Nahverkehr

Verkehr auf der Ringbahn 17 Tage lang unterbrochen

Wer in Berlin auf die S-Bahn angewiesen ist, der sollte nächstes Jahr zu Ostern schon mal Urlaub außerhalb der Stadt planen. Denn vom 30. März bis zum 16. April werden keine Züge zwischen Schönhauser Allee und Neukölln sowie Baumschulenweg fahren.

In dieser Zeit soll nicht nur der neue Bahnsteig auf der oberen Ebene des S-Bahnhofs Ostkreuz fertiggestellt, sondern auch ein elektronisches Stellwerk für den S-Bahn-Verkehr auf der östlichen Ringbahn in Betrieb genommen werden. Und wer dann auf die U-Bahn ausweichen will, hat möglicherweise auch Pech. Denn die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) planen in derselben Zeit im Bereich Pankow baubedingte Sperrungen auf der Linie U 2. "Die Abstimmungen mit dem Senat und der BVG laufen noch, und wir hoffen, da noch eine Alternative zu finden", sagte ein Bahn-Mitarbeiter.

Das Bauprojekt am Ostkreuz ist indes nur eines von mehreren, die 2012 für erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr sorgen werden. Insgesamt will die Deutsche Bahn im kommenden Jahr 534 Millionen Euro in ihre Infrastruktur in Berlin und Brandenburg investieren. Davon entfallen 453 Millionen Euro auf das Schienennetz rund und 81 Millionen Euro auf die Modernisierung von Bahnhöfen. Insgesamt ist dies zwar weniger als in den Vorjahren (2010: 661 Millionen Euro; 2011: 549 Millionen Euro), doch der Bahn-Bevollmächtigte für Berlin, Ingulf Leuschel, sieht darin keinen Rückgang im Engagement des bundeseigenen Unternehmens. "Wir investieren weiter mit voller Kraft. Schwankungen in der Summe sind vor allem auf die unterschiedlichen Kosten bei den Einzelprojekten zurückzuführen", sagte er bei der Vorstellung des regionalen Bauprogramms der Bahn für das Jahr 2012. Die Schwerpunkte für Berlin sind:

*Grunewald-Strecke: Ab dem 11. Dezember werden für ein Jahr die Fernbahngleise zwischen Charlottenburg und Wannsee gesperrt. Dort müssen dringend acht marode Eisenbahnbrücken und 42 Kilometer Schienen erneuert sowie 50 000 Tonnen Schotter ausgetauscht werden. 36 Millionen Euro investiert die Bahn allein in dieses Vorhaben. Die bis zu 25 000 Fahrgäste, die täglich mit Regionalexpresszügen (RE 1 und RE 7) zwischen Potsdam und der Berliner Innenstadt unterwegs sind, werden während der einjährigen Bauzeit zumeist auf die S-Bahn ausweichen. Leuschel versicherte, dass die S 7 (Ahrensfelde-Potsdam) auch bei Eis und Schnee zuverlässig im Zehn-Minuten-Takt und zudem in voller Länge mit acht Wagen fahren wird. Zudem wird jeder zweite Zug der Regionalexpress-Linie RE 1 (Magdeburg-Frankfurt/O.) über Spandau durch Berlin fahren. Zeitverzug: 15 bis 20 Minuten.

*Ostkreuz: Der mit einem Investitionsaufwand von insgesamt 411 Millionen Euro kalkulierte Umbau des Bahnhofs Ostkreuz geht in die "Halbzeit". Die neue 132 Meter lange Bahnhofshalle für die Ringbahnlinien ist inzwischen fast fertig, im April nächsten Jahres soll sie eröffnet werden. Dafür müssen die Gleise für die S-Bahn neu verschwenkt werden. Derzeit halten die Züge außerhalb der Bahnhofshalle an den Bahnsteigen für die Regionalbahn. Da dann zugleich das neue Elektronische Stellwerk Frankfurter Allee in Betrieb genommen werden soll, hat sich die Zeit der Vollsperrung von zehn auf 17 Tage erhöht. "Da sind sehr zeitaufwendige Messungen erforderlich, die für ein sicheres Funktionieren unabdingbar sind", begründete der Bahn-Sprecher die Fristverlängerung. Bereits im Dezember beginnen die Arbeiten auf der Stadtbahnebene des Bahnhofs. Die größte Auswirkung: Die Züge der S 3 (von Erkner bzw. Friedrichshagen) können nicht mehr durchfahren, wer weiter nach Westen will, muss mindestens ein Jahr lang über eine Brücke hinüber zum Nachbarbahnsteig laufen.

*Südring: Zu einer längeren Sperrung wird es nächstes Jahr auch auf dem südlichen S-Bahn-Ring kommen. Weil dort Weichen erneuert werden müssen, fahren zwischen Südkreuz und Bundesplatz vom 16. bis 24. April Busse statt Bahnen. Deutlich länger wird der Ersatzverkehr auf der Linie S 2 (Bernau-Blankenfelde) dauern. Vom 21. Juni bis 3. August werden beide Gleise im Südabschnitt der Linie erneuert. Zwischen Marienfelde und Lichtenrade fahren dann ebenfalls nur noch Busse.

*Berlin-Rostock: Wichtigstes Einzelprojekt in Brandenburg ist die Fortsetzung der Bauarbeiten an der Bahnverbindung von der Bundeshauptstadt zur Hafenstadt Rostock. Die Strecke soll für eine Höchstgeschwindigkeit von 160 Kilometern pro Stunde und für die für den Güterverkehr wichtige Achslast von 25 Tonnen ertüchtigt werden. Dazu werden vom 10. September 2012 bis 26. April 2013 die Gleise zwischen Oranienburg und Gransee sowie Fürstenberg und Neustrelitz voll gesperrt. Es wird umfangreiche Umleitungen geben. So soll dann der ICE von Berlin nach Warnemünde über Wittenberge fahren.