Mutmaßlicher Autobrandstifter

Aufgespürt, festgenommen, freigelassen

Es sah zunächst danach aus, als ob der Polizei ein weiterer Erfolg im Kampf gegen die Serie von Fahrzeugbrandstiftungen gelungen wäre. In den frühen Morgenstunden nahmen Polizeibeamte einen 28-jährigen Mann in Kreuzberg fest, nachdem ein Auto und zwei Motorräder in Flammen aufgegangen waren. Im Laufe des Tages wurde der Mann vernommen.

Am späten Nachmittag kam dann allerdings die ernüchternde Nachricht: Weil die Beweislast nicht ausgereicht habe, musste der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt werden, erfuhr die Berliner Morgenpost aus Ermittlerkreisen. Dabei schien es so, als ob die Polizei nach der Festnahme eines Pärchens am 30. August in Prenzlauer Berg wieder einen Erfolg vermelden könnte.

Kurz nach vier Uhr gingen an der Böckhstraße die beiden Motorräder und ein VW Golf in Flammen auf. Zu diesem Zeitpunkt war in Kreuzberg ein größeres Aufgebot der 14. Einsatzhundertschaft der Bereitschaftspolizei als Brandstreife unterwegs. Eine knappe halbe Stunde später nahmen die Beamten in unmittelbarer Nähe den Verdächtigen an der Schönleinstraße fest. Offenbar ist es dieser starken Polizeipräsenz zu verdanken, dass der Mann kurze Zeit nach Ausbruch der Brände noch in Tatortnähe festgenommen werden konnte. Zur Identität des Mannes wollte die Polizei keine Angaben machen.

Verminderte Schuldfähigkeit

Nach Informationen der Berliner Morgenpost handelt es sich bei dem Festgenommenen um Thomas K. Er ist bei der Polizei bekannt und wurde bereits im vergangenen März wegen Brandstiftung in zwei Fällen vom Berliner Landgericht zu 22 Monaten Gefängnis mit Bewährung verurteilt. Bei dem damaligen Prozess gestand K., zwei Brandanschläge im Juli und September des vergangenen Jahres begangen zu haben. Als K. im September 2010 auf frischer Tat ertappt worden war, war er betrunken. Das Gericht legte dies als verminderte Schuldfähigkeit aus und hielt ihm zugute, dass durch sein Geständnis allen Beteiligten ein langwieriger Prozess erspart blieb. Eine politische Motivation konnte das Gericht nicht erkennen. K. soll ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt worden sein.

Innerhalb der Berliner Polizei breitet sich unterdessen Unzufriedenheit aus. "Es ist einfach frustrierend, jede Nacht unterwegs zu sein, einen Verdächtigen zu erwischen und ihn letztlich laufen lassen zu müssen", so ein Ermittler. Bei Thomas K. seien die Indizien vielversprechend gewesen. Wie aus Polizeikreisen verlautete, soll der vorbestrafte K. in Tatortnähe wohnen und sich in dieser Nacht verdächtig verhalten haben. Die eigentliche Tat hätten die Ermittler allerdings nicht beobachten können. Offenbar war dies auch der Grund, warum K. wieder auf freien Fuß gesetzt wurde. Angesichts mehrerer Tausend Straßenkilometer und 1,2 Millionen Pkw in der Stadt gleicht die Jagd der Polizei nach den Brandstiftern der Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Innerhalb der Polizei wird zudem der Einsatz allmählich infrage gestellt. Der finanzielle sowie personelle Aufwand stünden in keinem Verhältnis zu den Erfolgen, sagte ein Beamter dieser Zeitung. Seit zwei Wochen unterstützt die Bundespolizei mit Streifen die Berliner Polizisten bei der Suche nach Tätern. Der Einsatz kostet das Land jede Woche 250 000 Euro. Insgesamt sind Nacht für Nacht bis zu 650 Polizisten im Einsatz. Die Erfolge, wie jener vom 30. August, sind rar. Das in Prenzlauer Berg festgenommen Pärchen gestand in der Vernehmung, einen BMW angezündet zu haben. Die beiden sitzen noch in Untersuchungshaft. Ein Anwohner hatte die Brandstifter beobachtet und sofort die Polizei verständigt.

Nachdem es in den vergangenen Nächten in Berlin relativ wenige Anschläge auf Autos gegeben hatte, brannten in der vergangenen Nacht wieder mehrere Fahrzeuge. Diesmal schlugen die Brandstifter in Kreuzberg sowie in Spandau, Marzahn und Rudow zu. Gegen 22.40 Uhr zündeten Unbekannte in der Spandauer Rauchstraße einen BMW an. Die Flammen griffen auf einen daneben stehenden Mercedes und einen Opel über.

Verdächtiger flüchtet auf Rad

Gegen 3.40 Uhr entdeckte ein Anwohner an der Raoul-Wallenberg-Straße in Marzahn einen brennenden Motorroller und alarmierte sofort die Polizei und Feuerwehr. Der Zeuge bemerkte zudem eine verdächtige Person, die auf einem Fahrrad geflüchtet sein soll. Eine intensive Suche der alarmierten Beamten nach dem Verdächtigen blieb jedoch ohne Erfolg. An der Neuköllner Straße entdeckte ein Autofahrer gegen 5.20 Uhr im Vorbeifahren am Straßenrand einen Lkw, aus dem Flammen schlugen. Auch ein dahinter parkender Pkw Mitsubishi war offenbar angezündet worden. Der geistesgegenwärtige Mann hielt an, stieg aus, griff nach einigen Ästen und schlug damit das Feuer an beiden Fahrzeugen aus. Einen weiteren Fahrzeugbrand in Rudow löschte eine halbe Stunde später ein Polizeibeamter. Der hatte auf dem Weg zum Dienst an der Sattlerstraße einen brennenden Ford bemerkt. Der Beamte konnte die Flammen ersticken, bevor sie sich ausbreiteten. Insgesamt wurden in diesem Jahr bereits mehr als 530 Fahrzeuge durch Brandstiftung zerstört oder beschädigt.

"Es ist einfach frustrierend"

Ein Polizeibeamter