Gastronomie

Ekelliste im Netz: Erste Noten für Restaurants

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Sabine Flatau

Es ist so weit. Die ersten Hygiene-Bewertungen von Berliner Restaurants sind auf der Internetseite berlin.de/sicher-essen nachzulesen. 14 Einrichtungen sind seit Montagmittag gelistet, davon zwei aus Tempelhof-Schöneberg und zwölf aus Lichtenberg. Darunter sind auch Bars, Cafés und eine McDonald's-Filiale.

Spitzenreiter in Sachen Lebensmittelhygiene ist der Hähnchengrill "City Chicken" am Tempelhofer Damm mit einem "sehr gut" und null Minuspunkten. Nur ein "zufriedenstellend" erhielt zum Beispiel die Gaststätte "Zum alten Rathaus" an der Türrschmidtstraße in Lichtenberg. 36 Minuspunkte haben die Kontrolleure vergeben. Die 14 gelisteten Restaurants sind in einer Karte eingezeichnet.

"Der Anfang ist gemacht", sagte Marie-Luise Dittmar, Sprecherin der Senatsverwaltung für Verbraucherschutz. Die Datenbank werde Schritt für Schritt wachsen. "Wir hoffen, dass die anderen Bezirke schnell nachziehen." Die Liste mit den Bewertungen soll wöchentlich aktualisiert werden. "Die Bezirke schicken uns die Daten am Freitag. Übers Wochenende werden sie in das System eingearbeitet", so Dittmar. Am Montag werde der aktuelle Stand in der Senatsverwaltung bearbeitet und den Bezirksämtern zur Prüfung zugeschickt. Danach werden die Daten für den Verbraucher freigeschaltet.

Die meisten der Bewertungen auf berlin.de/sicher-essen lauten "gut". Nur vier Restaurants haben ein "zufriedenstellend" bekommen. Das bedeutet, die Kontrolleure haben 20 bis 40 Minuspunkte von 80 möglichen vergeben. Welche Mängel sie im Einzelnen gefunden haben, ist nicht erkennbar. Allerdings sind allgemeine Kriterien nachzulesen. Bewertet wird, wie Lebensmittel gekühlt und gelagert werden, ob der Lieferweg nachzuvollziehen ist, ob Mitarbeiter geschult werden und wie der bauliche Zustand ist.

Der Vorgang bis zur Internetpräsenz auf Sicher-essen ist langwierig. Die Gastwirte werden nach der Kontrolle in einem Schreiben gefragt, ob sie mit der Veröffentlichung im Internet einverstanden sind. Sie haben vier Wochen Zeit, um sich zu äußern - die sogenannte Anhörungsfrist. Wenn sie nicht zustimmen, dann muss das Bezirksamt abwägen, ob es die Bewertung an die berlinweite Datenbank gibt. "Das kann zu rechtlichen Auseinandersetzungen führen", sagt Stadtrat Marc Schulte (SPD) aus Charlottenburg-Wilmersdorf. Es sei jedoch wichtig, die Verbraucher auch über die Restaurants mit unzulänglicher Lebensmittelhygiene zu informieren.

Wirte reagieren nicht auf Schreiben

Doch zunächst hat Schulte ein anderes Problem. 41 Restaurants sind seit Juli in Charlottenburg-Wilmersdorf kontrolliert worden. Alle hätten nach der Kontrolle das sogenannte Anhörungsschreiben bekommen, sagt der Stadtrat. "Nur zwei haben geantwortet." Die Ursache dafür sieht der Stadtrat in "einer unglücklichen Formulierung" im Schreiben. "Sie ist juristisch korrekt, aber sehr bürokratisch gefasst." Deshalb seien die Bewertungen noch nicht an die Berliner Datenbank weitergegeben worden. Von den 41 Restaurants sind Schulte zufolge sieben mit "sehr gut", 19 mit "gut" und acht mit "zufriedenstellend" eingeschätzt worden. Fünf erhielten ein "ausreichend", die Hygienekontrolle einer Gaststätte ergab "nicht ausreichend". Namen der Gaststätten nannte Schulte nicht.