Wettbewerb des Zoos

Ein Denkmal für Eisbär Knut

Schon eine Woche nach Knuts Tod im März hat er mit dem Kunstwerk angefangen. "Weil es so traurig war", sagt Mecky Ferber. Der Metallbildhauer schuf eine Stahlskulptur des kleinen Eisbären. Auf dem Hinterbein des Bären ist das Gesicht von Knuts Ziehvater Thomas Dörflein zu sehen.

"Die beiden gehören zusammen", sagt Mecky Ferber. "Einer wäre ohne den anderen nicht denkbar."

Mit diesem Kunstwerk hat sich Ferber beim Wettbewerb um das Knut-Denkmal beworben, das im kommenden Jahr im Zoo aufgestellt werden soll. Es soll den jungen Eisbären zeigen, der Millionen Zuschauer an sein Gehege lockte. Zum Wettbewerb hatte der Förderverein Zoo und Tierpark aufgerufen. Etwa 40 Vorschläge von Künstlern sind eingegangen: 20 Skulpturen und 20 Zeichnungen. Die Bewerber kommen aus Berlin und Brandenburg, anderen Bundesländern, aus Österreich und der Schweiz. Kinder und Knut-Fans haben weitere 15 Beiträge geschickt. Der Vorsitzende des Fördervereins, Thomas Ziolko, ist begeistert. "Die große Resonanz hat meine Erwartungen übertroffen", sagt er. Er habe nur mit halb so vielen Bewerbungen gerechnet. Der Verein hatte das Denkmal auf seiner Internetseite ausgeschrieben und bis zum 20. Dezember um Entwürfe von Künstlern gebeten.

Sieben Wochen Arbeit

Mecky Ferber hat sieben Wochen gebraucht, bis seine Skulptur aus Stahl fertig war. "Ich hatte kein Modell von Knut", erzählt der 52-Jährige. "Nur Fotos." Es hat lange gedauert, bis der Bildhauer, der in der Uckermark lebt, mit seinem Werk zufrieden war. "Die Augen habe ich etwa 30 Mal verändert." Die Ohren waren schon angeschweißt. Sie passten nicht - also hat Ferber sie wieder abgeschnitten und neu angebracht. "Es gab gute und schlechte Tage während dieser Arbeit", erzählt er. Bis endlich alles gestimmt hat. "Der Eisbär hat mehrere Gesichter", sagt der Künstler. "Je nachdem, von wo aus man ihn sieht." Die Skulptur habe eine Seele.

Sein Stahl-Eisbär ist 55 Zentimeter hoch und etwa 80 Zentimeter lang. Die strukturierte Oberfläche kommt durch die vielen Schweißnähte zustande. Drei Rollen Schweißdraht hat Ferber eingesetzt. Die Bärenfigur wiegt etwa 70 Kilogramm, das gesamte Kunstwerk mit Sockel 115 Kilogramm. Zu schwer, um den Wettbewerbsbeitrag mit der Post oder einem Kurier zu schicken. Mecky Ferber hat seine Stahl-Skulptur selbst zum Tierpark gefahren und abgeben. "Damit sie unbeschädigt ankommt."

Das Kunstwerk wird mit den anderen Wettbewerbs-Arbeiten beim Förderverein aufbewahrt. "Wir sichten jetzt die Entwürfe und prüfen, ob sie sich im Kostenrahmen bewegen", sagte Thomas Ziolko.

15 000 Euro soll das Bronze-Denkmal kosten. Es wird mit Spenden finanziert. Ein Konto dafür hatte der Förderverein bereits im Frühjahr 2011 eingerichtet. Etwa 10 000 Euro seien bereits eingegangen, sagt Ziolko. "Wenn klar ist, welcher Entwurf verwirklicht wird, dann werden bestimmt weitere Spenden fließen." Anfang Januar wird eine Jury entscheiden, welcher der Entwürfe realisiert wird. Ihr gehören Zoo- und Tierparkchef Bernhard Blaszkewitz an, außerdem die kaufmännische Direktorin der Zoo AG, Gabriele Thöne, und Fördervereins-Chef Thomas Ziolko. Bis zum Frühjahr 2012 soll das Kunstwerk gegossen werden. Im Zoo stehen bereits Bronzeskulpturen anderer legendärer Bewohner, etwa von Gorilla Bobby und Flusspferd Knautschke.

Knut, Berlins berühmter Eisbär, wäre Anfang Dezember fünf Jahre alt geworden. Er starb im März. Das Tier brach zusammen, stürzte in den Wassergraben der Eisbärenanlage und ertrank. Auslöser war eine Virusinfektion. 2007 hatte der kleine Eisbär die Herzen von Millionen Menschen erobert. Weil seine Mutter Tosca ihn nicht annahm, wurde Tierpfleger Thomas Dörflein zum Ziehvater des Bärenbabys. Der Uckermärker Bildhauer Mecky Ferber hat Knut nie live im Berliner Zoo gesehen. "Eisbären werden doch 20 bis 30 Jahre alt", sagt er. "Ich dachte, ich habe noch Zeit, ihn zu besuchen."