Integration

Motivation statt Sanktion - Wowereits Thesen zu Migranten

Mut zur Integration - so heißt Klaus Wowereits neues, 165 Seiten starkes Buch. Der Regierende Bürgermeister sieht in der Integration vor allem eine soziale Frage. Nicht die Herkunft sei entscheidend für den weiteren Lebensweg, sondern Bildung und Teilhabe. Wowereit setzt auf Motivation statt auf Sanktion, auf Angebote, auf Aktivierung statt Alimentierung.

Für ihn ist Integration die "neue soziale Gestaltungsfrage im 21. Jahrhundert". In der Politik des rot-roten Senats der vergangenen zehn Jahre sieht er ein Vorbild für die Gestaltung der Integrationspolitik in Deutschland, die durch kostenlose Bildung für alle und auskömmlich bezahlte Arbeit ermöglicht werden soll. Auszüge aus seinem Buch:

Über die Bedeutung der Integration: "Ganz Deutschland muss offensiv auf diese Vielfalt setzen, weil darin eine enorme Kraft liegt und weil wir nur so den enormen Herausforderungen einer Einwanderungsgesellschaft begegnen können. Wir leben in einem Land, in dem Integration millionenfach gelungen ist."

Über die Debatte: " Anstatt immer nur Missstände herauszuarbeiten, ist es an der Zeit, all denjenigen Aufmerksamkeit zu schenken, die tagtäglich dafür sorgen, dass Integration funktioniert."

Über Probleme: " Der Aufstiegswille ist vielfach verloren gegangen - in Einwandererfamilien ebenso wie in deutschen Familien."

Über seinen Migrationshintergrund: " Meine Mutter ist in Ostpreußen aufgewachsen, wo meine Oma fast wie eine Leibeigene auf einem Gut gearbeitet hat. Sie kam als Wirtschaftsflüchtling nach Berlin, wo sie sich ein besseres Leben erhoffte."

Über sich selbst und seinen Aufstiegswillen: "Das Land wollte mich, und ich wollte nach oben."

Über Sarrazin und Lafontaine: " Wer ausschließlich polarisiert - und da geben sich Oskar Lafontaine und Thilo Sarrazin und andere gar nichts -, dem ist nicht am Miteinander gelegen, sondern an Krawall, am ,Spalten statt Versöhnen'. Notorische Polarisierer ohne Lösungswillen sind die wahren Integrationsbremser ... Ich halte seinen (Sarrazins, Anm. d. Red.) Blick auf die Gesellschaft in Teilen für menschenverachtend ... Er hetzt Schwache gegen Schwächste."

Über das Parteiausschlussverfahren gegen Sarrazin: "Es war nicht glücklich, wie wir als SPD mit dem notorischen Provokateur Sarrazin verfahren sind. So viele gute Gründe es für ein Parteiausschlussverfahren gab, so sehr hat unsere Partei ganz unfreiwillig Reklame für ein überflüssiges Buch und seinen Autor gemacht."

Über Merkel: " Wenn die Bundeskanzlerin erklärt, Multikulti sei gescheitert, dann diffamiert sie Menschen, die sich in diese Gesellschaft gerackert haben."

Über Migranten in der eigenen Partei und die Ablehnung einer Quote: "Der Blick in unsere Ortsvereine und auf die sogenannte mittlere Funktionärsebene zeigt: Nur selten finden wir dort Mitglieder mit Einwanderungsgeschichte ... Der Blick an die Spitze der Partei verrät: Mitglieder mit Migrationserfahrung bleiben Fehlanzeige ... Eine Quote wird da immer ein wenig kontraproduktiv, weil sie innerhalb der Partei umgehend Neider auf den Plan ruft und einen Sonderstatus schafft, der zu Recht auch Begehrlichkeiten von anderen Interessengruppen weckt."