Urteil

Nach Schüssen auf Boxerin: Ankläger fordert hohe Strafe

Im Verfahren um die Schüsse auf die Profi-Boxweltmeisterin Rola El-Halabi fordert die Staatsanwaltschaft für den angeklagten Stiefvater wegen schwerer Körperverletzung eine Strafe von sechs Jahren und zehn Monaten Haft.

Dem 44-jährigen Hicham El-Halabi wird vorgeworfen, am 1. April dieses Jahres in den Umkleideraum der Halle an der Trabrennbahn Karlshorst eingedrungen zu sein und mehrfach auf seine Stieftochter geschossen zu haben. Als Tatmotiv des in Kuwait geborenen Goldschmiedes wird das Zusammenleben der Stieftochter mit einem 28-jährigen Griechen vermutet. "Die Beziehung zu dem noch verheirateten Freund passte nicht in das Weltbild des sozial-kulturell seiner Heimat verhafteten Mannes", sagte Oberstaatsanwalt Ralph Knispel.

Rola El-Halabi stand am 1. April unmittelbar vor ihrem Weltmeisterschaftskampf im Leichtgewicht gegen die Bosnierin Irma Balijagic-Adler. Die 26-Jährige wurde an Hand, Knie und beiden Füßen getroffen und wird, so Knispel, wohl nie wieder boxen können.

Eiskalt durchgeladen

Der Stiefvater war gegen 22.50 Uhr in der Halle aufgetaucht. Er forderte Einlass in die Kabine seiner Stieftochter, die dort schon mit Boxhandschuhen saß, umgeben vom Trainer, einem Physiotherapeuten und einem Arzt. "Lasst mich zu ihr, ich will ihr doch nur zwei Worte sagen", soll El-Halabi mehrfach zu zwei Security-Mitarbeitern gesagt haben, die ihm den Weg versperrten. Er hatte sie schließlich beiseitegestoßen und, als sich ein weiterer Wachmann in den Weg stellte, eine Pistole gezogen. Im Laufe einer Rangelei schoss er zwei Sicherheitsleuten in die Beine; auch das ist Teil der Anklage. Anschließend stürmte er in die Kabine der Tochter.

Nebenklagevertreter Manfred Gnjidic sprach in seinem Plädoyer von einem "unfairen Kampf". Der Angeklagte habe sich vom Schreien und Jammern seiner Tochter nicht abhalten lassen und die Waffe sogar noch einmal "eiskalt durchgeladen", so Gnjidic. Seine Mandantin habe "nicht nur im Ring gekämpft, sondern auch um ihr Recht auf eine Beziehung und eine eigene Identität in einem von Männern geprägten Umfeld". Gnjidic forderte acht Jahre Haft und verwies auf die "besondere Grausamkeit".

Verteidiger Frank Theumer plädierte für eine mildere Strafe. "Der Angeklagte ist kein Diktator, der es nicht erträgt, wenn die Tochter einen Freund hat", betonte Theumer. Er sei überzeugt, dass es zu den Schüssen nicht gekommen wäre, wenn ihn die Wachmänner durchgelassen hätten. Urteil am 14. November.