Gartenlust

Die einfachste Zimmerpflanze für die Winterzeit

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Es ist ein Mythos, dass man Orchideen besser erst im Februar während ihrer Hauptblütezeit kaufen sollte. Das stimmt für einige schwierige Gattungen der Orchideen, aber nicht für die beliebtesten, wie zum Beispiel die Phalaenopsis. Wer bis Februar wartet, verliert mindestens zwei Monate, in denen die Orchideen schon richtig loslegen, wohingegen kaum etwas anderes blüht.

Bei der Orchideenhaltung im Winter ist vor allem die Luftfeuchtigkeit und die Länge der Tageslichtzufuhr zu beachten, zum Beispiel sollte man jetzt unbedingt eine Wasserschale auf die Heizungen stellen, um die trockene Zimmerluft leicht zu befeuchten. Ältere Orchideen, die in den Sommermonaten aufhören zu blühen, sollten Sie jetzt dicht an Fenster und Türen stellen, damit sie ein Maximum an Licht bekommen. In den Ländern, aus denen diese Pflanzen ursprünglich kommen, ist die Dauer des Tageslichtes auch im Winter immer länger als bei uns und das haben sie sich sozusagen gemerkt. Bekommen sie nicht lange genug Tageslicht, nehmen einem das besonders die empfindlichen Gattungen wie zum Beispiel Paphiodedulum übel.

Übrigens sollte man die Pflanzen in den Wintermonaten, also in den bevorzugten Blühmonaten Dezember, Januar und Februar, nur einmal, maximal zweimal pro Monat düngen, indem man ein paar Tropfen (s. bitte Packungsbeilage) Flüssigdünger in das Gießwasser gibt. Die Pflanze bitte nicht mit dem Wasser gießen, sondern sie circa drei bis vier Minuten in warmes Wasser tauchen, da die meisten Orchideen nur Luftwurzeln im Topf haben. Bevor man sie dann in den Übertopf zurückstellt, sollte der Topf ganz abgetrocknet sein. Sie mit Wasser zu besprühen, gefällt übrigens weder den Blüten noch den Blättern der Phalaenopsis.

Wer dennoch sprühen möchte, was zum Beispiel bei den ganz skurrilen Gattungen wie Wandas durchaus angebracht ist, sollte darauf achten, dass die Blüten nicht besprüht werden und dass kein Wasser in den Blattachsen stehen bleibt. Falls dies doch geschieht, sind diese mit einem Papiertuch leicht zu trocknen, denn hier entsteht sonst Fäulnis, und daraus entfacht sich leicht eine Pilzkrankheit.

Das mag sich alles schrecklich kompliziert anhören, doch ist sie in Wirklichkeit eine der einfachsten Pflanzen der Welt, wenn man im Winter zur Blütezeit nur drei Dinge beachtet: Die Orchidee an einen hellen Platz am Fenster stellen, sie ein- zweimal die Woche tauchen (natürlich nur den Topf, nicht die ganze Pflanze) und die trockene Zimmerluft leicht mit einer Wasserschale befeuchten.

Auch kurzes Lüften der Räume am Nachmittag oder am frühen Abend ist sehr empfehlenswert. Allerdings sollte man darauf achten, dass die Orchideen während des Lüftens nicht am Fenster stehen, wenn draußen minus 20 Grad herrschen. Überhaupt sollte man die Orchideen keinem Kälteschock aussetzen. Das gilt übrigens bereits für den Transport vom Geschäft zum Auto. Lassen Sie sich die Pflanze gut einpacken, eine einfache Klarsichtfolie reicht hier nicht aus. Es gibt hierfür Spezialfolien für den Wintertransport oder aber Zeitungspapier. Das sieht zwar nicht sehr sexy aus, ist aber einer der besten Isolierstoffe für die Pflanze.

Wenn die weißen Knospen an ihrer neu gekauften Orchidee innerhalb von drei bis vier Tagen gelb werden, dann kann es sein, dass sie aufgrund der Kälte kurz danach absterben.

Noch ein kleiner Tipp zum Umtopfen: Sind die Pflanzen gesund, braucht man Orchideen nur alle zwei bis drei Jahre umzupflanzen. Die besten Monate dafür sind die mit den besten Lichtverhältnissen (März bis September), also die blütenlosen Monate. Allerdings haben unsere Kunden berichtet, dass die meisten unserer Phalaenopsis durchgeblüht haben. Wen es also nicht langweilt, dass eine Blume ständig blüht, der sollte es mal mit Phalaenopsis probieren.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.