Morgenpost-Aktion

Zu Besuch in Europas größtem Luftfracht-Center

Rund 20 Minuten Zeit bleibt den drei Lufthansa-Cargo-Piloten noch, bevor sie mit ihrer Frachtmaschine, einer MD-11, am Freitag in Richtung Rollfeld des Flughafens Frankfurt/Main geschoben werden. Da bekommen sie unerwarteten Besuch im Cockpit.

Acht Abonnenten der Berliner Morgenpost können ihnen bei den Vorbereitungen für ihren Flug nach Bangalore in Indien über die Schulter schauen. Während der Frachtraum der Maschine nach und nach mit den unterschiedlichsten Gütern beladen wird, erklären die Piloten ihre Route, stehen Rede und Antwort.

"Wann hat man schon einmal Gelegenheit, sich kurz vor dem Start mit dem Piloten zu unterhalten und so interessante Einzelheiten zu erfahren", sagt Alf Berthold aus Lankwitz. "Die starten mit knapp 80 Tonnen Fracht und 86 Tonnen Kerosin in den Tanks." Kurz nach der Besichtung der Frachtmaschine werden alle Frachtklappen an der Maschine geschlossen und die Maschine von einem Spezialfahrzeug in Position gebracht. Alles unter den interessierten Blicken der Berliner Besucher-Gruppe in 30 Meter Entfernung. "Diese Maschine mit dem Gewicht in die Luft zu bekommen, ist fast unvorstellbar", sagt Dago Müller. Zu diesem Zeitpunkt haben die Piloten einen Flug von acht Stunden und 22 Minuten vor sich. Von Bangalore aus sollte es weiter nach Madras in Indien gehen und anschließend in das Emirat Schardscha. "Das liegt bei Dubai", erklärt einer der Piloten noch kurz vor dem Start. Wenig später heben sie ab auf dem Weg zum anderen Ende der Welt.

Der Besuch der Frachtmaschine gehört zum Besichtigungsprogramm, den die acht Leser gewonnen hatten. Anlässlich des Jubiläums des ersten Luftfrachtfluges vor 100 Jahren mit den druckfrischen Exemplaren der Berliner Morgenpost an Bord (wir berichteten), hatte Lufthansa Cargo gemeinsam mit der Berliner Morgenpost den Besuch im Lufthansa Cargo Center (LCC) ermöglicht.

Als die tonnenschwere Maschine am Horizont verschwunden ist, haben die Leser bereits eine Vorstellung von den Aufgaben der Piloten. Zu Beginn durften sie an der Seite von Chefausbilder Mathias Kern im Flugsimulator eine solche Maschine steuern und landen. Kern ist Pilot und bildet Piloten sowie die 40 Pilotenausbilder aus. In zwei Gruppen nehmen die Berliner im Ausbildungscenter den rechten Platz im Cockpit ein. Mit Geduld erklärt der Chefausbilder die Möglichkeiten des rechnergesteuerten Simulators und führt sie vor. Per Knopfdruck wird die gefährliche Nähe zu anderen Maschinen am Himmel simuliert, Turbulenzen erschüttern das Cockpit und selbst das Ausfahren des Fahrwerks ist zu spüren. "Mein Respekt vor den Leistungen der Piloten ist noch größer geworden", sagt Brigitte Freudenberg. "Alle Hochachtung."

Ein weiterer Gastgeber ist am Freitag auch Cargo-Urgestein Dieter Zimmermann. Er ist im Lufthansa-Frachtcenter einer der bekanntesten Männer. Im Jahr 1960 hat er als Ramp-Agent seine Tätigkeit im Frachtcenter begonnen und ist 1992 im Alter von 58 Jahren als Manager Warehouse Facility in den Vorruhestand gegangen. Seitdem führt er Besuchergruppen durch das LCC. Am größten Luftfrachtdrehkreuz Europas werden rund 80 Prozent der Tonnage von Lufthansa Cargo abgefertigt. Rund 300 Zielorte in mehr als 100 Ländern werden vom Main aus angeflogen. Zimmermann versteht es, die trockenen Fakten, Zahlen und Daten des Cargo-Geschäftes immer wieder mit lockeren Sprüchen und Anekdoten unterhaltsam zu präsentieren. "Dieser Blick hinter die Kulissen ist wirklich spannend", sagt Regina Hahn. "Ein außergewöhnliches Erlebnis", ergänzt Gerhard Freudenberg. Um 18 Uhr geht es dann mit einer Passagiermaschine des Unternehmens zurück nach Berlin-Tegel.