Polizei

Berliner dürfen dem Papst nicht aus dem Fenster zuwinken

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Wenn der Papst nächsten Donnerstag zur Messe ins Olympiastadion fährt, dürfen die Berliner nicht aus den Fenstern winken - aus Angst vor Attentaten. Die Polizei kündigte an, mit "einem Großaufgebot" beim Besuch von Benedikt XVI. unterwegs zu sein.

Die Fenster von Wohnungen entlang der gesperrten Strecke müssen geschlossen bleiben. "Aus Sicherheitsgründen", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei am Donnerstag. "Sollten Fenster offenstehen, werden wir hingehen und bitten, sie zu schließen." Das Wink-Verbot gilt von 17 bis 21 Uhr.

Viele Berliner müssen bereits von Mittwoch an rund um das Stadion mit Verkehrseinschränkungen rechnen. Halteverbote werden eingerichtet, Straßen und Plätze abgeriegelt. Die Polizei kündigte an, falsch geparkte Fahrzeuge abzuschleppen. Anwohner gesperrter Straßen sollten ein Personaldokument dabei haben, um passieren zu können. Rund 2100 Infoblätter wurden laut Polizei an Anwohner verteilt, 100 davon in türkischer Sprache.

Der Papst trifft am 22. September Bundespräsident Christian Wulff sowie Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Die protestantische Kanzlerin und das Kirchenoberhaupt werden ein Vier-Augen-Gespräch im Katholischen Büro Berlin führen. Ehemann Joachim Sauer will hinzukommen. Anschließend hält Benedikt XVI. eine Rede vor dem Bundestag. Danach wird der Papst eine Messe mit rund 70 000 Menschen im Olympiastadion feiern.

Mit Spannung erwartet die Jüdische Gemeinde den Papstbesuch in Berlin. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, misst dem bevorstehenden Treffen große Bedeutung bei. Graumann wertete es als gutes Zeichen, dass sich das Oberhaupt der katholischen Kirche gleich am ersten Tag seines Besuchs in Berlin Zeit für die Begegnung mit führenden Repräsentanten der Jüdischen Gemeinde nehme. "Es gab und gibt Differenzen", sagte Graumann. Eine Freundschaft müsse auch aushalten, wenn man sagt, was wehtut.

Graumann kritisierte das Wirken der Pius-Bruderschaft, die offen judenfeindlich auftrete und die mögliche Seligsprechung von Papst Pius XII. Dessen Rolle vor allem im Dritten Reich sehe die Jüdische Gemeinschaft weiter kritisch. "Das war der Papst, der zu laut und kalt geschwiegen hat", sagte Graumann. "Es verbindet uns aber viel mehr als uns trennt." Schließlich hätten Christen und Juden gemeinsame Wurzeln.

Unterdessen hat das Verwaltungsgericht entschieden, dass Papstkritiker nicht durch das Brandenburger Tor ziehen dürfen. Die Sicherheit hochrangiger und gefährdeter Staatsgäste habe Vorrang gegenüber der grundrechtlich geschützten Versammlungsfreiheit. Der Platz des 18. März müsse für mögliche Evakuierungen und als Notfall- und Rettungsweg freigehalten werden, so die Richter. Die Veranstalter vom Lesben- und Schwulenverband akzeptierten den Kompromissvorschlag der Versammlungsbehörde.

Die Anti-Papst-Demo soll nun vom Potsdamer Platz am Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen am Ebertplatz über die Hannah-Arendt-Straße, die Französische Straße und Unter den Linden entlangführen. Auf dem Bebelplatz ist eine Abschlusskundgebung mit mehreren Tausend Teilnehmern geplant. Am 23. September reist der Papst nach Erfurt weiter.

( dpa, dapd )