Großflughafen BER

Die Nacht des Neustarts

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Thomas Fülling

Es soll ja noch immer Berliner geben, die für den innerstädtischen Flughafen Tegel auf eine kleine Verlängerung hoffen. Doch diesem Wunsch erteilte die Berliner Flughafengesellschaft jetzt eine klare Absage.

"Der Eröffnungstermin steht. Selbst wenn in der Nacht zum 3. Juni noch irgendetwas Unvorhersehbares passieren sollte, einen Rück-Umzug nach Tegel wird es nicht geben", sagte der für den Betrieb zuständige Geschäftsführer Manfred Körtgen.

Und so wird am 2. Juni zwischen 22 und 23 Uhr ein letztes Mal eine mit der Kennung TXL gebuchte Maschine von Air Berlin von Tegel abheben. In Schönefeld wird etwa um 23 Uhr eine Maschine der russischen Aeroflot als letzte vom alten Flughafen starten. Am Morgen danach soll dann wie angekündigt der neue Hauptstadtflughafen "Willy Brandt" (BER) in Betrieb gehen. Um 6 Uhr sollen dazu zwei Maschinen - je ein Flugzeug von Air Berlin und Lufthansa - von den beiden BER Start- und Landebahnen abheben. Ob es einen von den Fluglärmgegnern so bekämpften Parallelstart geben wird oder ob die beiden Maschinen nacheinander starten, ist laut Flughafenchef Rainer Schwarz noch in der Diskussion. Das hänge auch von den Maschinen ab, mit denen die Airlines an den Start gehen werden. Die Lufthansa hatte jüngst bereits angekündigt, zur BER-Premiere mit ihrem Flaggschiff, dem Airbus A 380, nach Berlin zu kommen. Die Fluggesellschaft Air Berlin hat über ihren Startauftritt noch nicht entschieden.

6000 Fluggäste landen früher

Bereits am Abend vor der offiziellen Inbetriebnahme können die ersten Passagiere den neuen Hauptstadtflughafen BER nutzen. Flugzeuge mit zusammen 5000 bis 6000 Fluggästen und dem Ziel Berlin-Tegel werden am 2. Juni 2012 ab etwa 18 Uhr nach Schönefeld umgeleitet. Es handelt sich dabei um Maschinen, die in Berlin normalerweise "übernachten" und erst am nächsten Morgen wieder eingesetzt werden. Mit diesem Verfahren will die Berliner Flughafengesellschaft unnötige Leerflüge von Tegel nach Schönefeld verhindern. Im neuen BER-Terminal erhalten die "umgeleiteten" Passagiere nur ihre Koffer, einkaufen oder Kaffee trinken ist noch nicht möglich. Sobald sie ihr Gepäck haben, werden die Fluggäste dann kostenlos mit Bussen entweder nach Tegel oder zu den nächstgelegenen S- und U-Bahnhöfen gefahren.

Betroffen davon werden vor allem Fluggäste von Air Berlin und Lufthansa sein. Für die Information über den Umweg und die damit verbundenen möglichen Zeitverzögerungen sind die jeweiligen Airlines zuständig.

Rechtliche Probleme sehen die Flughafen-Betreiber für diesen ungewöhnlichen Schritt übrigens nicht: Denn in Schönefeld werden die Maschinen am Abend des 2. Juni auf der nördlichen Landebahn aufsetzen. Diese Piste ist zugleich die Südbahn des alten Schönefelder Flughafens, der dann noch in Betrieb ist. Erst mit einem Abflug von der neuen, mehr als drei Kilometer langen Südbahn werde der neue Flughafen Berlin-Brandenburg im juristischen Sinn in Betrieb genommen.

Doch bevor es soweit ist, steht der Flughafen-Betreiber vor einer logistischen Herkules-Aufgabe.

In nur einer Nacht müssen alle für den Flugbetrieb wichtigen Einrichtungen umziehen. "Das wird ein Novum sein: Das gleich zwei Flughäfen gleichzeitig umziehen, hat es noch nicht gegeben", sagte Körtgen. Allein für die Verlagerung aller wichtigen Einrichtungen aus Tegel sind laut dem Flughafen-Geschäftsführer 600 Fahrten erforderlich. Damit dies reibungslos möglich ist, wird am 2. Juni, 22 Uhr, bis zum 3. Juni, 3 Uhr morgens, die Stadtautobahn von Tegel in Richtung Schönefeld für den übrigen Verkehr komplett gesperrt.

Ab 7. Februar nächsten Jahres haben viele Berliner die Chance, Einblick in das neue BER-Terminal zu nehmen. Dann beginnt nämlich die zweite Testphase. Dann insgesamt 10 000 "Test-Passagiere" mit einbezogen. Ausgewählt werden sie aus mehr 18 000 Bewerbern, die sich auf der Interseite angemeldet haben. Immer dienstags und donnerstags werden dann alle Betriebsläufe wie im Echtbetrieb geprobt. "Beispielsweise wenn 1200 Passagiere gleichzeitig ankommen", so Flughafen-Sprecher Klaus Kunkel. Jeder "Test-Passagier" darf übrigens nur einmal mitmachen. So sollen Ortskenntnis und Gewöhnungseffekte verhindert werden.

Flughafen-Betriebschef Körtgen ist zuversichtlich, dass eine Blamage wie bei der Eröffnung eines neuen Terminals in London-Heathrow, wo selbst nach Wochen noch Koffer unsortiert waren, verhindert werden kann. "Bei den bisherigen Tests wurde eine Vielzahl von Problemen entdeckt, aber keines, das wir nicht schnell in Griff bekommen haben".