Trauerfeier

"Werner Otto - find' ich gut"

Ein halbes Dutzend Kränze aus roten und weißen Rosen nur, der Sarg bedeckt mit Rosen und Magnolien. Mehr nicht. Die Trauerfeier für einen der bedeutendsten Unternehmer Deutschlands ist betont schlicht.

Die weiße Einfachheit des reformierten Französischen Doms am Gendarmenmarkt unterstreicht dies noch. Gut 300 Gäste sind hierhergekommen, um Werner Otto zu verabschieden, der am 21. Dezember im Alter von 102 Jahren starb.

"Seine Geschichte klingt fast wie ein Märchen", sagt Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit in seiner Ansprache. "Aber wir alle wissen, es war ein langer Weg, gepflastert mit harter Arbeit." Der erste Otto-Katalog hatte 14 Seiten. Heute ist der Katalog dick wie ein Telefonbuch, Otto eines der größten Versandhäuser der Welt. Werner Otto, geboren in Seelow in der Mark Brandenburg, erlebte den frühen Tod der Mutter, die Pleite seines Vaters. Er saß als Nazi-Gegner in Plötzensee in Haft, arbeitete als Zigarrenhändler in Berlin. Als Flüchtling nach dem Krieg ging die Familie nach Hamburg, hier begann der Aufstieg.

Den Werbeslogan "Otto - find' ich gut" kenne in Deutschland heute jedes Kind, sagt Wowereit. Mit Mut, Unbeirrbarkeit, Weitsicht und Konsequenz habe Otto sein Unternehmen geführt, mit seinem Engagement, seinen Stiftungen und seinem Mäzenatentum habe er ein "beeindruckendes Beispiel an Menschenliebe und Heimatverbundenheit" bewiesen. "Wir hatten Gelegenheit, ihn mit der höchsten Auszeichnung zu ehren, die Berlin zu vergeben hat, mit der Ehrenbürgerwürde", sagt Wowereit. "Gewürdigt wurde damit nicht nur der Unternehmer, gewürdigt wurde damit letzten Endes der Mensch Werner Otto, und ganz unwillkürlich dachte man 'Werner Otto - find' ich gut'."

In den Französischen Dom sind an diesem Mittwochmittag neben der Familie Otto viele Prominente gekommen, Politiker, Weggefährten. Unter den noch amtierenden oder ehemaligen Bundes- und Ministerpräsidenten, Unternehmern und Freunden ist auch Alt-Kanzler Helmut Schmidt, der in seiner Ansprache auf seine Erlebnisse mit Werner Otto zurückgreifen kann. Er habe Otto fast ein halbes Jahrhundert gekannt, sagt Schmidt. Damals sei er Senator in Hamburg gewesen, und Otto habe dort einen "veritablen Spielplatz" gestiftet. "Ich fand ihn auf Anhieb sympathisch." Otto habe in seiner Person "die hellen Seiten" der jungen Bundesrepublik gebündelt. Er habe stets gefordert, ein Unternehmer solle sich nicht an Zahlen, sondern daran messen lassen, was er "aus sozialer Verantwortung bereit ist für die Gesellschaft zu tun". Otto habe den Raubtierkapitalismus missbilligt und "hätte ein entwürdigendes Wort wie Humankapital nie in den Mund genommen", sagt der Alt-Kanzler. "Wo bleibt das Negative, fragt man sich nun - das habe ich mich auch gefragt. Aber ich habe nichts gefunden."

"Seine Geschichte klingt fast wie ein Märchen. Aber wir alle wissen, es war ein langer Weg, gepflastert mit harter Arbeit"

Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin