Gartenlust

Mordgedanken im Frühlingsgarten

Kennen Sie dieses Gefühl der Ohnmacht und die aufsteigenden Mordgedanken, wenn im Frühjahr die meisten der Aberhunderten im Herbst gesteckten Zwiebeln verschwunden sind?

Wo sind sie, wer hat sie, waren es die falschen Sorten, oder gibt es tatsächlich einen oder gar mehrere Feinde? Noch bin ich mit der Zwiebelzeit nicht am Ende, denn noch stehen all die Fragen zu Mäusen, Eichhörnchen und anderen Nagern im Raum, sind sie doch - zusammen mit Wildschweinen - die wirklichen Feinde der frisch gesetzten Blumenzwiebeln.

Was tun, wenn Wühlmäuse und Eichhörnchen mit großem Engagement und innbrünstiger Lust absolut jede neu gesetzte Zwiebel im Garten aufspüren und vernichten? Gar nicht so einfach. Vor allem die kleinen Krokusse sind eine echte Delikatesse für die im Winter hungernden und frierenden Nager. Ein Freund aus England sagt, er pflanzt einfach jedes Jahr mehr, sodass sie irgendwann satt sind und nicht mehr dagegen ankommen. Leider sagte er mir nicht, ob in den letzten Jahren in seiner Gegend die Größe der Nager-Populationen extrem zugenommen hat. Und wer traut sich schon, öffentlich zuzugeben, dass er den Viechern mit illegalen Methoden den Garaus macht.

Also werde ich es weiter versuchen, indem ich die Krokusse in ein Drahtnetz einpacke und diese kleinen Gefangenenlager in die Erde setze. Dass das allerdings auch ein Wildschwein oder gar eine ganze Rotte davon abhält, meine Beete zu zerstören, wage ich zu bezweifeln. Natürlich werde ich auch weiterhin neue Zwiebeln pflanzen, und auch wenn die Hälfte gefressen wird, erfreut mich doch immer noch die andere Hälfte. Da passt der Slogan "less is more": Ich pflanze also im Winter more, und im Frühling erblüht less, much less!

Eine weitere Delikatesse sind die Tulpen, und hier hilft wirklich nur: dagegen anpflanzen. Meiner Erfahrung nach hilft es auch, Knoblauchzehen im Herbst mit in die Erde zu setzen, denn die mögen die Wühlmäuse - jedenfalls bisher noch - nicht; aber vielleicht haben sie mittlerweile auch ein Jamie-Oliver-Kochbuch und die Lust auf die mediterrane Küche entdeckt.

Ich empfehle auch sehr, noch ordentlich Allium, also Schmucklauch, dazuzusetzen, er kommt aus der gleichen Familie wie Knoblauch und Schnittlauch und scheint keiner Art von Mäusen, überirdisch oder unterirdisch, zu schmecken. Wer andere Erfahrungen gemacht hat, sollte mir dies bitte unbedingt mitteilen.

Was auch noch sehr gut gegen Maulwürfe sein soll, sind die Kaiserkronen (Botanischer Name: Fritellaria imperialis), allerdings sollte man vorher prüfen, ob man nicht selbst allergisch auf den Duft der Knolle reagiert, denn ihr Parfum ist sogar zu riechen, wenn sie noch im Boden vergraben sind. Riechen Sie einfach beim Kauf an der Tüte.

Bei den Kaiserkronen gibt es jetzt auch Sorten, die nicht nur in einem recht schönen, dunklen Orange blühen, sondern auch eine doppelte Blütenkrone tragen, daher kommt der Name einer dieser Sorten: F. "Doppeldecker".

Doch auch diese Zwiebeln und Knollen haben ihre ganz persönlichen Feinde, sie werden nämlich nicht im Winter von Mäusen gejagt, sondern beim Austrieb im Frühjahr vom Beetfeind Nummer eins: der Schnecke. Es lohnt sich daher, im Mai morgens und abends ab und zu einen Blick auf die sich entwickelnden Sprossen zu werfen und die eventuell bereits nagenden Viecher zu entfernen. Was Sie dann mit den Biestern machen, kann ich Ihnen nicht vorschreiben, das hängt ganz von Ihrer Religion ab. Ich kann nur sagen, dass ich sehr wenige buddhistische Gärtner kenne.

Sehr zuverlässig sind kleine wilde Anemonen und Winterlinge, sie werden kaum von irgendeinem dieser Viecher verputzt, da sie ihnen zu hart sind und aussehen wie Schafsköttel, und wer will so etwas schon essen. Anemonen und Winterlinge vermehren sich leicht in Gras und Wiesen und sind eine echte Schau im Garten, wenn sie nicht zu geizig gepflanzt werden. Sie sind übrigens auch nicht teuer in der Anschaffung, sozusagen ein echtes Schnäppchen.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.