Stadtplanung

Architektin soll Plätze und Straßen sicherer machen

Bei der Neugestaltung von öffentlichen Plätzen spielt nicht nur die Architektur, sondern auch die Sicherheit für Anwohner und Nutzer eine Rolle. Beide Aspekte vereint Ingrid Hermannsdörfer. Sie ist als Architektin für städtebauliche Kriminalprävention am Landeskriminalamt tätig. Jetzt hat die Polizei das neu geschaffene Aufgabengebiet erstmals vorgestellt.

Bislang ist es üblich gewesen, dass die Polizei bei der Verkehrssicherheit an öffentlichen Orten zu Rate gezogen wurde. Doch es sei genauso wichtig, dass die Plätze so gestaltet seien, dass sich möglichst viele verschiedene Menschen dort wohlfühlten, sagt Tanja Knapp, stellvertretende Leiterin der Zentralstelle für Prävention. Die Polizei wolle deshalb bereits bei der Planung auf mögliche Sicherheitsrisiken hinweisen.

Das ist zum Beispiel bereits am Olivaer Platz geschehen. Dort hatte Ingrid Hermannsdörfer versteckte Winkel und Ecken ausgemacht, wie zum Beispiel eine Mauer mit einem Vorsprung, der "als Sitznische nicht der Sicherheit dienlich war". Tatsächlich wurden die Mauervorsprünge gern von Obdachlosen genutzt. In dem Siegerentwurf, der jetzt als Grundlage für eine Neugestaltung des Platzes dient, sind die Mauern verschwunden. Dazu werden die vielen Hecken deutlich niedriger geschnitten.

Auch beim Alexanderplatz ist die Polizeiarchitektin bei der Planung mit am Tisch. Sie kooperiert mit einer Initiative, in der Anwohner, Gewerbetreibende und der Bezirk zusammenarbeiten, um den Platz attraktiver, sicher und sauberer zu machen. Der Alex soll jetzt zum Beispiel mit einem besseren Leitsystem ausgestaltet werden, denn "Orientierung gibt Sicherheit", sagt Ingrid Hermannsdörfer.

Um generell die Sicherheit zu erhöhen, müssten "Angsträume" beseitigt werden, sagt die Architektin. Dazu gehörten endlos lange Hausflure, verwahrloste Ecken sowie dunkle Tunnel und Fußgängerunterführungen. Diesen Gefahrenpotenzialen könnten mit einer richtigen Beleuchtung, Spiegeln zur besseren Einsicht und dem Zumauern möglicher Verstecke begegnet werden. Übersichtlichkeit und Transparenz wie breite Wege im Park und zurückgeschnittene Büsche könnten Spaziergängern ein besseres Gefühl geben.

Nicht nur die Sicherheit, auch das Miteinander der Menschen soll verbessert werden. So dominierte die Trinkerszene den Leopoldplatz in Wedding. "Das sind auch Anwohner, die ein Recht haben, den Platz zu nutzen", sagt Ingrid Hermannsdörfer. Deshalb hat die Trinkerszene einen eigenen Bereich bekommen, mit Toiletten und Bänken. Auch für den Hermannplatz wird jetzt eine Lösung gesucht. Künftige Projekte sind der Ernst-Reuter-Platz, der Innsbrucker Platz, das Südkreuz sowie die Nachnutzung der Flughäfen Tempelhof und Tegel.