Spenden

Berlin zeigt sein großes Herz

Als Jenny De la Torre erfährt, dass ihre Stiftung mit 10 000 Euro unterstützt wird, ist die Freude groß: "Ich bin überwältigt und sehr dankbar für diese großzügige Spende", sagt die Obdachlosen-Ärztin der Berliner Morgenpost.

Dank der Hilfsbereitschaft der Berliner ist die Jenny-De-la-Torre-Stiftung eines von fünf ausgewählten Projekten, die mit jeweils 10 000 Euro unterstützt werden können.

Die Berliner zeigen wieder einmal, dass sie ein großes Herz haben. Fast 90 000 Euro haben Berliner helfen, der Verein der Berliner Morgenpost, und der Radiosender 104.6 RTL in rund einer Woche einsammeln können. Damit den Bedürftigen schnell geholfen werden kann, werden insgesamt 50 000 Euro sehr kurzfristig ausgezahlt. Je 10 000 Euro gehen neben der Jenny-De-la-Torre-Stiftung an die Berliner Stadtmission, den DRK Wärmebus, an Straßenkinder e.V. und die Initiative von Frank Zander für ein Arztmobil.

Besonders großzügig zeigte sich der Mäzen und Unternehmer Hans Wall. Er spendete aus seinem Privatvermögen 30 000 Euro. "Mir geht es darum, sich solidarisch mit jenen zu zeigen, die unverschuldet in Not geraten sind", sagt Wall. "Ich wollte zeigen, dass Berliner tatsächlich Berlinern helfen", so der Unternehmer weiter. Er wünscht sich, dass das Geld ausschließlich der Kältehilfe zugute kommt, um das Leben jener Menschen zu sichern, die bei klirrender Kälte Tage und Nächte auf der Straße verbringen müssen.

Was Jenny De la Torre mit der Spende machen möchte, weiß sie noch nicht genau. "Erst einmal werden wir neue Schlafsäcke kaufen. Denn die werden im Moment am dringendsten benötigt", sagt sie. Die Ärztin gründete 2002 ihre eigene Stiftung. Seit 2006 werden Bedürftige und Obdachlose im Gesundheitszentrum an der Pflugstraße in Mitte rundum versorgt. Jenny De la Torre behandelt ihre Patienten kostenlos, niemand wird abgewiesen. Neben der ärztlichen Behandlung gibt es auch eine Suppenküche, eine Kleiderkammer sowie eine psychologische und rechtliche Beratung. Ihre Arztpraxis ist gut besucht. Immer wieder kommen Menschen mit offenen Wunden, Hautkrankheiten und Ekzemen, die dringend behandelt werden müssen. Pro Tag behandelt die Ärztin zwischen 25 und 30 Patienten.

Übernachtungsplätze gesichert

Auch die Stadtmission ist überglücklich über die 10 000-Euro-Spende von Berliner helfen. Damit können 20 Übernachtungsplätze für Obdachlose in der Kreuzberger Johanniterstraße weitere vier Wochen finanziert werden. "Wir haben in diesem Jahr zwei weitere Notübernachtungen in Kreuzberg und Halensee geöffnet, weil das Haus an der Lehrter Straße Nacht für Nacht überfüllt war", sagt Ortrud Wohlwend, Sprecherin der Stadtmission. 35 Plätze in der Johanniterstraße finanziert das Bezirksamt Kreuzberg, die 20 weiteren Plätze hat die Stadtmission aus Eigenmitteln und Spenden ermöglicht. Um diese 20 Plätze inklusive ärztlicher Versorgung und Verpflegung der Menschen bis Ende März anbieten zu können, seien insgesamt mehr als 20 000 Euro nötig, so Wohlwend. Dank der Spende von Berliner helfen ist nun die erste Hälfte fast erreicht.

Frank Zander will die Spende von 10 000 Euro als Baustein zur Anschaffung eines neuen Arztmobils verwenden. Das Arztmobil der Caritas ist seit 1995 im Einsatz. Es ist ein Kleintransporter, der als einfacher Behandlungsraum ausgestattet ist. Die Patienten werden tagtäglich dort besucht, wo sie leben. Das 17 Jahre alte Fahrzeug müsse dringend gegen ein neues ausgetauscht werden, sagt Frank Zanders Sohn Markus Zander, der seinen Vater auch bei dessen ehrenamtlichem Engagement für die Armen und Obdachlosen unterstützt. Auch das Deutsche Rote Kreuz kann dank der Spenden der Morgenpost-Leser und der Hörer von 104.6 RTL den Obdachlosen länger zur Seite stehen. "Wir können unseren Wärmebus damit bis zum 15. März fahren lassen. Herzlichen Dank", freut sich Hans-Joachim Fuchs, Referent für Wohlfahrtspflege beim DRK.

Der Wärmebus ist täglich von 18 Uhr bis ein Uhr nachts unterwegs. Er bringt Obdachlose zu den Unterkünften, vor allem zu Nachtcafés der Kirchengemeinden. Außerdem will Fuchs von dem Geld Schlafsäcke kaufen, die auch Temperaturen von unter minus zehn Grad trotzen.

Seit fast zwei Wochen hält die Kältewelle in Berlin mittlerweile an. Die rund 7000 Obdachlosen in Berlin sind deshalb auf Unterstützung angewiesen. Derzeit seien die Hilfsangebote zu 97 Prozent ausgelastet, teilte Sozialsenator Mario Czaja (CDU) auf eine mündliche Anfrage der SPD-Fraktion am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus mit. "Grundsätzlich" decke das städtische Angebot den Bedarf ab. Die Berliner wollen aber auch persönlich ihren Beitrag leisten.

Wie engagiert sie helfen, zeigt sich etwa am Beispiel der Bahnhofsmission, die zur Stadtmission gehört. Deren Leiter Dieter Puhl erlebt täglich rührende Geschichten. In der vergangenen Woche sei etwa ein Vater mit seinen beiden sieben und acht Jahre alten Töchtern vorbeigekommen, um Pelzmützen und Muffs zu verteilen. Die beiden Mädchen waren so beeindruckt von den Helfern, dass sie schon einmal ankündigten, in ein paar Jahren ihr Schülerpraktikum in der Bahnhofsmission absolvieren zu wollen. "Das macht uns natürlich froh", sagt Puhl. Als zwei Frauen am Mittwoch Kleidungsstücke vorbeibrachten, entschlossen sie sich spontan, am Donnerstag wiederzukommen, um Stullen zu schmieren. Fast im Minutentakt bringen in diesen Tagen dort Berliner Lebensmittelspenden vorbei. Sogar daran, dass manche Obdachlose Hunde haben, denken sie - und kommen mit großen Säcken Trockenfutter.

Auch der Radiosender 104.6 RTL ist überwältigt von der Hilfsbereitschaft. Dort konnten Berliner mehrere Tage lang Sachspenden abgeben. Insgesamt seien so viele Kleiderspenden eingetroffen, dass man damit drei Lkws füllen könnte, so die Sprecherin des Senders, Sabrina Rabow. Viele Sachen, die Hörer abgegeben haben, seien neu und hochwertig gewesen, ergänzt sie beeindruckt.