Schnaps

Zwei weitere Opfer auf Weihnachtsmarkt vergiftet

Der unbekannte Mann, der gepanschten Schnaps auf Berlins Weihnachtsmärkten an Besucher verschenkt, hat mehr Menschen vergiftet, als bislang bekannt war.

Am vergangenen Mittwoch soll er bereits im Bezirk Mitte entsprechend aktiv gewesen sein. Das teilte die Polizei am Sonnabend mit. Eine 24-jährige Frau und ein 26 Jahre alter Mann waren auf dem Weihnachtsmarkt am Opernpalais Unter den Linden von dem etwa 45-jährigen Täter angesprochen worden. Nachdem sie einen spendierten Schnaps getrunken hatten, ging es der Frau so schlecht, dass sie in einem Krankenhaus behandelt werden musste. Am Freitagabend, so die Polizei, meldete die Frau bei einer Polizeiwache den Vorgang und erstattete Anzeige. Die Anzahl der Opfer des Giftpanschers steigt damit auf sieben.

Da die Täterbeschreibung der 24-Jährigen mit denen der anderen Opfer übereinstimmt, geht die Polizei "mit hoher Wahrscheinlichkeit" davon aus, dass es sich um denselben Täter handelt. Auch die Vorgehensweise stimmt mit den übrigen Fällen überein: Er wolle aus Anlass der Geburt seines Kindes mit anderen anstoßen, hatte der Mann gesagt. Der Unbekannte hatte seine nunmehr ersten Opfer am Mittwoch gegen 21.15 Uhr auf einen Schnaps eingeladen. 15 Minuten später musste ein Rettungswagen die 24-Jährige in eine Klinik bringen. Die Frau hatte über Übelkeit geklagt und war sogar kurzzeitig in Ohmacht gefallen. Um 1.30 Uhr konnten die behandelnden Ärzte den Zustand der Frau so weit stabilisieren, dass sie entlassen werden konnte. Ihrem 26 Jahre alten Begleiter blieb eine Klinikbehandlung erspart. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hatte sich der Mann unmittelbar nach Trinken des Giftschnapses einen Finger in den Hals gesteckt, um sich zu übergeben. Danach ging es dem 26-Jährigen schnell besser. Er konnte deshalb auf ärztliche Hilfe verzichten.

Keine Spur vom Täter

Die intensive Fahndung der Polizei nach dem Täter dauert an. Der Gesuchte ist etwa 45 Jahre alt und 1,80 Meter groß, hat kurze, dunkelblonde Haare und ein rundliches Gesicht. Besuchern von Weihnachtsmärkten rät die Polizei dringend, keine Getränke von Fremden anzunehmen. Welche Substanzen der Täter den kleinen Schnapsflaschen hinzugefügt hat, ist noch nicht sicher. Nicht auszuschließen ist, dass der Unbekannte mit Liquid Ecstasy experimentiert. Die unter dem Namen Gamma-Hydroxy-Buttersäure (GHB) bekannte Flüssigkeit wirkt in hohen Dosen als K.o.-Tropfen. Typische Vergiftungssymptome sind Störungen des Herzrhythmus' und des Atemzentrums. Dadurch können Panikattacken, Gedächtnisstörungen und Brechreiz ausgelöst werden. Ein fortwährendes Problem stellt GHB für Kriminalbeamte in Zusammenhang mit Sexualstraftaten dar. Die Droge ermöglicht es den Tätern, unbemerkt den Widerstand ihrer zumeist weiblichen Opfer und deren Erinnerungsvermögen auszuschalten.

Auffällig ist in dem Zusammenhang, dass es sich bei fünf der sieben Opfer des Giftpanschers um junge Frauen handelt. Wie berichtet, hatte der Täter am Donnerstag auf den Weihnachtsmärkten am Breitscheidplatz in Charlottenburg unter anderem einer 24-jährigen slowakischen Studentin und am Alexanderplatz in Mitte drei jungen Frauen im Alter von 23 und 24 Jahren seine Schnäpse angedreht.

Mehrere Marktveranstalter haben unterdessen ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärkt und Standbetreiber zu erhöhter Aufmerksamkeit aufgerufen. Einige Veranstalter heuerten zusätzliche Sicherheitskräfte an. "Das Menschenmögliche wird getan", versicherte etwa Christian Wagner vom Schaustellerverband Berlin, der den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche ausrichtet. Allerdings musste Wagner auch einräumen, dass angesichts des großen Andrangs auf den Berliner Märkten kein Wachschützer jeden Besucher beobachten könne.