Gartenlust

Letzte Chance für den Winterputz

Dieser Herbst war nicht nur einer der schönsten, die ich bis jetzt in dieser Stadt erleben durfte, sondern er war auch ideal dafür, den Garten ganz gemächlich auf den Winter vorzubereiten.

Noch gab es kaum Nachtfrost, von daher ist es noch immer möglich, die zum Beispiel vergessenen Dahlien, Cannas und andere nicht winterharte Sommerblüher aus dem Beet zu heben, um sie an einem trocknen, kühlen und dunklen Ort zu lagern. Wenn Sie dies noch in dieser Woche schaffen, besteht eine gute Möglichkeit, dass Sie sogar noch erkennen, um welche Sorten es sich bei den Dahlien handelt, um sie vor dem Einlagern noch mit einem Schild zu versehen, damit sie im nächsten Jahr wieder an die richtige Stelle kommen. Ich denke hier an Farbharmonien, denn Dahlien haben nicht immer die harmonischste Farbgebung und fallen manchmal im neu angelegten Beet ganz schön durch ihre knalligen Töne auf. Wenn Sie im nächsten Frühjahr Ausschau nach neuen Dahliensorten halten, achten Sie drauf, dass es seit Neuestem kleinblütigere Sorten mit sehr harmonischen, sanften Blütenfarben und ganz besonders schönen Blütenformen gibt, die an Seerosen erinnern. Ich werde Sie zur Dahlienzeit erinnern. Wichtig beim Einlagern ist, dass Sie die Pflanzen bis auf etwa zehn Zentimeter zurückschneiden und dann die ganze Erde abschütteln. Die Knollen zu waschen ist nicht nötig.

Wer seine Zwiebeln noch nicht in der Erde hat, sollte sich nun aber sputen, denn ist der Boden einmal gefroren, ist es zu spät.

Wenn Sie noch die schönen Berliner Doppelfenster haben, könnten Sie versuchen, in einem guten oder vor allem altmodischen Fachhandel die schönen schmalen Hyazinthengläser zu finden und vorgezogene Hyazinthen- und Narzissenknollen dazwischenstellen. Ich habe beim Austausch meiner Garderobe von Sommer zu Winter im Keller sieben Hyazinthengläser gefunden und sie gleich zwischen die Scheiben gestellt. Die im Winter blühenden, weißen Duftnarzissen, von denen eine der schönsten die Sorte Paperwhite ist, sind bereits zehn Zentimeter hoch und werden pünktlich zum Advent ihren betörenden Duft verströmen.

Und jetzt geht es um die Winterverpackung der Rabatten: Da nun die Dahlien und andere Knollen aus und die Zwiebeln in der Erde sind, können Sie all die Pflanzen bis auf fünf bis acht Zentimeter herunterschneiden, die bei Frost zu einem Häufchen Elend zusammenfallen. Dazu gehören Stauden wie Katzenminze, Frauenmantel und einige Storchenschnäbel. Auf keinen Fall heruntergeschnitten werden dürfen Fetthennen, alle Gräser, das Eisenkraut, viele Astern und alles, was gut verholzt. Hier holen sich im Winter nicht nur die Vögel ihre Nahrung, sondern viele der Samenkapseln dienen den kleinen Gartenhelfern als Winterunterkunft oder sogenannte Insektenhotels. Ein wenig Laub kann auch in den Beeten bleiben, es muss durchaus nicht leergeharkt werden, bevor der Kompost draufkommt. Den Kompost legen wir etwa acht bis zehn Zentimeter dick auf alle Staudenbeete und bringen sie so zu Bett. Haben Sie keine Sorge, die heruntergeschnittenen Stauden gänzlich mit Kompost abzudecken, sie werden auf magische Weise im Frühjahr wie neu darunter erscheinen. Es ist überhaupt immer wieder beachtlich, wie die aufgetragene Erde im Nichts verschwindet. Man könnte meinen, dass das Beet von Jahr zu Jahr höher und nach zehn Jahren zu einem Hochbeet würde. Aber nein, die Mikroben und anderen Kleinstlebewesen ziehen diesen Kompost in die Tiefen der Erde und verbessern dort die Bodenstruktur. Last but not least sollten jetzt noch die Rosen mit abgelagertem Pferdemist angehäufelt werden, um die Veredlungsstelle und die Haupttriebe vor Frost und Schnee zu schützen. Im Anschluss können Sie sich ganz genüsslich den Weihnachtsstrapazen zuwenden, denn in 14 Tagen ist der erste Advent.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.