Heimatmuseum

Die Schätze von Charlottenburg

Noch prangt der Schriftzug "Heimatmuseum Charlottenburg-Wilmersdorf" neben dem Eingang des Hauses Schloßstraße 69. Doch von Sonntag an präsentiert der Bezirk seine Kunstschätze in neuer Umgebung: Dafür wurde die Villa Oppenheim an der Schloßstraße 55 zwei Jahre lang umgebaut.

Die Klassenlotterie Berlin ermöglichte die Renovierung und Sanierung mit 1,5 Millionen Euro, 90 000 Euro steuerte der Bezirk bei. Herausgekommen ist eine großzügige museale Atmosphäre mit hohen Räumen - ein passender Mosaikstein im Zusammenspiel mit den nahen Museen Berggruen und Bröhan.

Die Lotto-Stiftung hilft

Im alten Heimatmuseum, das der Bezirk von 1987 bis Mitte 2011 nutzte, war der Raum sehr beengt. Platz für eine Dauerausstellung der Charlottenburger Kunstschätze gab es dort nicht. Jetzt freut sich Museumsleiterin Birgit Jochens nach langen Monaten auf der Baustelle in der Villa auf den Neustart. Endlich kann sie die lange im Depot gehüteten Schätze zeigen. Stadtrat Klaus-Dieter Gröhler (CDU) betont, dass der Bezirk nur dank der Lotto-Stiftung die eigene Immobilie jetzt nutzen könne und dadurch 27 000 Euro Miete für die Schloßstraße 69 spare. Die denkmalgerechte Sanierung der Villa bezeichnete er als eine gute Investition in die Zukunft: "Die Kunstausstellung Charlottenburg ist in dieser Geschlossenheit erstmals der Öffentlichkeit zugänglich."

Mit gleich vier Ausstellungen präsentiert sich die Villa Oppenheim, die 1911 an die Stadt Charlottenburg verkauft worden war und zuletzt als Galerie für Gegenwartskunst diente, zur Eröffnung: Unter dem Titel "Sammlerstücke" sind im ersten Stock Werke der Kunstsammlung Charlottenburg zu sehen. Sie lagerten bislang größtenteils in Depots oder durften nur für etwas Farbe in den Fluren und Amtsstuben der Rathäuser Charlottenburg und Wilmersdorf sorgen. Unter den Künstlern sind Maler wie Walter Leistikow, der um 1900 die Brücke am Dianasee malte, oder Max Liebermann, der 1919 den Oberbürgermeister Ernst Scholz porträtiert hatte. Auch "Badende Jungen" an der Havel von Philipp Franck aus dem Jahre 1911 oder Stadtansichten wie "Die Berliner Straße in Charlottenburg" von Eduard Gaertner (von 1869) oder das "Schloß Charlottenburg" von Friedrich Kallmorgen (1915) zeugen vom Kunstsinn der einst reichen Stadt Charlottenburg und werden künftig in der Ausstellung zu sehen sein. Den Schwerpunkt der Werke bilden das 19. Jahrhundert und die Klassische Moderne. Ihre Entstehung verdankt die Sammlung der 1908 eigens gegründeten städtischen Deputation für Kunstzwecke, einer Art Gremium früher öffentlicher Künstlerförderung, und der privaten Kunstsammlung Raussendorff, die als Stiftung in den Besitz der Stadt Charlottenburg überging. "Gezeigt werden aus diesem in Vergessenheit geratenen Charlottenburger Kunstbesitz etwa 50 Ölgemälde, Papierarbeiten und Skulpturen", kündigt Kulturamtsleiterin Elke von der Lieth an.

Passend zu dieser Dauerausstellung haben die Museumsfachleute im Erdgeschoss einen Ausstellungsraum eingerichtet, in dem stadtgeschichtliche Aspekte zum Thema "Von der Residenz zur City-West" gegeben werden: "Er hat Werkstattcharakter und gibt Einblick in die künftige regionalgeschichtliche Dauerausstellung", sagt Museumsleiterin Birgit Jochens. Hier hängt auch die älteste gemalte Stadtansicht von Charlottenburg. Sie stammt von Johann Gottlieb Glume, der 1762 die barocke Luisenkirche in ihrer ländlich anmutenden Umgebung malte. Das Bild war 1911 in einem Antiquariat entdeckt und von der Stadt für das Archiv erworben worden.

Handwerk und Industrie

Auch die "Alte Caprivi-Brücke", gemalt 1905 von Carl Krafft, zeugt davon, dass sich an manchen Stellen in Charlottenburg gar nicht so viel verändert hat. Aber nicht nur die schönen Künste, auch Handwerk und Industrie werden in diesem Raum erläutert. Besonders freut es Birgit Jochens, lange im Archiv gehütete Schätze zeigen zu können, wie ein exakt geführtes Rechenheft eines Schülers aus dem Jahre 1799. Aber auch auf die in Charlottenburg produzierte Schulbank mit Tisch ist sie stolz: "Sie ist aus Holz, und man sieht es ihr nicht an, aber sie war schon damals besonders körperfreundlich. Es war die meist produzierte Schulbank Europas."

Die Geschichte des Hauses Oppenheim wird ebenfalls in einer Sonderausstellung beleuchtet. Sie widmet sich den zwei jüdischen Familien Mendelssohn und Oppenheim, die den Vorgängerbau und die heutige Villa als Sommersitz bewohnten, damals noch mit dem großen Park, der heute öffentliche Grünfläche ist. Eine weitere Sonderausstellung erinnert an 30 Frauen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, die im ehemaligen Gefängnis Kantstraße 79 inhaftiert waren. Durch die Kurzbiografien der Frauen erhält der Ausstellungsbesucher einen Einblick, wie die Inhaftierten den Aufenthalt im Gerichtsgefängnis erlebten. "Wir wollen damit signalisieren, dass wir auch Ausstellungen zu Themen machen, die sich in der Diskussion befinden. Es wird ja überlegt, dort ein Jugendhotel zu bauen. Dann wäre es wünschenswert, den jungen Leuten dort eine kleine Ausstellung zur Geschichte des Hauses anzubieten", sagt Jochens.

Die Villa Oppenheim soll sich darüber hinaus als Kulturzentrum entwickeln. Der Flügel, ein Geschenk an das Kunstamt Wilmersdorf in den 60er-Jahren, steht schon in einem neuen Veranstaltungsraum bereit - beispielsweise zur musikalischen Begleitung von Lesungen. Überhaupt soll die Villa so intensiv wie möglich mit Veranstaltungen, auch abends, bespielt werden. Da Museum und Kulturamt nur über je vier Mitarbeiter verfügen, wurde bereits ein Freundeskreis ins Leben gerufen. Mehr als 20 Helfer wollen erreichen, dass sich die Villa als lebendiges Kulturzentrum etabliert.

Das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf (Tel. 902 92 41 08) in der Villa Oppenheim an der Schloßstraße 55 wird am Sonntag, 22. Januar, ab 16 Uhr mit geladenen Gästen eröffnet. Von Dienstag, 24. Januar, an ist es für die Öffentlichkeit geöffnet: Di-Fr, 10 bis 17 Uhr, So, 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei. www.villa-oppenheim-berlin.de