Prozess

Pokerraub: Möglicher Drahtzieher bricht sein Schweigen

Ein Jahr nach Beginn des zweiten Prozesses um den Überfall auf ein Berliner Pokerturnier hat einer der mutmaßlichen Drahtzieher überraschend sein Schweigen gebrochen. Der 32-Jährige soll das Signal zum Losschlagen für die eigentlichen Räuber gegeben haben.

Er bestritt diesen Vorwurf am Dienstag vor dem Landgericht. Stattdessen habe er versucht, den Überfall im Hotel "Grand Hyatt" zu verhindern, sagte er im Prozess. Mit den vier Räubern habe er nichts zu tun gehabt. Offen ist, ob auch der Mitangeklagte aussagen wird. Der 30-Jährige soll die vier Räuber angeheuert und zum Tatort gefahren haben. Im März vergangenen Jahres hatten die vier bewaffneten und maskierten Männer Europas größtes Pokerturnier im "Grand Hyatt" gestürmt. Das Quartett hatte 242 000 Euro erbeutet. Den Verbleib der Beute konnte der mutmaßliche Hintermann nach eigenen Angaben nicht klären. Er jedenfalls habe nichts bekommen.

Der 32-Jährige hatte selbst am Turnier teilgenommen und verloren. Er schäumte vor Wut, die Chance auf den Gewinn einer Million Euro verpasst zu haben. Er erzählte einem Freund davon, der lachend sagte, "dann hol dir das Geld doch anders". Ihm sei ein Bild durch den Kopf gegangen, wie das Geld offen herumlag wie Gemüse auf der Straße. Die Idee zu einem Überfall sei aber verworfen worden.

Der Mitangeklagte zeigte allerdings Interesse, behauptete der 32-Jährige. "Bist du bescheuert", habe er zu seinem Kumpel am Telefon gesagt, um diesen zu stoppen. Am Tag des Überfalls ging der Angeklagte aus Interesse noch einmal ins "Hyatt". Dann sei er wieder angerufen worden. "Hier ist die Hölle los, es gibt nichts zu holen, geh nach Hause", habe er den Mitangeklagten beschworen. Der habe nur geantwortet, die vier anderen Männer seien nicht mehr aufzuhalten. Der aktuelle Prozess wird am 17. August fortgesetzt.