Personalien

Schnelle Lösung: Nachfolgerin bei Berlin Partner gefunden

Der Aufsichtsrat der Marketing-Agentur "Berlin Partner" will am heutigen Freitag Melanie Bähr zur neuen Geschäftsführerin ernennen. Bähr arbeitete bislang als Geschäftsführerin "Recht und Fair Play" bei der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK). Die 35-Jährige wird Nachfolgerin von Geschäftsführer René Gurka, der in der vergangenen Woche zurückgetreten war.

Kollegen bezeichnen Melanie Bähr als emsige und zielstrebige Frau. Die 35-Jährige hatte eine Unternehmensberatung in Bulgarien, bevor sie bei der IHK anfing, und spricht fließend Bulgarisch. Bähr soll die kaufmännische Leitung des Unternehmens Berlin Partner übernehmen. Der Aufsichtsrat sucht noch einen weiteren Geschäftsführer für das Berlin-Marketing und die Vertriebsaufgaben - also für die Bereiche, die der ausgeschiedene Geschäftsführer René Gurka vertrat. Die Industrie- und Handelskammer wollte sich am Donnerstag nicht zu dem möglichen Wechsel ihrer Justiziarin zu Berlin Partner äußern. Auch der Aufsichtsrat des Wirtschaftsförderunternehmens verwies auf seine Sitzung am heutigen Freitag.

Verantwortung übernommen

Nach einer Reihe von Vorwürfen hatte der bisherige Geschäftsführer Gurka am Freitag vergangener Woche seinen Rücktritt erklärt. Er werde zum 14. Oktober 2011 sein Amt niederlegen, kündigte er an. Mit dem Schritt wolle er Schaden von Berlin Partner abwenden. Er übernehme die Verantwortung für Fehler, die er gemacht habe, hieß es in einem Schreiben Gurkas an den Aufsichtsrat.

Gurka war in die Kritik geraten, als bekannt wurde, dass er Küchen- und Büromöbel im Wert von etwa 140 000 Euro ohne Ausschreibung bestellt hatte. Die Kontrolle durch Wirtschaftsprüfer ergab vergaberechtliche Mängel und Widersprüche; der Vorwurf der persönlichen Bereicherung bestätigte sich damals jedoch nicht. Darüber hinaus hatte Gurka ursprünglich einen akademischen Titel getragen, den er gar nicht besaß. Der Aufsichtsrat entschied zunächst, dass Gurka im Amt bleiben könne. Seine Arbeit als oberster Berlinwerber fand allgemein Anerkennung. Unter seiner Leitung habe Berlin Partner wesentliche Fortschritte bei der Gewinnung neuer Investoren erzielt, hieß es in einer Stellungnahme des Aufsichtsrates. Dabei wurde zunächst über seine Mängel in verwaltungstechnischen Fragen und im Rechnungswesen hinweggesehen.

Danach wurden weitere Vorwürfe öffentlich. Denen zufolge soll Gurka auch den Auftrag zum 180 000 Euro teuren Umbau der Geschäftsräume von Berlin Partner im Ludwig-Erhard-Haus nicht ausgeschrieben haben. Stattdessen soll der lukrative Auftrag an zwei Ingenieure gegangen sein, von denen einer schon einmal durch eine Direktvergabe begünstigt worden sein soll. Wegen der Verwendung von Steuermitteln ist Berlin Partner eigentlich zur Ausschreibung von Aufträgen dieser Größenordnung verpflichtet. Damit soll gesichert werden, dass der kostengünstigste Anbieter zum Zuge kommt und Steuergeld nicht verschwendet wird.

Die durch interne Gutachten bestätigten Verfehlungen hatten den Aufsichtsrat bereits Ende August zu der Entscheidung bewegt, Gurka einen zweiten Geschäftsführer, der sich speziell um die Finanzen des Unternehmens kümmern soll, zur Seite zu stellen. Für die Neubesetzung des Geschäftsführerpostens hatte der Aufsichtsrat ein Bewerbungsverfahren ausgeschrieben, aus dem Melanie Bähr jetzt als beste Bewerberin hervorgegangen sei, hieß es aus Wirtschaftskreisen.

Gurka war im April 2007 für fünf Jahre zum Geschäftführer von Berlin Partner bestellt worden. Zuvor hatte der 39-Jährige unter anderem für die Deutsch-Amerikanische Handelskammer in San Francisco gearbeitet. Ein neuer Vertrag für den inzwischen zurückgetretenen Geschäftsführer war bereits vor der Wahl ausgehandelt worden und lag unterschriftsreif sowohl Gurka als auch seinem Arbeitgeber vor. Das Arbeitsverhältnis sollte um fünf Jahre verlängert werden.

Andere Vorwürfe gegen Gurka bestätigten sich dagegen nicht. So konnte der Verdacht, er habe seine Dienstkreditkarte missbräuchlich gebraucht, in einer Sonderprüfung nicht bestätigt werden.

Berlin Partner ist ein Instrument der Wirtschaftsförderung in Berlin. Die Agentur berät Unternehmen in Berlin, die in anderen Regionen aktiv werden wollen, und Firmen, die sich in Berlin engagieren wollen. Gesellschafter sind die Investitionsbank Berlin, die Industrie- und Handelskammer, die Handwerkskammer, die Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin und Brandenburg und die Berlin Partner Holding.

Der Senat unterstützt die Agentur zur Berlin-Werbung aus Landesmitteln mit etwa acht Millionen Euro im Jahr. Der scheidende Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke) war zeitweilig auch Aufsichtsratschef von Berlin Partner.