Oberschulen

Mehr Siebtklässler dürfen auf die Schule ihrer Wahl

Die Anmeldefrist an Gymnasien und Sekundarschulen für die neuen siebenten Klassen ist abgelaufen. Eine erste Auswertung zeigt, dass die Sekundarschulen von den Eltern offenbar stärker nachgefragt werden als im vergangenen Jahr.

In Neukölln hat die Hälfte der Sekundarschulen sogar mehr Bewerber als Plätze. Bei den Gymnasien ist es nur eine Schule, die übernachgefragt ist. Die Fritz-Karsen-Gemeinschaftsschule gehört wieder zu den beliebtesten Schulen Berlins. Erstmals ist die erste Gemeinschaftsschule Campus Rütli unter den besonders begehrten Schulen, so Schulstadträtin Franziska Giffey (SPD). Die Schule habe mindestens so viele Erstwünsche wie Plätze. Damit sei die Wende für die frühere Problemschule geschafft. Ein Grund sei wohl der hervorragende Inspektionsbericht, der erst im Januar vorgestellt wurde. Danach hatte die Schule in fast allen Kriterien die Bestnote erhalten.

Weniger Schüler als im Vorjahr

Insgesamt hat sich die Situation an den weiterführenden Schulen nach Angaben der Schulleiter etwas entspannt. Grund sind die sinkenden Schülerzahlen, nachdem 2011 ein anderthalbfacher Jahrgang von der Grundschule in die siebenten Klassen drängte. Viele Schulen sind zwar immer noch übernachgefragt, aber die Bewerberzahl liegt seltener so viel höher als die der angebotenen Plätze, als es im vergangenen Jahr der Fall war. An der Carl-Zeiss-Sekundarschule in Tempelhof-Schöneberg, die 2011 die begehrteste Schule Berlins war, haben sich in diesem Jahr auf die 155 Plätze etwa 320 Schüler beworben. Damit gehört die Schule immer noch zu den gefragtesten der Stadt. "Der ganz große Ansturm ist glücklicherweise aber ausgeblieben", sagt Schulleiter Stephan Zapfe. Im vergangenen Jahr musste er 244 Ablehnungen verschicken. Zahlreiche Eltern hatten versucht, sich einzuklagen. Viele jedoch ohne Erfolg.

Die Carl-Zeiss-Schule wählt die Schüler auch in diesem Jahr wieder nach der Durchschnittsnote auf der Grundschulempfehlung aus; 30 Prozent der Plätze werden verlost. "Einen Notenschnitt der Bewerber kann ich noch nicht nennen, aber es sind wieder viele Schüler dabei, die eigentlich eine Gymnasialempfehlung haben", sagt Zapfe. Viele Eltern würden das Abitur nach 13 Jahren an der Sekundarschule vorziehen, vor allem dann, wenn die Kinder schon mit fünf Jahren eingeschult wurden und daher noch sehr jung sind. Hohe Bewerberzahlen haben deshalb wie im vergangenen Jahr vor allem Sekundarschulen, die aus ehemaligen Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe hervorgegangen sind.

Auch die Martin-Buber-Sekundarschule, 2011 ebenfalls ein Spitzenreiter, hat wieder deutlich mehr Anmeldungen als Plätze. Aber: "Die Eltern haben klüger gewählt", sagt der Schulleiter Lutz Kreklau. Von den 419 Interessenten haben sich letztlich 250 angemeldet. Das sind immer noch 100 mehr als Plätze zur Verfügung stehen. Im vergangenen Jahr waren es 500 Bewerber. Die Eltern hätten sich genauer mit den Auswahlkriterien beschäftigt, meint Lutz Kreklau. Die sind hier ungewöhnlich, denn die Martin-Buber-Schule wählt die Schüler nicht nach Noten, sondern nach besonderen Neigungen für Profilklassen in Musik, Kunst, Naturwissenschaften und Sport aus. "Allein ein Super-Notendurchschnitt ist hier keine Garantie für die Aufnahme", so der Schulleiter. Das hätten im vergangenen Jahr viele Eltern nicht verstanden.

Auch in Reinickendorf ist die am stärksten nachgefragte Einrichtung, die Max-Beckmann-Schule, eine Sekundarschule. Das traditionell übernachgefragte Humboldt-Gymnasium kann in diesem Jahr voraussichtlich alle Bewerber aufnehmen.

Bei den Gymnasien zeichnet sich eine Wellenbewegung ab. Schulen, die besonders stark nachgefragt waren, werden weniger gewählt und umgekehrt. So hatte das sehr beliebte Beethoven-Gymnasium im vergangenen Jahr überraschend weniger Anmeldungen als Plätze. In diesem Jahr war es dagegen wieder stark übernachgefragt. "Wir haben jetzt mehr Bewerber mit einem Notendurchschnitt von 1,6 bis 2,0, die im vergangenen Jahr eher Abstand genommen hatten", sagt Schulleiterin Gunilla Neukirchen. Auch das Rosa-Luxemburg-Gymnasium, das im vergangenen Jahr durch eine Erweiterung der Platzzahl alle Bewerber aufnehmen konnte, muss in diesem Jahr 30 Prozent der Plätze verlosen.

Losverfahren wird abgelehnt

Schulleiter Ralf Treptow, Vorsitzender der Vereinigung der Oberstudiendirektoren in Berlin, begrüßt die Ankündigung der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD), nach Abschluss der Aufnahmen das Verfahren noch mal zur Diskussion zu stellen.

Die Vereinigung der Oberstudiendirektoren lehnt das Prinzip des Losens ab und will, dass die Grundschulempfehlung verbindlicher wird. Andernfalls sei kaum zu verhindern, dass viele Schüler das Probejahr nicht bestehen. Die Gymnasien prognostizieren, dass etwa 1000 Schüler in den jetzigen siebenten Klassen nach dem Probejahr das Gymnasium wieder verlassen müssen. Rückendeckung bekommen die Gymnasien überraschend von den Sekundarschulleitern, denn die haben ein Problem damit, die hohe Zahl der sogenannten "Rückläufer" aufzunehmen.

Paul Schuknecht, Sprecher der Vereinigung der Berliner Schulleiter und Leiter der Friedensburg-Sekundarschule in Charlottenburg, favorisiert ebenfalls eine verbindliche Durchschnittsnote für die Gymnasien. Er sei mit dem jetzigen Verfahren gezwungen, Schüler abzuweisen, die unbedingt auf die Schule wollen, nur um Plätze für die Rückläufer aus den Gymnasien vorzuhalten.