Kriminalität

Psychisch kranker Vergewaltiger flieht aus Wohneinrichtung

Die Polizei fahndet seit Mittwochmorgen nach einem Maßregelvollzugspatienten, der als junger Mann zwei Frauen vergewaltigt hatte. Aufgrund einer schweren psychischen Erkrankung ist der Mann schuldunfähig und lebte sechs Jahre in einer psychiatrischen Klinik.

Der heute 34-Jährige hat am Mittwochmorgen eine Mitbewohnerin seiner Einrichtung für betreutes Wohnen mit einem Messer angegriffen und verletzt. Danach verließ der Mann die offene Einrichtung in unbekannte Richtung, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales am Nachmittag mit.

Die Fahndung sei unmittelbar nach dem Zwischenfall ausgelöst worden, sagte Pressesprecherin Regina Kneiding. Wo sich die Einrichtung genau befindet, wollte sie nicht sagen. Aus noch unbekannten Gründen kam es am Mittwoch gegen 6 Uhr zu einer Auseinandersetzung mit einer Mitbewohnerin, die dem 34-Jährigen sehr nahe gestanden haben soll. Der Maßregelvollzugspatient ging mit einem Messer auf die Frau los und fügte ihr Wunden im Gesicht und an einer Hand zu. Das Opfer wurde in ein Krankenhaus eingeliefert. Der 34-Jährige war seit November 2004 in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Ein Gericht hatte ihn damals nach einem Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung, Widerstands und Beleidigung einweisen lassen, da er zum Tatzeitpunkt schuldunfähig war. Für den Gerichtsbeschluss hatten zwei schwere Gewalttaten eine Rolle gespielt: Dem Angeklagte wurden zuvor bereits zwei Vergewaltigungen zur Last gelegt, die er nach Auffassung von Gutachtern ebenfalls im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hatte.

Seit der Einweisung habe die Therapie eine stetige Verbesserung ergeben, heißt es seitens der Senatsgesundheitsverwaltung. Der Patient habe im Laufe der Zeit wesentliche Fortschritte gemacht. Er habe mehrfach Ausgang gewährt bekommen und nahm auch an verschiedenen begleiteten Ausflügen mit anderen Patienten teil, ohne dass es in diesem Zusammenhang zu Schwierigkeiten oder Auffälligkeiten gekommen sei. Weil sich der Zustand aus Sicht der Ärzte über die Jahre stabilisiert hatte, wurde dem heute 34-Jährigen im November vergangenen Jahres eine wesentliche Vollzugslockerung gewährt. Der Mann dürfte nach vorheriger Begutachtung in eine offene Einrichtung für betreutes Wohnen umziehen. "Diese Vollzugslockerungen verliefen bis jetzt ohne besondere Vorkommnisse und auch aus ärztlicher Sicht erfolgversprechend", sagte Regina Kneiding.

Der tätliche Messerangriff wirft nun die Frage auf, ob den zuständigen Ärzte und Therapeuten möglicherweise eine Fehleinschätzung unterlaufen ist. Offensichtliche erfolgte die Attacke gegen die Frau für die Verantwortlichen aus heiterem Himmel. Jetzt heißt es, die behandelnden Ärzte können nicht ausschließen, dass der Flüchtige in dieser besonderen Ausnahmesituation insbesondere sich selbst, aber auch andere Menschen gefährden könnte.

Bei der Berliner Polizei sind sämtliche Dienststellen per Fernschreiben über den Geflohenen informiert worden. Da der Mann potenziell als gefährlich eingeschätzt werden muss, sind alle Beamten darauf hingewiesen worden, dass bei einem Kontakt mit ihm auf die eigene Sicherheit zu achten sei. In die Fahndung sind auch die Brandenburger Polizei, Zolldienststellen und die Bundespolizei einbezogen worden. Letztere würden insbesondere an Bahnhöfen verstärkt Kontrollmaßnahmen durchführen. Unklar blieb bis zum Abend, ob der Gesuchte das bei dem Angriff auf seine Mitbewohnerin benutzte Messer noch bei sich führte.

"Wie schnell der Gesuchte von uns wieder aufgegriffen werden kann, hängt insbesondere von dem Verhalten des Mannes und seinem Bewegungsradius ab", sagte ein ranghoher Beamter gegenüber der Berliner Morgenpost. Die nasskalte Witterung werde dem Gesuchten ein Untertauchen erschweren, schließlich müsse er irgendwie einen Schlafplatz ausfindig machen. Und an öffentlichen Plätzen werde es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Mann den Sicherheitskräften ins Netz gehe, so der Polizeibeamte.