Gartenlust

Zuverlässige Blüher trotz Schnee und Eis

Um die gärtnerische Enttäuschung in diesem Frühjahr minimal zu halten und nicht schon wieder euphorisch nach vorn zu preschen, werde ich mich heute nur in den Gefilden aufhalten, in denen tatsächlich bereits jetzt etwas passiert. So ist zum Beispiel ein guter Zeitpunkt, um Christ- und Lenzrosen für die Terrasse und den Balkon zu testen.

Vielmehr haben wir sie schon für Sie getestet und festgestellt, dass beide Vertreter dieser winterharten Stauden tatsächlich sehr hart im Nehmen sind. Wir haben alle uns zur Verfügung stehenden Sorten in Töpfen dem eisigen Wetter ausgesetzt und trotz zermürbender Temperaturen haben sie alle in den vergangenen zwei Tagen ihre erschöpften Köpfe wieder gen Himmel gestreckt.

Hierbei ist anzumerken, dass sich die Christrosen, also die Helleborous niger, über den Winter wesentlich besser im Topf halten als die Lenzrose Helleborous orientalis. Wie der Name schon sagt, kommen diese schönen Winterblüher aus orientalischen und wärmeren Ländern wie Griechenland, der Türkei und dem Kaukasus. Im Volksmund hat diese Pflanze leider viel zu viele verwirrende Namen, wie zum Beispiel Frühlings-Christrose (so ein Blödsinn), da ist die Bezeichnung Lenzrose, weil sie im Lenz blüht, schon wesentlich verständlicher.

Sollten Sie eine dieser beiden Spezies bereits im Topf haben, dann empfehle ich, sie zu gießen, sobald die Erde im Topf aufgetaut ist, denn die meisten Helleborous-Sorten erfrieren nicht im Winter, sondern vertrocknen in den ersten Monaten des Jahres, da wir glauben, die Natur läge noch im Winterschlaf. Ganz besonders gefährdet sind Balkonpflanzen, denn sie sind oft auch starken Winden ausgesetzt, die sehr schnell zur Austrocknung der Töpfe führen können.

Die Gattung Helleborous ist eine sehr schattenverträgliche Waldpflanze, die sich die lichten Monate unter dem sonst laubbedeckten Walddach zu Nutze macht, um zu blühen und zu gedeihen. So ist es ausgesprochen wichtig, dass sie lange vor allen anderen Pflanzen gedüngt wird, nämlich jetzt, wenn sie viel Kraft für die Blüte braucht. Nach der Blüte verziehen sich die Blüten und auch ein Großteil der alten Blätter in den Boden und entwickeln bereits im Sommer neues Blattwerk für das kommende Jahr. Im Juli, August ist auch die richtige Zeit, in der sie eine weitere Gabe Dünger sehr genießen würden, besonders im Topf. Sie können die über den Winter im Topf gehaltenen Pflanzen auch gern in den nächsten Wochen, am besten nach der Blüte, in den Garten setzen, denn sie lieben auf lange Sicht den gewachsenen Gartenboden wesentlich mehr als den Topf.

Helleborous sind übrigens Kalkliebhaber und werden es Ihnen immer danken, wenn Sie eine Gabe Muschelkalk oder Bentonit spendieren. Eierschalen sind auch eine gute Idee, allerdings nützt es gar nichts, wenn sie diese als ganze Schale neben die Pflanze legen. Sie sollten schon vorher im Mörser zerstoßen werden.

Es gibt mittlerweile so unglaublich viele Züchtungen der Spezies H. orientalis, dass es mir fast schwerfällt, hier einige zu empfehlen, denn ich liebe sie fast alle mit ihren entzückenden Besprenkelungen oder fast ganz schwarzen Blüten. Während der vergangenen Jahre haben die Züchter hauptsächlich daran gearbeitet, die Köpfe der Lenzrosen aufzurichten, um auch das eigentlich Schöne im Inneren der Blüte von oben sehen zu können. Schon ziemlich aufrecht stehen Sorten wie ,Pink-Lady', ,Pink Spotted Lady', ,Red Lady' oder ,White Lady'. Sie sehen, es handelt sich um eine Lady. Sehr vielblütig und auch noch recht neu im Sortiment sind Sorten wie H. orientalis 'Melody' und die Hybride 'Winter Sunshine'.

Und nun habe ich gerade gemerkt, dass ich mich doch wieder habe hinreißen lassen, die Freuden des Frühjahrs in den Vordergrund zu kehren. Machen Sie es mir einfach nach, lassen Sie sich auf Blüten ein.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.