Kirche

Der jüngste Kardinal der Welt

Der Berliner Erzbischof Rainer Maria Woelki (55) wird am heutigen Sonnabend von Papst Benedikt XVI. im Petersdom zum Kardinal erhoben. Der Vatikan traf am Freitag letzte Vorbereitungen für die Ernennung von 22 Kardinälen. Auch der deutsche Jesuitenpater Karl Josef Becker (83) gehört zu den Geistlichen, die das Oberhaupt der Katholiken in einem Konsistorium zu Purpurträgern erhebt.

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wird der Zeremonie in Rom beiwohnen. In einer gegenüber früher vereinfachten Feier empfangen die neuen Kardinäle vom Papst ihren roten Hut und den Kardinalsring. Zudem wird ihnen eine Titelkirche zugewiesen. Damit ist ein Kardinal nominell auch Pfarrer in Rom mit eigener Gemeinde.

Wowereit würdigte die rasche Ernennung des Berliner Erzbischofs zum Kardinal als "Ausdruck der hohen Wertschätzung Berlins, der gesamten Region und ganz Ostdeutschlands durch den Vatikan". Woelki war erst Ende August 2011 in sein Berliner Amt eingeführt worden. Die Katholiken seien in Berlin traditionsgemäß eine Minderheit, so Wowereit am Freitag. "Umso bedeutsamer ist es, dass die katholische Kirche den Dialog mit der sich wandelnden Gesellschaft annimmt und dabei auch dem einen oder anderen kritischen Punkt nicht ausweicht", betonte Wowereit. "Ich begrüße sehr, dass Erzbischof Woelki bereits in seiner kurzen Amtszeit offen für diesen Dialog war. Im Interesse der Pluralität unserer Gesellschaft ist es wichtig, ihn auch weiterhin zu führen."

Der Papst hatte bereits für den Freitag vor der feierlichen "Kardinalskreierung" alle Kardinäle einschließlich der neuen zum gemeinsamen Gespräch über die von ihm geförderte Neuevangelisierung und die Mission der Kirche zu sich geladen. Dieser "Tag des Nachdenkens und des Gebets" unterstreicht die Aufgabe der Purpurträger, ihren Papst zu beraten.

Mit der Ernennung Woelkis und Beckers gibt es neun deutsche Kardinäle in dem Kollegium. Von ihnen sind sechs unter 80 Jahre alt und damit auch bei einer möglichen Papstwahl stimmberechtigt. Woelki übernimmt die Rolle des Jüngsten in dieser Runde von dem Münchner Erzbischof Reinhard Marx (58). Mit den 22 neuen Kardinälen aus Europa, Asien und Amerika steigt deren Zahl auf 214, von denen 125 bei einer Papstwahl stimmberechtigt wären.

Die Ernennung Woelkis zum Kardinal wird sich auch in seinem Äußeren spiegeln. Er muss sich eine neue Garderobe zulegen - nicht mehr im bischöflichen Violett, sondern in Kardinalsrot. Zwei neue Soutanen hat Woelki bereits im Gepäck - sie identifizieren ihn in Zukunft als Purpurträger. Das neue Gewand wird Woelki nun zu allen Gottesdiensten überziehen. Für offizielle Anlässe gibt es eine schwarze Soutane, die in Rot abgesetzt ist. Auch das Zingulum, wie der Gürtel über der Soutane heißt, ändert sich je nach Anlass: Komplett rot für die Liturgie, schwarz mit roten Rändern für amtliche Termine. Jeder der 33 Knöpfe der Soutane steht für ein Lebensjahr von Jesus Christus.

Im Vatikan wird Woelki erstmals ein rotes Birett aufgesetzt, eine Kopfbedeckung, wie ihn der italienische Filmpfarrer Don Camillo in Schwarz trug. Zur Ausstattung gehört auch die Mozetta, ein Schulterumhang, sowie der Pileolus, eine Bedeckung vergleichbar der Kippa, die Juden in der Synagoge tragen.

Die neue Dienstkleidung hat der Kölner Thomas Schmitt geschneidert - und er ist stolz auf den Auftrag. Es sei das erste Kardinalsgewand, das in seinem Geschäft "Schmitt-Paramente" in der Kölner Innenstadt entstanden ist. Etwa 25 Stunden habe er an einer Soutane gearbeitet, sagt Schmitt, der früher an der Kölner Oper als Kostümbilder arbeitete. Über Maße und Preise schweigt sich der Meister aus. Nur so viel: Die italienische Schurwolle sei der richtige Stoff für einen Kirchenmann. "Im Sommer schützt sie vor Wärme, im Winter vor Kälte."