"Gönn' dir ne Auszeit"

Kabarettistin Sissi Perlinger hat durch die Krise zu sich gefunden

Sissi Perlinger (47) trägt von Kopf bis Fuß Leopardenmuster - sogar die Haarspange ist im Leoprint. "Ich trage das schon seit Jahren, Leopardenmuster gefällt mir einfach irrsinnig gut", sagt die Kabarettistin und Schauspielerin, die ab dem heutigen Dienstag bis zum 25. September mit ihrem aktuellen Bühnenprogramm "Gönn' dir ne Auszeit" im Tipi am Kanzleramt zu Gast ist.

Auf der Bühne thematisiert die Entertainerin auf humorvolle und witzige Weise ein Thema, das inzwischen sehr viele Menschen betrifft: Das Burnout-Syndrom. "Ich hatte vor zwölf Jahren einen schweren Tinnitus infolge chronischer Überlastung. Damals war ich auf Tournee, habe gleichzeitig wahnsinnig viel gedreht, Bücher geschrieben, CDs aufgenommen. Ich habe auf 17 Baustellen gleichzeitig gearbeitet und war furchtbar angespannt. Irgendwann konnte ich einfach nicht mehr und mein Körper auch nicht", berichtet Perlinger.

Wie so oft bei einem Burnout kamen auch bei ihr mehrere Faktoren zusammen. "Ich hatte neben dem beruflichen Stress auch noch privaten Kummer, weil mein damaliger Freund mich verlassen hatte. Es war einfach alles zu viel." Doch Sissi Perlinger begreift schnell, dass vor allem sie selbst daran arbeiten muss, wieder auf die Beine zu kommen. "Natürlich habe ich professionelle Hilfe bei Ärzten und Therapeuten gesucht. Der Begriff Burnout war damals allerdings noch nicht so bekannt wie heute. Ich war meiner Zeit also weit voraus", sagt sie und lacht, fügt aber gleich darauf hinzu: "Es war eine schlimme Zeit, ich konnte wegen des Tinnitus fast ein Jahr lang nicht schlafen. Es hat lange gedauert, bis ich eine passende Heilmethode gefunden habe."

Geholfen hat ihr schließlich Autogenes Training, das sie bis heute regelmäßig praktiziert, ebenso wie Yoga und Meditation.

"Ich habe durch diese Krise gelernt, sehr intensiv in mich hineinzuhören und mich genau zu fragen: `Was will ich? Was brauche ich? Was tut mir gut?", erklärt die Kabarettistin. Seitdem gönnt sie sich mehrmals im Jahr längere Auszeiten, die sie auf Ibiza oder in Indien verbringt. "In Indien ticken die Uhren langsamer als in unserer westlichen Welt. Auch Glück wird dort anders definiert. Geld, Karriere, materielle Güter sind nicht so wichtig. Es kommt auf die spirituelle Erleuchtung an, auf den Einklang von Körper, Seele und Geist."

Ihre Auszeiten nutzt Perlinger kreativ, sie schreibt, liest, arbeitet an ihrem Bühnenprogramm. "Ich habe ständig neue Ideen, die ich dann festhalte und in den Computer eintippe. Und ich bewege mich, tanze viel, übe Gitarre oder spiele Trommel am Strand." Auch wenn sie auf Tournee geht, achtet sie auf regelmäßige Ruhepausen. "Dafür muss man ja nicht zwangsläufig in einem indischen Ashram sein. Jeder kann sich zuhause seine persönlichen kleinen Auszeiten nehmen."

Rückblickend ist sie dankbar für die Erfahrungen, die sie durch ihr Burnout gemacht hat. Selbst den Tinnitus beschreibt sie mittlerweile als Geschenk. "Durch Krisen, das ist längst bewiesen, findet man zu sich zurück", sagt Sissi Perlinger. Heute ist sie topfit und strotzt vor Energie. Den Zuschauern möchte sie etwas von der positiven Kraft abgeben. "Indem ich meine persönliche Geschichte erzähle, biete ich den Leuten die Möglichkeit der Identifikation. Aber ich möchte nicht belehrend oder gar besserwisserisch sein. Ich will unterhalten und die Menschen zum Lachen bringen." Ihr Publikum ist bunt gemischt, quer durch alle Altersschichten, Frauen wie Männer. "Das Thema Burnout spricht alle an, ich bekomme sehr viel positives Feedback."