Berlin-Marathon

Eine Reise durch die Nacht: Auf der Spur der blauen Linie

Um genau 20.30 Uhr geht es am Montagabend los: Der unscheinbare weiße Van rollt an, die kleine "Anhänger-Maschine" gibt ein Gurgeln von sich, dann entlässt sie schnaubend die ersten blauen Sprühstöße auf den Boden. Eskortiert wird das Gefährt von zwei Polizeiwagen.

Gute sechs Stunden und 10 000 Sprühstöße später soll es am Brandenburger Tor ankommen. 2800 Liter blaue Farbe hat Wolfgang Weising während 20 Jahren Marathonvorbereitungen auf 843,9 Kilometer Hauptstadtasphalt gesprüht. Damals hat das noch das "Eisenschwein" für ihn erledigt, ein Stahlkoloss mit drei Düsen. Das hat nun seit einigen Jahren ausgedient, wurde von der Anhängervariante verdrängt. Die Straßenmarkierung geschieht nachts, um den Verkehr nicht zu behindern: Die blaue Linie hält sich nicht an Fahrbahnen.

Schon seit 1992 koordiniert Weising die Streckenmarkierung für den Berlin-Marathon. Zwei Mal im Jahr kommt ihm diese Aufgabe zu, einmal zum Marathon und einmal zum Halbmarathon. Wolfgang Weising ist der Herr der blauen Linie, die genau 42,195 Kilometer lang ist und für die Sportler am Sonntag eine Hilfe sein soll, den kürzesten Weg vom Start ins Ziel zu finden. Denn jede Abweichung von dieser Ideallinie bedeutet einen Verlust wertvoller Zeit. Wenn Weising nicht gerade Berliner Straßen markiert, arbeitet der 58-Jährige als Chefredakteur der Sportzeitschrift "Laufzeit". Er selber will am Sonntag auch mitlaufen - schon zum 18. Mal. "Und natürlich genau auf der blauen Linie", sagt Wolfgang Weising.