Gartenlust

Ein Sonnenhut, der bei Regen aufblüht

Das wohl Schönste, was diese Jahreszeit für das Beet zu bieten hat, ist der Sonnenhut (Echinacea). Er ist mir besonders in diesem Jahr sehr vor Augen, da er mit den monsunartigen Regengüssen und der "Perma-Nässe" nicht nur super umgeht, sondern dieses Wetter regelrecht zu genießen scheint.

Jedenfalls habe ich bisher selten solch riesige, tolle Staudenbüsche mit so großen Korbblüten wie in diesem Jahr gesehen. Und was ich noch wesentlich aufregender finde, ist, dass es diese auch der Heilkraft zugeschriebene Pflanze jetzt in unglaublich vielen Farbnuancen gibt, die sich tatsächlich auch richtig gut halten. Dabei ist aber zu beachten, dass der Sonnenhut keine dieser Stauden ist, die jahrzehntelang fröhlich vor sich hin blühen, wenn man sie nur alle fünf bis sieben Jahre einmal teilt. Nein, der Sonnenhut, vielleicht nun besser auch der Regenhut genannt, ist nicht unbedingt sehr langlebig. Manchmal und an einem perfekten Platz kann er gut vier bis fünf Jahre stehen und an einem anderen schon nach zwei Jahren bereits aufgeben. Das ist dann nicht Ihr Fehler, das liegt in seiner Natur. Und wenn Sie sich nun dafür entscheiden, aufgrund seiner Zickigkeit ganz auf ihn zu verzichten, dann tun Sie dies bitte in dem Wissen, dass Sie sich einer der wichtigsten Freuden des Spätsommers berauben. Und ich möchte stark dafür plädieren, dass man doch an anderen, noch unwichtigeren Dingen sparen sollte.

Also, zurück zum Regenhut; der wohl bekannteste ist Echinacea purpurea, sozusagen die Mutter der Sonnenhüte. Obwohl sich dieser zur Asternfamilie gehörige Üppigblüher pudelwohl in unseren nassen Gefilden fühlt, kommt er aus Nordamerika. Wobei wir auch schon bei seinen medizinischen Fähigkeiten angekommen sind, denn wie viele von Ihnen bestimmt wissen, hilft der aus den Pflanzen und dessen Wurzeln gewonnene Saft vor allem bei Husten, Halsschmerzen und Mandelentzündungen (aber bitte fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker). Angeblich nutzten bereits die Medizinmänner der Indianer den Sonnenhut als Heilpflanze bei diesen Krankheiten. Ist doch schon merkwürdig, dass ausgerechnet die Pflanze, die sich bei Regenwetter am wohlsten fühlt, für die Krankheiten zuständig ist, die wir uns bei diesem Schmuddelwetter holen.

Heute findet man den Sonnenhut auch in der Behandlung von Atem- und Harnweginfekten wieder sowie bei schlecht heilenden Wunden durch äußerliche Anwendung. Wie bei allen natürlichen und homöopathischen Heilkräften ist die Medizin hier skeptisch, und somit überlasse ich es Ihnen, ob Sie sich in den nächsten Wochen schon einmal in der Tinktur baden oder nicht, um das Immunsystem auf einen nassen Herbst vorzubereiten.

Zurück ins Beet, es gibt nämlich unglaublich bezaubernde, neue Sorten dieses Regenanbeters, und die möchte ich Ihnen hier doch noch ans Herz legen, denn übernächstes Wochenende ist Staudenmarkt und da werden diese tollen Beetgenossen bestimmt auch anwesend sein. Ausprobiert und für toll befunden haben wir die schöne weiße für Puristen, die dann auch gleich Echinacea 'Purity' heißt; für die Sonnenanbeter die glasklar-gelbe E. 'Sunrise' sowie die zurückhaltendere grüngelbe E. 'Green Jewel'. Damit wären schon einmal die sanfteren Farben abgedeckt, bleiben noch die frecheren. Hier gefallen uns besonders die tief karminrote Sorte E. 'Tomato Soup' und die leuchtend orangefarbene E. 'Tangerine Dream'. Natürlich gibt es auch Sorten, die eher an ihre Mutterpflanzen erinnern, wie die fast pinkfarbene E. 'Kims Knee-High' die, wie der Name schon sagt, nur kniehoch wird, denn fast alle anderen Sorten und Spezies können - bei gutem Regen - gern einen Meter hoch und höher werden.

Gabriella Pape ist Leiterin der Königlichen Gartenakademie in Berlin und schreibt regelmäßig am Sonnabend an dieser Stelle.