Interview: Michael Michalsky

"Paris war gestern"

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Michael Michalsky (44) ist Berlins bekanntester Modedesigner und veranstaltet seit 2010 während der Fashion Week die StyleNite. Morgenpost-Redakteur Sören Kittel sprach mit ihm.

Berliner Morgenpost: Herr Michalsky, Sie waren im Jahr 2001 dabei, als Karl-Heinz Müller zur Bread&Butter inspiriert wurde.

Michael Michalsky: Das war total witzig. Wir hatten in Herzogenaurach bei Adidas ein ewig langes Meeting, bis weit in die Nacht. In dieser Nacht bin ich neben anderen Karl-Heinz im Traum erschienen und habe gesagt, er soll eine neue Art von Messe aufbauen. Trendy, cool, spannend. Eben nicht so langweilig, wie Messen bis dahin waren. Am Morgen hat er entschieden, dass er die Bread&Butter gründet.

Berliner Morgenpost: Wie haben Sie sich die erste Bread&Butter genau vorgestellt?

Michael Michalsky: Die erste Messe damals in Köln war komplett crazy. Eher ein Happening als eine Messe, ein Klub mit angehängten Produktpräsentationen. Das hatte eine ganz besondere, tolle Stimmung. Und diese Stimmung, diese Emotionalität, die gibt es bis heute. Auch wenn die Veranstaltung natürlich heute viel größer ist.

Berliner Morgenpost: Wo gibt es Berührungspunkte zwischen der Bread&Butter und Fashion Week für Sie?

Michael Michalsky: Die beiden Veranstaltungen befruchten sich gegenseitig. Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, die Mercedes-Benz Fashion Week, die Bread&Butter und die Premium auf einen Termin zu koordinieren. Ich bin ja ein Fashiondesigner, der auch sehr viele Streetwear-Einflüsse in seiner Mode verarbeitet. Die Grenzen sind fließend und werden da eher von Branchenleuten gezogen, aber nicht von den Kunden. Schauen Sie auf die Straße, was die Leute tragen. Das ist längst gemixt.

Berliner Morgenpost: Gibt es ein Ritual bei der Fashion Week?

Michael Michalsky: Zu jeder Michalsky StyleNite kommen meine engsten Freunde aus der ganzen Welt nach Berlin. Wir gehen am Tag nach der Show gemeinsam zum Abendessen, und jedes Mal lachen sie mich aus, weil ich spätestens um zehn Uhr am Tisch einschlafe. Diesmal muss ich länger durchhalten. Am Samstagabend kommt die Arte-Doku von der StyleNite. Wir haben ein kleines Kino gemietet und machen einen Fernsehabend. Bei meiner eigenen Sendung werde ich hoffentlich nicht einschlafen.

Berliner Morgenpost: Wie sehen Sie die Rolle Berlins im Vergleich zu den etablierten europäischen Mode-Metropolen Mailand, Paris und London?

Michael Michalsky: Berlin hat bald seine alte Bedeutung als große europäische Modemetropole wieder. Keine andere Stadt in Europa besitzt dieses Kreativpotenzial an Designerlabels und jungen Designern. Für den Betrag, den ich jede Saison für die Michalsky StyleNite ausgebe, könnte ich in New York oder Paris zwei Shows machen. Aber ich gehöre nicht dorthin. Paris war gestern, Paris ist Chanel und Dior. Berlin ist die Zukunft.