Interview

Verkehrsstaatssekretär Gaebler: "Die Bahn hat wenig dazugelernt"

Der neue Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) machte sich vom Chaos auf den S-Bahnhöfen selbst ein Bild. Während am Zoo zumindest die Informationspolitik funktionierte, gab es am Bundesplatz erhebliche Schwierigkeiten, weil durch den Stromausfall auch die elektronischen Anzeigen dunkel blieben. Mit Gaebler sprach Gilbert Schomaker.

Berliner Morgenpost: Herr Gaebler, Sie waren vor Ort und haben sich das Chaos angeschaut. Welchen Eindruck hatten Sie?

Christian Gaebler: Ich war am Bahnhof Zoo und am Bundesplatz. Am Zoo war die Information der Fahrgäste unter den gegebenen Umständen in Ordnung. Am Bundesplatz konnte nur die Aufsicht selber direkt Auskunft geben, weil leider die Anzeigetafeln und die Lautsprecher auch über den Computer laufen, der ausgefallen ist. Das ist natürlich völlig unakzeptabel.

Berliner Morgenpost: Wie bewerten Sie insgesamt den Ausfall?

Christian Gaebler: Man muss noch einmal die Details auswerten. Aber es entsteht der Eindruck, dass die Bahn aus dem Totalausfall wie dem Anschlag am Ostkreuz wenig gelernt hat. Wenn also wegen Wartungsarbeiten am Stellwerk ein Ausfall des gesamten S-Bahn-Systems verursacht werden kann, dann stimmt etwas nicht in der Systemkonfiguration. Man hat den Eindruck, es geht vorrangig darum, möglichst effizient die Arbeitsabläufe zu organisieren, nicht aber darum, einen möglichst stabilen Verkehr aufrecht zu erhalten.

Berliner Morgenpost: Sie fordern ein besseres Notfallsystem?

Christian Gaebler: Genau. Ich bin skeptisch, wenn man alles auf ein Stellwerk konzentriert. Aber wenn man das schon macht, muss es Rückfallebenen geben. Es kann nicht sein, dass dann auch andere Leitungen nicht funktionieren, wie mir das gesagt wurde. Ein Umschalten war also nicht möglich. Es darf nicht passieren, dass bei einem Ausfall einer Leitung das ganze System zusammenbricht und es Stunden dauert, bis alles wieder hochgefahren ist.

Berliner Morgenpost: Der Senat führt mit der Bahn Gespräche, um die S-Bahn zu kaufen. Wollen Sie das Unternehmen auch nach so einer Panne weiterhin haben?

Christian Gaebler: Das aktuelle Problem hat nichts mit der S-Bahn Berlin zu tun, sondern ist ein Problem der DB Netz. Also egal, wer die S-Bahn betreibt und wem sie gehört, das Schienennetz und die Stellwerke gehören dem Bund.

Berliner Morgenpost: Wäre das Land Berlin bereit, in das Netz zu investieren?

Christian Gaebler: Nein. Das ist eindeutig Aufgabe der Deutschen Bahn AG und des Bundes. Der Bund ist zuständig laut Grundgesetz für ein funktionsfähiges Netz. Dazu gehören auch die Signaltechnik und die Weichen. Wir hatten ja im letzten Winter Probleme mit den Weichenheizungen, wo die DB Netz sehr zögerlich war, jetzt aber nachgerüstet hat. Grundsätzlich muss der Bund in die Pflicht genommen werden. Es geht nicht, dass die Länder und Kommunen das ausputzen müssen, was der Bund und die Bahn über Jahre vernachlässigt haben.