BER

"Ohne Belastung wird es nicht gehen"

Der neue Hauptstadtflughafen BER soll am 3. Juni 2012 in Schönefeld eröffnet werden. Mit dem Chef der Berliner Flughäfen, Rainer Schwarz, sprach dapd-Korrespondent Michael Winckler über Bürgerproteste gegen Flugrouten, das Image des Airports sowie den möglichen Bau eines zweiten Terminals.

Herr Schwarz, wird der Flughafen Berlin Brandenburg "Willy Brandt" wie geplant am 3. Juni eröffnet?

Rainer Schwarz: Ja, das haben wir fest vor.

Wie wollen Sie den Imageschaden beheben, der durch die langwierigen Proteste und Diskussionen um die Flugrouten entstanden ist?

Rainer Schwarz: Der Flughafen hat keinen Imageschaden. Periodische Umfragen des Meinungsforschungsinstituts Forsa zeigen, dass der künftige Hauptstadtflughafen von 80 Prozent der Bevölkerung angenommen wird. Dieser Wert ging selbst zu Zeiten äußerst starker Proteste gegen die Flugrouten wie vor einem Jahr nur um ein oder zwei Prozent zurück. Die absolute Mehrheit der Bewohner in Berlin und Brandenburg freut sich also auf den neuen Flughafen. Im Vergleich zu dem berechtigten Aufschrei von vor einem Jahr gegen die tatsächlich absurd anmutenden Routenvorschläge der Flugsicherung sind inzwischen wesentliche Verbesserungen erzielt worden. Ganz ohne Belastung wird es aber auch in Berlin nicht gehen. Wir müssen jetzt abwarten, ob die Flugrouten, die in der Fluglärmkommission festgelegt wurden, am 26. Januar durch das Bundesamt für Flugsicherung bestätigt werden.

Wenn das Bundesaufsichtsamt den Flugrouten nicht zustimmen sollte, ist dann die Eröffnung am 3. Juni gefährdet?

Rainer Schwarz: Nein. Ich will der Entscheidung des Bundesaufsichtsamtes nicht vorweggreifen, aber die Inbetriebnahme kann gar nicht gefährdet sein. Denn der 26. Januar ist nicht ein willkürlich gewählter Termin, sondern ist früh genug angesetzt worden, um die Frage der Flugrouten rechtzeitig abschließend zu klären. Diese müssen auch vor Inbetriebnahme des Flughafens veröffentlicht werden.

Wie stellt sich die Berliner Flughafengesellschaft auf das wirtschaftlich schwierige Jahr ein, das für die Branche erwartet wird?

Rainer Schwarz: Wir werden in Berlin durch die Eröffnung des neuen Flughafens eine Art Sonderkonjunktur erleben. In diesem Jahr werden wir knapp 24 Millionen Passagiere zählen, womit die Berliner Flughäfen im neunten Jahr in Folge stärker gewachsen sind als der Durchschnitt aller deutschen Verkehrsflughäfen. Nach dem positiven Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig zum Nachtflug haben große Kunden wie Air Berlin und Lufthansa deutliche Expansionspläne in Berlin bekannt gegeben. Auch Easyjet wird sich stärker engagieren. Die angekündigten neuen Verbindungen sind mittlerweile schon buchbar. Die Vorzeichen stehen für Berlin also wesentlich besser als für viele andere, besonders die kleineren Flughäfen.

Wie bewerten Sie den Einstieg der Fluggesellschaft Etihad aus Abu Dhabi als größter Einzelaktionär bei der wirtschaftlich stark angeschlagenen Air Berlin, die ihr Drehkreuz am neuen Hauptstadtflughafen weiter entwickeln will?

Rainer Schwarz: Die nun angekündigte starke Kooperation von Air Berlin mit Etihad eröffnet für Berlin eine Reihe von Möglichkeiten. Von Abu Dhabi bestehen zahlreiche Umsteigemöglichkeiten zu Destinationen, die derzeit aus Berlin nur über Umwege erreichbar sind. Wir werden mit der Air Berlin im nächsten Jahr die weiteren Schritte besprechen.

Ist die Wirtschaftlichkeit des neuen Flughafens eigentlich auch ohne Air Berlin gewährleistet?

Rainer Schwarz: Wir haben einen Mix aus den drei großen Kunden Air Berlin, Lufthansa und Easyjet mit nahezu ausgeglichenen Marktanteilen. Damit sind wir auch in der Zukunft gut aufgestellt, selbst wenn ein Großkunde schwächeln sollte. Das unterscheidet uns von vielen anderen Flughäfen, die abhängig sind von einer Luftfahrtgesellschaft, wie Frankfurt, München und Hamburg. Air Berlin hat sich in diesem Jahr bereits von dezentralen Strecken zurückgezogen und sich entschieden, ihre Verkehre über ihr Drehkreuz in Berlin abzuwickeln.

Beginnen mit der Eröffnung des Hauptstadtflughafens die Bauarbeiten für ein zweites Terminal?

Rainer Schwarz: Nein. Wir wollen das bestehende Terminal, in dem bis zu 27 Millionen Passagiere abgefertigt werden können, zunächst auf rund 30 Millionen Passagiere erweitern. Die Kapazitäten dazu sind vorhanden. Davon abgesehen wollen wir die ersten zwei, drei Jahre beobachten, welche Verkehrsstrukturen sich in Schönefeld herausbilden. Dann werden wir entscheiden, ob und wie ein Satellit gebaut wird. Die Pläne dafür haben wir schon entwickelt.