Öffentlicher Dienst

Extrawurst für Zehlendorfs Rathausmitarbeiter

Seit 13 Jahren gibt es erstmals wieder einen Weihnachtsmarkt auf der Zehlendorfer Dorfaue. Zwölf Buden, eine Eisbahn - und eine Extrawurst für die Rathausmitarbeiter. In einer Mail des Bezirksamtes wurden die Behördenmitarbeiter über ein spezielles "Office-Angebot" informiert.

Mittwochs und donnerstags gibt es für sie von zwölf bis 13 Uhr beim Kauf einer Bratwurst eine zweite gratis dazu. Gleiche Konditionen gelten für alkoholfreie Getränke an vier Tagen der Woche.

Während im Steglitz-Zehlendorfer Bezirksamt die Annahme des Angebots verteidigt wird, sagt der Antikorruptions-Experte im Wilmersdorfer Rathaus: "Das geht gar nicht." Vorteilsnahme im Amt sei strikt verboten und nicht mit den Richtlinien für Rathausmitarbeiter vereinbar, so Wolfgang Schulz. Auch in seinem Bezirk hätten Firmen öffentlichen Einrichtungen Begünstigungen angeboten, die allesamt abgelehnt werden mussten.

Das Rathaus Zehlendorf hat den Weihnachtsmarkt genehmigt und die Grünfläche zur Verfügung gestellt. Dennoch hat der dortige Beauftragte für Korruption "keine Bauchschmerzen" wegen des Angebots für die Rathausmitarbeiter, zu denen Arbeiter, Angestellte und Beamte gehören. Er sieht es "als Werbegag und als einen Versuch, den Markt voranzubringen". Da der Veranstalter bereits vorab 5000 Flyer verteilt habe, die Gutscheine mit ähnlichen Konditionen enthielten, könne er in dem Vorgehen keine Bestechung sehen, sagt der Korruptionsbeauftragte.

Tatsächlich geht es den Betreibern darum, Werbung für den neuen Markt zu machen. Wäre etwa ein Callcenter in der Nachbarschaft, hätte man die Aktion diesem Unternehmen angeboten, sagt Veranstalter Laurence Blume. "Ich denke, da ist nichts Verwerfliches dran, wenn man etwas Neues publik machen und Kunden werben will", so Blume. Er gehe davon aus, dass kein Lebensmittelkontrolleur seine Pflicht wegen einer Bratwurst vernachlässigen werde.

"Ich stehe voll und ganz hinter der Aktion", sagt Gernot Mann, Referent des im Urlaub weilenden Bezirksbürgermeisters Norbert Kopp (CDU). Kollegen, die keine Flyer mit Gutscheinen abbekommen hätten, sollten auch in den Genuss der Vergünstigungen kommen. Daher habe er das Angebot angenommen. Es gehe dem Betreiber des Weihnachtsmarktes vor allem darum, die tote Mittagszeit zu überbrücken und den Markt zu etablieren. "Jeder, der einmal mit einem Gutschein kommt, könnte der nächste Stammkunde sein", sagt Blume. Das sei bei jeder Geschäftseröffnung üblich. Nicht nur Rathausmitarbeiter, auch Schulklassen und Kitas kommen in den Genuss von Sondervergünstigungen: Vormittags, in der Zeit von 10.30 Uhr bis 14 Uhr, können sie für einen Euro pro Kind die Eisbahn nutzen. Ansonsten kostet die Tageskarte 2,50 Euro.