Kriminalität

Die Medikamentendealer und 445 gefälschte Rezepte

Mehmet E. heißt der Mann, in dem die Staatsanwaltschaft den Kopf der Bande vermutet. Das begehrteste Produkt in seiner breiten Angebotspalette: Das ebenso gefährliche wie - insbesondere bei Jugendlichen und jungen Männern - beliebte Aufputschmittel Tilidin.

Seit Donnerstag müssen sich der 28-jährige Mehmet E. und zwei 36 und 38 Jahre alte Mitangeklagte wegen gewerbsmäßigen Betrugs, Urkundenfälschung und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz vor dem Landgericht Moabit verantworten. Knapp drei Jahre lang soll Mehmet E. mit Drogen, Aufputschmitteln und Medikamenten gehandelt haben. Die illegale Ware besorgte sich der Mann nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit gefälschten Rezepten.

E., der bislang zu den Vorwürfen schweigt, soll ein etwa 100 Personen umfassendes Netz von Stammkunden aufgebaut und die Fälschungen am eigenen Computer hergestellt haben. Die Vorlagen stammten nach bisherigen Erkenntnissen der Ermittler aus Einbrüchen und Diebstählen in zwei Arztpraxen.

445 gefälschte Rezepte sollen zwischen Juli 2008 und April 2011 eingelöst worden sein. Anfangs ausschließlich in Berliner Apotheken, später im gesamten Bundesgebiet, um das Risiko der Entdeckung so gering wie möglich zu halten. Bielefeld, Oberhausen, Heidelberg, die Mitglieder der Tilidin-Bande unternahmen ausgiebige Geschäftsreisen, um ihren Handel aufrecht zu erhalten.

Die Staatsanwaltschaft geht von bis zu 150 000 Euro Gewinn für die Täter aus. In der Anklageschrift ist die Rede von der "Schaffung einer dauerhaften Einnahmequelle zur Finanzierung eines ausschweifenden Lebensstils". Den soll sich vor allem E. mit immenser Geschäftstüchtigkeit gesichert haben. Er habe unter anderem 100-Milliliter-Flaschen Tilidin für 27 Euro in Apotheken erworben und für bis zu 150 Euro weiterverkauft, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Den Schaden hatten vor allem die Krankenkassen AOK und DAK.

Das Einlösen der gefälschten Rezepte soll der 28-Jährige überwiegend Helfern überlassen haben, die mit diesen Gefälligkeiten ihre eigenen Drogen und ihre Medikamentensucht finanzierten. Gegen mehrere der mutmaßlichen Helfer laufen ebenfalls Verfahren. Auch eine Ärztin, die einem der Angeklagten in großer Zahl Schmerzmittel verschrieb, geriet ins Visier der Behörden. Diese geht davon aus, dass die Frau zumindest geahnt haben könnte, wofür ihr Patient die Medikamente tatsächlich brauchte. Am 22. Dezember wird der Prozess fortgesetzt. Das Urteil soll nach insgesamt neun Verhandlungstagen im Februar gesprochen werden.