Meine Woche

Hauptsache auf Englisch

Es ist nur eine kleine Meldung in den Zeitungen gewesen: Das Messegelände am Berliner Funkturm erhält einen neuen Namen. Nicht mehr Messe Berlin sollen wir die Messe Berlin nennen, sondern "Berlin ExpoCenter City". Und in Selchow, im Landkreis Dahme-Spreewald, entsteht das Messegelände "Berlin ExpoCenter Airport", wie Messechef Raimund Hosch in dieser Woche mitteilte. Dort wird im kommenden Jahr dann die Luftfahrtschau ILA stattfinden. Was soll der Unfug?

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich mag die englische Sprache, ich reise, wenn möglich, einmal im Jahr in die USA, ich habe Freunde, die nur Englisch sprechen. In den Vereinigten Staaten oder Australien verständige ich mich selbstverständlich auf Englisch. Dort, nicht in Deutschland.

Ich verstehe natürlich auch, dass Unternehmen, die vor allem international tätig sind, sich Namen überlegen, die in anderen Ländern verständlich sind. Aber warum muss man es denn so kompliziert machen? Die Berlin-Werber, die viele Jahre unter dem Namen "Berlin Tourismus Marketing", kurz BTM, bekannt und deren Titel sicherlich auch für Amerikaner, Briten und viele Menschen aus anderen Ländern gut verständlich war, änderte kürzlich ihren Namen. Sie heißen nun "Visit Berlin". Das ist kürzer, richtig, aber spricht man "Berlin" nun englisch oder deutsch aus? Englisch, so möchte es die Organisation. National und international.

Es mag altmodisch sein, aber warum steht in diesen Tagen eigentlich in jedem Schaufenster "Sale"? In New York oder Miami würde ich nicht darüber nachdenken, hier in Berlin fällt es mir dann doch auf. Wenn Sie jetzt sagen, das sei doch kürzer als "Ausverkauf" oder "Schlussverkauf", dann haben Sie natürlich recht, zumal es den "Sommerschlussverkauf" - übrigens SSV abgekürzt - ja so nicht mehr gibt. Aber ich mag die deutsche Sprache, ich brauche keine "Meeting Points" im Hauptbahnhof.

Vor ein paar Jahren hat der damalige Innensenator Eckart Werthebach (CDU) in Berlin eine kontroverse Debatte ausgelöst, weil er ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache forderte. Heftig ist Werthebach damals dafür kritisiert worden. Seine Kritiker warfen ihm vor, er wolle nun von "elektronischer Post" statt von "E-Mail" sprechen. Dieser Vorwurf war schon damals falsch, denn natürlich ist es Unsinn, auf "E-Mails" oder auf den Ausdruck "Handy" zu verzichten und künftig zu fragen: "Hast du mein mobiles Telefon gesehen?" Aber muss man wirklich aus jeder Sauna ein "Wellness-Center" machen, muss jede Veranstaltung zum "Event" werden, tragen wir nur noch "outdoor jackets" und sind alle Kinder nur noch "Kids"?

In einer bundesweiten, repräsentativen Untersuchung wurde vor zwei Jahren ermittelt, dass die Mehrheit der Deutschen die Veränderung ihrer Sprache mit gemischten Gefühlen betrachten, 30 Prozent sogar mit Sorge sehen. Ich meine, das sollten wir ernst nehmen. Ein bisschen mehr Pflege der deutschen Sprache, ein bisschen mehr bewusster Umgang mit unserer Kultur, das wäre doch schön.

"Berlin ExpoCenter City" - ich jedenfalls bleibe bei Berliner Messe.

Christine Richter leitet gemeinsam mit René Gribnitz die Lokalredaktion. Nächsten Sonntag schreibt René Gribnitz über seine Woche in Berlin.