Kommentar

Das fördert nur die Bürokratie

Finanzsenator Ulrich Nußbaum macht Ernst. Stechuhren werden zwar nicht aufgehängt in den Berliner Kindertagesstätten.

Aber de facto bedeutet das vom Senat nun angekündigte Dokumentations- und Kontrollsystem eben dieses: Eltern, Erzieher und Kita-Träger sollen aufschreiben, wann der kleine Michi mittwochs abgeholt wurde und ob seine Freundin Ayse im vergangenen Monat die von der Mutter beantragten neun Stunden unter der Aufsicht der Kindergärtnerinnen verbracht hat. Dahinter steckt der Argwohn: Freie Träger tricksen, geben mehr Stunden an, um mehr Personal finanziert zu bekommen. Aus Sicht des Finanziers ist die Initiative nachvollziehbar, schließlich steigen die Kosten für die Kitas kräftig. Aber die Kontrollen werden nur die Bürokratie nähren und wenig bewirken. Wer Kitas gratis anbietet wie der darauf überaus stolze rot-rote Senat, schafft zwangsläufig eine Interessengemeinschaft zwischen Trägern und Eltern. Wer würde schon sagen, dass sein Kind in der Realität kürzer betreut wird als angegeben, wenn die Folge dieser Ehrlichkeit der Wegfall einer Erzieherstelle sein kann? Politisches Ziel von Rot-Rot ist es, möglichst viele Kinder möglichst lange in gut ausgestatteten Kitas zu lassen, damit sie gefördert werden und Deutsch lernen. Wer das möchte, muss das Maximalangebot bezahlen. Wer Kontrolle will, sollte die Kita-Gebühren wieder einführen. Dann würden Eltern darauf achten, nicht für mehr Stunden zu bezahlen als sie wirklich nutzen.