Religion

Keine klaren Mehrheiten bei Wahlen in Jüdischer Gemeinde

Bei den Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin haben sich noch keine klaren Mehrheitsverhältnisse ergeben.

Wie aus dem am Montag veröffentlichten Endergebnis hervorgeht, erzielte das Wahlbündnis "Koach!" des früheren Gemeindevorsitzenden Gideon Joffe mit neun von 21 Sitzen bei der Abstimmung am Sonntag beinahe die absolute Mehrheit. Joffe erhielt nach seinem Amtsvorgänger Alexander Brenner auch die meisten Stimmen. Seine Konkurrentin um den künftigen Gemeindevorsitz, Mirjam Marcus, verfehlte knapp den Einzug in das Parlament. Die Vorsitzende Lala Süsskind trat nach vier Jahren Amtszeit nicht wieder an.

Der 39-jährige Joffe war zuletzt für ein knappes Jahr Geschäftsführer der inzwischen insolventen Berliner Treberhilfe, die wegen der "Maserati-Affäre" in die Schlagzeilen geraten war. Unter den Zuwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion, die einen Großteil der 10 500 Mitglieder stellen, gilt er als sehr beliebt. Die Gruppe "Shalom" (deutsch: "Frieden") des Rechtsanwaltes und Publizisten Sergej Lagodinsky erreichte mit sieben Stimmen den zweiten Platz hinter Joffes Wahlbündnis "Koach!" (deutsch: "Stärke").

Das Wahlbündnis "Verantwortung Jetzt!" erreichte nur drei Sitze. Ihre Spitzenkandidatin, die bisherige stellvertretende Gemeindevorsitzende Mirjam Marcus, gilt wie Süsskind als Vertreterin des alteingesessenen Berliner Judentums. Die Gruppe "Hatikwa" (deutsch: "Hoffnung") kam gar nicht in die Repräsentantenversammlung. Die Wahlbeteiligung betrug nach Gemeindeangaben rund 27 Prozent. Insgesamt gab es 62 Kandidaten.

Der neue Vorsitzende muss noch gewählt werden und tritt im Januar sein Amt an. Vordringlichste Aufgabe wird es sein, den unter Lala Süsskind begonnenen finanziellen Konsolidierungskurs fortzusetzen. Rund 27,5 Millionen Euro umfasst der Haushalt für das nächste Jahr. Davon entfallen allein rund 16 Millionen auf Personalkosten und Renten. Mehr als 800 000 Euro sind noch nicht gedeckt. Beim Amtsantritt von Süsskind, die 2008 Gideon Joffe folgte, lag das jährliche Defizit bei 2,5 Millionen Euro.