Serie "Berlin wählt", Teil 13

3 Fragen an Özcan Mutlu (Grüne)

Bildungspolitischer Sprecher

1. Was hätten die Grünen bei der Sekundarschulreform anders gemacht als die Berliner Landesregierung?

Anders als die rot-rote Koalition haben wir als Grüne die Diskussion um die Schulstrukturreform in Berlin überhaupt losgetreten und mit dafür gesorgt, dass die perspektivlosen Hauptschulen abgeschafft wurden. Wir haben im Gegensatz zu Rot-Rot eine Gleichwertigkeit beider Schulformen angestrebt und eine Alternative zum jetzigen Übergangsmodell vorgeschlagen, weil das jetzige Modell fast ausschließlich auf Noten zurückgreift und so einen Numerus Clausus für Gymnasien wie auch für die Sekundarschulen zur Folge hat. Unser Modell sah verbindliche Zielvereinbarungen zwischen Grundschulen und Eltern vor sowie eine Stärkung der Profilbildung an Grundschulen, um nicht allein auf Noten als Übergangskriterium angewiesen zu sein.

2. Wie würden Sie das Problem Unterrichtsausfall an den Berliner Schulen lösen?

Durch die Bereitstellung einer echten 100-prozentigen Lehrerausstattung in der Einzelschule, durch rechtzeitige und flexible Einstellungstermine und bessere Arbeitsbedingungen sowie durch zeitgemäße Arbeitszeiten für die Lehrkräfte. Gezielte Maßnahmen zur Gesunderhaltung der Lehrkräfte sind ebenso unabdingbar. Lehrer, die neu in den Schuldienst eintreten, wollen wir attraktive Angebote machen. Zum Beispiel durch eine reduzierte Unterrichtsverpflichtung in den ersten beiden Berufsjahren sowie durch Coaching und Unterstützung. Über eine Entlastung älterer Lehrkräfte muss ebenfalls nachgedacht werden. Wir wollen den Schulen zusätzlich einen Teil ihrer Personalmittel als Geld statt als Stellen zur Verfügung stellen, damit diese auch Honorarstellen vergeben und Projekte finanzieren können.

3. Was ist die größte Baustelle, die Bildungssenator Jürgen Zöllner hinterlässt?

Die Umsetzung der UN-Konvention, also die Einführung der inklusiven Schule, in der alle Schüler eine bestmögliche Bildung bekommen, wird eine der großen Baustellen der kommenden Legislaturperiode sein. Zöllner hat auch das Thema Lehrermangel als eine sehr große Baustelle hinterlassen. Dasselbe gilt für den Sanierungsbedarf der Schulen, der mancherorts Unterricht unmöglich macht. Außerdem ist nirgends in der Republik der Bildungserfolg dermaßen vom Geldbeutel der Eltern abhängig wie in Berlin. Hier hat Rot-Rot sträflich versagt. Deshalb steht für uns fest, in der Bildung wird nicht gespart. Wir wollen eine Bildungs- und Qualitätsoffensive für die Kitas und Schulen starten und ein Aktionsprogramm für belastete Schulen durchführen. Die Sanierungsmittel müssen deutlich erhöht werden.