Vereinsgründung

Drei Religionen friedlich unter einem Dach

So einträchtig sieht man Christen, Juden und Muslime selten nebeneinander sitzen. In der St. Marienkirche am Petriplatz in Berlins historischer Mitte sind sie zusammengekommen, zufriedene Gesichter, wohin man blickt.

Kein Wunder: Die hier versammelten religiösen Vertreter haben an diesem Dienstag einen Verein gegründet, einen Trägerverein für ein interreligiöses Bet- und Lehrhaus am Petriplatz.

Das neue Gotteshaus hat Modellcharakter: Für jeden frei zugänglich, sollen hier Juden, Christen und Muslime beten, ihre Feste feiern und den Austausch mit der - zumeist säkular geprägten - städtischen Gemeinde suchen. "Es ist ein mutiges Projekt, weil es das Ziel hat, die drei monotheistischen Religionen unter einem Dach zu verbinden", sagt Kulturstaatssekretär André Schmitz, der den Vorsitz des Kuratoriums übernimmt. Und Pfarrer Gregor Hohberg von der Evangelischen Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien ergänzt: "Der gegenseitige Respekt ist wichtig für eine Stadt. Religionsfrieden bedeutet auch Stadtfrieden." Seit 2010 arbeiten die Jüdische Gemeinde Berlin, das Forum für Interkulturellen Dialog e.V. als islamischer Partner und die Kirchengemeinde St. Petri-St. Marien an der Umsetzung des Projekts. Weitere Gründungsmitglieder sind neben dem Land Berlin auch das Abraham Geiger Kolleg.

Dabei geht es den Beteiligten auch darum, an die historische Bedeutung des Ortes zu erinnern. Immerhin nahm hier, am südlichen Zipfel der Museumsinsel, das Miteinander von Religion und Stadt vor über 800 Jahren seinen Ausgang. Auf den Petriplatz bezieht sich die erste urkundliche Erwähnung Berlins. Hier standen, wie archäologische Grabungen 2007 zeigten, bis 1964 nacheinander mindestens vier Petrikirchen. "Doch alle drei Religionen haben in Berlin eine lange Tradition", sagt Pfarrer Gregor Hohberg.

Ausgangspunkt des Bauvorhabens ist eine Grünfläche an der mehrspurigen Straße, die Potsdamer Platz und Alexanderplatz verbindet. Dort stand die evangelische Petri-Kirche bis 1964, bis die Kriegsruine von den DDR-Machthabern beseitigt wurde. An eben dieser Stelle soll das Mehrreligionenhaus entstehen. Konkret soll es in dem Gotteshaus drei getrennte Gebetsräume geben sowie einen gemeinsamen Bereich für Gespräch und Lehre. Wie die Vision der Vereinsmitglieder baulich umgesetzt werden kann, ist noch unklar. Ein Architektenwettbewerb, der bis zum Jahresende ausgeschrieben werden soll, soll Ideen sammeln und aufzeigen, in welchen Formen gegenwärtigen Bauens es verwirklicht werden kann.