein Jahr vor seinem Tod waren er und seine Frau aus Zehlendorf in die kleine Wohnung in die Waldstadt gezogen, in der Annemarie Bierbrauer heute noch wohnt. Als sie mit ihrem Mann vor etwa zwölf Jahren das erste Mal den Alten Pferdestall, in dem heute seine Werke ausgestellt sind, besichtigt hatte und ihm damals spontan vorschlug, dass man daraus doch ein "wunderschönes Atelier" für ihn machen könnte, habe er mit typischem Berliner Humor nur gesagt: "Ganz dicht biste nun ooch nicht mehr", erinnert sich Annemarie Bierbrauer schmunzelnd.

Heute ist sie sicher, dass es ihm gefallen würde, wie sie seinen Nachlass geordnet hat. Und noch eines weiß Annemarie Bierbrauer, die nach wie vor jeden Tag an ihn denkt und morgens beim Anblick seines Selbstporträts im Atelier sogar kurz mit ihm spricht: "Ab Freitag darf er nicht mehr ,Meine Alte' zu mir sagen. Dann sind wir nämlich gleich alt."