Sanierung

Unsportliche Wurzeln

Links und rechts vom Fußballtor hebt sich der Kunstrasen. In langen Schlängellinien, die vom Zaun herkommen. Die Baumwurzeln erobern den Sportplatz an der Körtestraße in Kreuzberg, trotz der Wurzelsperren, die ringsum installiert sind. Sie heben auch die Steine, die um das Vereinsgebäude gelegt sind. Buckel und kleine Berge sind dadurch entstanden.

Die Wurzeln kennen kein Halten. Sie kriechen sogar in die Abflussrohre der Sanitäranlagen. Für den Verein SC Berliner Amateure 1920 e.V. ist der Zustand alarmierend. Rund 400 Kinder und Jugendliche spielen Fußball an der Körtestraße, etwa 40 ehrenamtliche Trainer bringen es ihnen bei. Wenn sich am Nachmittag die Tore öffnen, dann kommen Väter und Mütter mit ihren Kindern. Vom Rand aus schauen die Erwachsenen zu, wie die Kinder bolzen, den Torschuss üben und den Ball im Slalomlauf um Hütchen herumschieben. Zwei Mädchenmannschaften und ein Frauenteam gehören zum Verein.

Herbert Komnik ist Jugendleiter bei den Berliner Amateuren. Die wachsenden Wurzeln beunruhigen ihn. Er fürchtet, dass der Platz eines Tages nicht mehr bespielbar ist. "Schade, wenn hier alles den Bach runtergehen sollte", sagt Komnik.

Umfassende Sanierung erforderlich

Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg hatte zugesagt, im Sommer 2011 die Umkleideräume zu sanieren. Doch dann hieß es, die Sanierung müsse auf 2012 verschoben werden. Zum einen, weil sich die Arbeiten auf anderen Sportflächen verzögert haben und teurer geworden sind als angenommen. Zum anderen deshalb, weil an der Körtestraße eine grundlegende Sanierung erforderlich ist, um den Vormarsch der Pappelwurzeln zu stoppen. Das kostet mehr Geld und braucht Zeit zur Vorbereitung. Herbert Komnik hat Angst, dass es im kommenden Jahr zu spät sein könnte. Dass die Pappeln so weit vorgedrungen sind, dass die Sanierung nicht mehr rentabel ist. Und der Sportplatz verloren geht. Denn an den Rändern kann er schon nicht mehr genutzt werden. Das Kleinfeld liegt im Schatten der Pappeln. Der Kunstrasen wird kaum noch trocken. Die Wurzeln zeichnen sich wie ein Netzwerk unter der grünen Oberfläche ab.

Man könne dort nicht mehr spielen, sagt Trainer Michael van Bürck. Auch die Tartanbahn ist nicht mehr benutzbar, das Volleyballfeld längst außer Betrieb. Dort sind die Wurzeln schon an die Oberfläche gedrungen. "Dann treiben sie aus", sagt Herbert Komnik. Die Schösslinge sind fast einen Meter hoch. Auch die Wasserleitungen im Gebäude stellen kein ernsthaftes Hindernis dar. "Die Wurzeln bohren sich durch Gummidichtungen", sagt Komnik. Ein Rohrreiniger muss kommen und die dicken Faserstränge entfernen. Eine "Boa constrictor" sei nach den Ferien entfernt worden, sagt der Jugendleiter.

Im Bezirksamt kennt man die Situation und will helfen. Die Berliner Amateure sind anerkannt, haben einen guten Ruf. "Sie haben eines der besten Konzepte fürs Jugendtraining und eine hervorragende Integrationspolitik", sagt Friedrichshain-Kreuzbergs Sportstadtrat Jan Stöß (SPD). Doch wenn im Frühjahr die Bäume austreiben, richten die Pappeln weitere Zerstörung auf dem Platz an. "Irgendwann ist er nicht mehr bespielbar", sagt Detlev Oßenkopp, Leiter der Sportförderung. "Das wäre eine Katastrophe." Der Verein habe die größte Jugendabteilung im Bezirk. "Wir könnten Hunderte von Kindern nicht woanders unterbringen."

Das Konzept zur Sanierung des Platzes wird nun ausgearbeitet. Die Pappeln am Rand sollen gefällt, die Wurzeln beseitigt werden. Der gesamte Boden unter dem Sportplatz muss ausgehoben werden. Dazu kommt die Sanierung der Sanitäranlagen. Auch dort müssen Leitungen ausgetauscht werden, Wurzeln sind aus den Rohren zu entfernen. Dann sollen neue Wurzelsperren installiert und neuer Kunstrasen ausgelegt werden. Neue Bäume werden gepflanzt, an Pyramideneichen wird gedacht. Die ganz grobe Kalkulation ergebe 800 000 Euro, sagt Oßenkopp. Eine genaue Berechnung werde vom Grünflächenamt erstellt. Von dort müsste auch die Erlaubnis kommen, die Pappeln zu fällen.

Schnelle Lösung ist nicht in Sicht

Doch vorerst soll nur ein Baum fallen, weil er morsch ist. Erst müsse das Konzept stehen und die Finanzierung gesichert sein, sagt Baustadtrat Hans Panhoff (Grüne). Die Genehmigung für das Fällen der Pappeln gebe es erst, "wenn klar ist, dass es wirklich losgeht auf dem Sportplatz". Aber zur Finanzierung reicht die jährliche Zuweisung für die Sanierung für Sportstätten nicht aus, die der Bezirk erhält.

Stadtrat Stöß will Mittel für das Vorhaben beim Senat beantragen. "Wir sind der Bezirk, der am schlechtesten mit Sportstätten ausgestattet ist", sagt er. "Weil keine neuen gebaut werden, müssen zumindest die alten erhalten werden." Pappeln seien auch an anderen Berliner Sportplätzen ein Problem, sagt Stadtrat Stöß. "Sie wurden nach dem Krieg gepflanzt, weil sie schnell wachsen und Lärm- und Sichtschutz bieten."