Immobilien

Der König vom Leipziger Platz

Der Berliner Investor Harald Huth hat sich ein weiteres Stück vom Leipziger Platz in Berlins neuer Mitte gesichert. Wie der Unternehmer der Berliner Morgenpost bestätigte, hat seine Firma, die High Gain House Investments GmbH (HGHI), das Areal am Leipziger Platz 16 vom Automobilclub von Deutschland (AvD) erworben. An dieser Stelle stand einst das prächtige Bleichröder-Palais, das dem Automobilclub bis zum Zweiten Weltkrieg als Zentrale diente.

Huth ist bereits der größte Immobilienbesitzer am Platz: Für rund 450 Millionen Euro bebaut er derzeit das ehemalige Wertheim-Areal an der Nordostecke des achteckigen Platzes.

Huth hat angekündigt, 23 Millionen Euro in den Bau des Geschäftshauses investieren zu wollen. Der AvD wird in dem Neubau nach Angaben von Huth zwischen 300 und 500 Quadratmeter beziehen. Weitere Mieter stehen bereits fest, sollen aber noch geheim bleiben. "Ob wir das Palais mit der historischen Fassade wieder aufbauen oder uns für eine moderne Variante entscheiden, prüfen wir noch", sagt Huth. Die damalige Sandsteinfassade sei von hoher Qualität gewesen. Doch egal ob Rekonstruktion oder neuer Entwurf: Sicher sei, dass das Haus eine tolle Fassade bekomme, die der Geschichte des Ortes angemessen sei.

Das repräsentative Gebäude, das dem AvD bis in die Vierzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts als Hauptsitz diente, war im Zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört worden. Das vormalige Bleichröder-Palais wurde dem AvD - damals noch Kaiserlicher Automobil Club KAC - vom Bankier und Mäzen des Motorsports, Dr. James von Bleichröder, am 27. Mai 1905 vermacht - sechs Jahre nach der Gründung des Clubs im Jahr 1899.

Nach dem Fall der Mauer wurde das 1100 Quadratmeter große Grundstück 1998 an den Automobilclub von Deutschland zurückgegeben. Das Architekturbüro Baumann & Partner wurde damals direkt mit der Planung beauftragt, eine Baugenehmigung liegt seit Jahren vor. "Diese Pläne waren bereits mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung abgestimmt", sagt Huth. Am 1. Juli 2012 wolle er mit dem Bau beginnen. "Es bleibt also noch genug Zeit, Alternativen zu prüfen", sagt der Investor. Der Entwurf aus dem Büro Baumann ist dem benachbarten mit Naturstein verkleideten Mosse-Palais angepasst. Gemeinsam mit dem Mosse-Palais wird das neue Palais einen Hof umschließen. Das sogenannte Mosse-Palais am Leipziger Platz 15 war 1996 das erste Projekt, das am Oktogon errichtet wurde. Doch während die Bebauung auf der südlichen Platzseite zügig voranschritt, wagten sich die Investoren nur zögerlich an den Wiederaufbau nördlich der Leipziger Straße. Schuld waren die langjährigen gerichtlichen Auseinandersetzungen zwischen den Wertheim-Erben und dem Karstadt-Konzern um das 22 000 Quadratmeter große Areal an der Nordostecke des Platzes. Dort stand bis zu seiner Zerstörung Deutschlands größtes Kaufhaus, errichtet vom Architekten Alfred Messel.

Die Aussicht auf die riesige Dauerbrache in unmittelbarer Nachbarschaft schreckte offenbar Investoren ab. Statt Neubauten entstand ein Potemkinsches Dorf, Gebäudeattrappen aus Gerüsten und bedruckten Planen vermitteln die Illusion eines fertig gebauten Platzes. Doch mit der Rückübertragung des Areals an die Wertheim-Erben wendete sich das Blatt: 2006 kaufte die Orco-Gruppe das Gelände für 75 Millionen Euro. Die Firma geriet jedoch während der Finanzkrise in Schieflage und musste vor rund einem Jahr an Huth verkaufen. Die Spundwände an der gigantischen Baugrube für das Shoppingcenter mit angegliedertem Wohnkomplex sind bereits fertiggestellt. Bis Ende Dezember sollen die Tunnel der U-Bahn-Linie 2 bereits komplett eingebaut sein. Die Bauzeit für das Bleichröder-Palais ist auf etwa 15 Monate veranschlagt. "Mein Ziel ist es, beide Bauvorhaben bis Oktober 2013 fertigzustellen", sagt Huth.