Urteil

Lebenslänglich für Mord an ehemaligem Revue-Tänzer

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Michael Mielke

Richter Olaf Arnoldi beschrieb am Ende seiner Urteilsbegründung noch einmal den Ermordeten. Klaus J., ehemaliger Tänzer im Ensemble des Friedrichstadtpalastes, sei ein bescheidener Mann gewesen.

"Dieser Mann wurde wegen fünf Euro umgebracht", sagte Arnoldi mit Blick auf den Angeklagten Xhevdet M. Minuten zuvor hatte Arnoldi im Landgericht Berlin für Xhevdet M. das Urteil verkündet: Lebenslänglich wegen Mordes, Raubes mit Todesfolge und besonders schwerer Brandstiftung. Es war ein Indizienprozess. Xhevdet M. hatte die Tat abgestritten und behauptet, er kenne weder das Opfer noch dessen Wohnung - das aber konnten die Ermittler widerlegen.

Den ersten Eintrag in der Ermittlungsakte gibt es unter dem 28. Februar 2011. Feuerwehrleute werden zu einem Wohnungsbrand nach Tegel in die Namslaustraße gerufen. Im Schlafzimmer finden sie einen Leichnam. Schnell stellt sich auch heraus, dass der Wohnungsinhaber Klaus J. erdrosselt wurde. Ebenso, dass es sich um Brandstiftung handelt. Eine Nachbarin will gegen 21.30 Uhr laute Geräusche gehört haben, die aus der Wohnung von Klaus J. kamen. Das war ungewöhnlich. Der 58-Jährige galt als ruhiger, freundlicher Hausbewohner. Es war bekannt, dass er homosexuell war und sonnabends gern mal loszog, um sich zu amüsieren. Dafür schmückte er sich mit goldfarbenen Ringen und Ketten. Genau darauf sei der Angeklagte vermutlich aufmerksam geworden, sagte der Richter.

Vermutlich wären die Kriminalbeamten nicht auf die Spur des Kosovo-Albaners gekommen, wäre nicht am 5. April wegen einer anderen Sache ein junger Mann verhört worden. Der legte plötzlich ein Handy auf den Tisch, das aus der Wohnung von Klaus J. stammte. Er habe es von seinem Lebensgefährten bekommen und dieser wiederum von seinem Bruder, erklärte er arglos, als ihn die Ermittler nach der Herkunft des Handys fragten. Der Bruder indes war kein anderer als der schon mehrfach vorbestrafte Xhevdet M.

Verschwunden war aus der Wohnung auch die EC-Karte des Opfers. Die Ermittler wussten bereits, dass der mutmaßliche Mörder - ebenfalls wenige Stunden nach dem Mord - versucht hatte, mit der EC-Karte Geld an einem Bankautomaten abzuheben. Es gab Fotos von Überwachungskameras. Darauf waren zwei Männer zu sehen. Nicht zwingend scharf. Aber ein Bruder von Xhevdet M. bestätigte später bei einem Anwalt, dass auf dem Foto er und Xhevdet M. zu sehen seien.

Für das Überführen des Angeklagten hätten aber genau genommen schon zwei Telefonate gereicht, die sein jüngerer Bruder am 7. und 9. April mit einer Schwester führte - und die von der Polizei abgehört wurden, betonte Richter Arnoldi. Der Bruder habe zunächst ausweichend reagiert, ihr schließlich aber doch von der Durchsuchung der Wohnung berichtet und von den Vernehmungen. "Er hat ihr dann auch erzählt, dass Xhevdet M. der Mörder ist", sagte Richter Arnoldi.

"Der Bruder hat erzählt, dass Xhevdet M. der Mörder ist. Es waren Telefonate, die an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen"

Olaf Arnoldi,Richter